Hinter dem Stahlkorsett zieht bald Hightech ein

In der Peter-Breuer-Straße entsteht ein Hochtechnologiezentrum. Der Bau und die alte Bausubstanz stellen Spezialisten vor viele Herausforderungen.

Zwickau.

Staunend stehen immer wieder Passanten vor der großen Stahlkonstruktion, die gegenwärtig ein Stück der Peter-Breuer-Straße in Zwickau überspannt. "Sie ist erforderlich, um die Fassadenwand gegenüber dem ,Brauhaus' abzustützen", sagt Heike Krenkel, Leiterin der Zwickauer Niederlassung des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB). Hinter der 139 Jahre alten, roten Klinkerfassade soll ein Hochtechnologiezentrum für die Westsächsische Hochschule Zwickau (WHZ) entstehen.

Da das Haus, in dem sich früher die Druckerei Förster & Borries befand, unter Denkmalschutz steht, muss wenigstens die Fassade erhalten bleiben. Alles dahinter wird gegenwärtig abgerissen. Die Wand über drei Etagen inklusive Dach und Ziergiebel bedarf einer aufwendigen Sicherung, um nicht einzustürzen. So sind zwölf etwa zehn Meter tiefe Bohrpfähle in die Straße eingebracht worden, auf denen die Stahlkonstruktion steht, die die Fassade zur Straße abstützt. Auch von innen gibt es eine Stahlkonstruktion. Zusätzlich hat die Mauer auf jeder Etage Stahlprofile, die über Stahlseile miteinander verbunden sind und so eine Art Korsett bilden. Für weitere Stabilität sorgt das vorübergehende Zumauern der Fenster, das gerade erfolgt. "Vorgesehen ist, dass die Konstruktion diese Woche fertig wird. Dann muss ein Prüfstatiker alles abnehmen. Anschließend wird die Straße, die zum Verlegen der Medien und zum Setzen der Bohrpfähle aufgerissen wurde, asphaltiert. Und es gibt Gespräche mit der Stadtverwaltung Zwickau zur künftigen Verkehrsreglung auf diesem etwa 40Meter langen Abschnitt", sagt Heike Krenkel. Sie geht davon aus, dass die Straße voraussichtlich Mitte Juni wieder freigegeben wird. Dann rollt der Verkehr unter den Stahlträgern hindurch.

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Im hinteren Teil des Grundstücks ist ein großes Loch ausgehoben worden, im März und April fanden Grabungen statt. "Dort hat Grabungs- leiter Jörg Wicke mit seinem Team überraschenderweise sogar noch ein Stück der alten Stadtmauer gefunden", sagt Matthias Conrad vom Landesamt für Archäologie.

Wenn die Fassade fertig gesichert ist, entsteht hinter ihr auf insgesamt 2600 Quadratmetern das Hochtechnologiezentrum. "Das Untergeschoss wird dabei völlig schwingungsentkoppelt gebaut. Es wird auf einem Kiesbett liegen und darf keine starren Verbindungen zu den Außenwänden haben", erläutert Krenkel. Sie berichtet, dass das Zentrum mit Laboren für Vakuum-, Röntgen- und Plasmatechnologie laut heutigen Planungen Ende 2020 fertig sein soll. Dafür sind 40Millionen Euro vorgesehen. 37Millionen davon fließen als Fördergeld. "Auf so engem Raum im Stadtzentrum zu bauen, ist für alle Firmen eine große Herausforderung", sagt die SIB-Niederlassungsleiterin. "Aber wir können so ein Stück Historie vor dem endgültigen Verfall retten. Die Fassade wird ein Hingucker." Die Bau- ingenieurin berichtet, dass nach der Fertigstellung des Baukörpers die aufwendige Einrichtung der Labore erfolge. Sie geht davon aus, dass die WHZ Ende 2022 dort einziehen und arbeiten kann.

Abgerissen worden sind auch der Druckereianbau aus DDR-Zeiten sowie die Hansa-Handelsschule. Letztere ist denkmalgeschützt. Ihre Fassade wird wieder originalgetreu aufgebaut. Dass auch das unscheinbare Gebäude neben der Klinkerfassade vorn an der Straße stehen bleibt, verwundert auf den ersten Blick. "Es handelt sich dabei um ein mehrfach überbautes Priesterhaus aus dem 16.Jahrhundert", sagt Heike Krenkel. "Die Giebelwand zur früheren Druckerei ist aus dem frühen 16.Jahrhundert. Außerdem gibt es einen mittelalterlichen Gewölbekeller. Erdgeschoss und Keller bleiben erhalten. Das Gebäude wird in den Neubau des Hochtechnologiezentrums integriert."

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