Hilferuf aus dem Tierheim: Wir brauchen mehr Geld

Der Vorstand des Stollberger Tierschutzvereins verhandelt mit Bürgermeistern über höhere Zuschüsse. Nicht zum ersten Mal. Aber diesmal liegen Zahlen auf dem Tisch. Eine Gemeinde hat sich bereits überzeugen lassen.

Stollberg.

Im Stollberger Tierheim "Waldfrieden" herrscht selten Ruhe. Auch nicht an einem Freitagnachmittag. Familien geben ihre Katzen in Pension, Tiere brauchen Medikamente, es klingelt an der Pforte. Das Ehrenamt, das Susann Scheibner, die Vorsitzende des Tierschutzvereins, und Andreas Herold, ihr Stellvertreter, ausfüllen, hält sie ständig auf Trab. Fragt man die beiden, wie es dem Tierheim geht, kommen sie schnell zum Punkt: Es fehlt an Geld und an Personal.

Das spiegelt sich auch in ihren Terminkalendern wider. "Wir haben beide eine 80-Stunden-Woche", sagt Herold, der hauptberuflich im Öffentlichen Dienst arbeitet. Scheibner ist in einer Zahnarztpraxis angestellt. Weil die Arbeit im Tierheim nebenbei kaum noch zu schaffen ist, gelten ab sofort andere Öffnungszeiten: Montags, mittwochs und sonntags bleibt die Anlage für Besucher geschlossen. Zudem wagt der Vorstand jetzt einen neuen Anlauf, um Kommunen von höheren Zuschüssen zu überzeugen.

Das Tierheim erhält Geld von 13 Städten und Gemeinden in der Region. In Verträgen ist geregelt, dass die Einrichtung Fundtiere aufnimmt - und damit eine Pflichtaufgabe der Kommunen erledigt. So kamen im vergangenen Jahr rund 70.000 Euro zusammen. Nach Angaben des Vereins mussten davon mehr als 50.000 Euro in das Personal investiert werden. Dazu kommen Nebenkosten: Strom, Heizung, Wasser, Müll. Zwar bekommt das Tierheim auch Spenden. Aber es könne nicht angehen, dass Spender eine Aufgabe finanzieren, die Sache der Kommunen ist, meint Herold.

Die Gemeinde Niederdorf hat schon reagiert. Jüngst wurde entschieden, die Pro-Kopf-Gebühr ab August von 60 Cent auf 1 Euro zu erhöhen. Damit zahlt die Kommune etwa 1300 Euro ans Tierheim. In den nächsten Jahren soll die Abgabe weiter steigen, in mehren Schritten.

Dabei wurde der Einrichtung zugutegehalten, dass sie erstmals Zahlen nannte. Drei Minijobber - ein Hausmeister und zwei Tierbetreuer - stehen jeweils 12,5 Stunden pro Woche zur Verfügung. Dazu kommen zwei Bundesfreiwilligendienstler. Auf die Festangestellte, die sonst 32 Stunden pro Woche arbeitet, muss das Tierheim momentan verzichten: Ein Arzt hat der Schwangeren verboten zu arbeiten.

Im Tierheim laufen aktuell Vorstellungsgespräche. Susann Scheibner und Andreas Herold wollen demnächst bis zu drei FÖJ-Stellen (Freiwilliges Öffentliches Jahr) besetzen. Wobei laut Herold nicht nur die Anzahl der Mitarbeiter eine Rolle spielt, sondern auch deren Fähigkeiten. "Wer ein Fundtier abholen will, braucht einen Führerschein". Deshalb, so Herold, wäre es auf Dauer sinnvoller, wenn drei Festangestellte in der Anlage arbeiten würden. Auch bei der optimalen Pro-Kopf-Gebühr hat Herold präzise Vorstellungen: Er kommt nach eigenen Berechnungen auf 1,45 Euro.

Die Bürgermeister der Region wollen sich im August treffen, um über die Finanzierung des Tierheims "Waldfrieden" zu reden. Stollbergs Oberbürgermeister, Marcel Schmidt, sagt: "Ich persönlich möchte nicht, dass diejenigen, die sich ehrenamtlich für die Aufgaben des Tierheimes engagieren, die wirtschaftliche Lücke schließen müssen, die dadurch entsteht, dass Kommunen nicht kostendeckend für den verursachten Aufwand aufkommen." Falls der Verein die Unterfinanzierung belegen kann, will Schmidt das Thema mit den Stadträten diskutieren.

Ähnlich sieht es Thalheims Bürgermeister Nico Dittmann: "Wir wollen uns nicht aus der Affäre ziehen und sind nicht abgeneigt, das Tierheim zu unterstützen". Wichtig ist laut Dittmann, einen einheitlichen Satz zu beschließen. Noch ist die Spanne bei den Pro-Kopf-Gebühren recht groß, die Gemeinden zahlen zwischen 50 Cent und 1 Euro.

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