Historische Grubenwehrsiedlung erstrahlt bald in neuem Glanz

Die Häuser an der Willibald-Emmrich-Straße in Oelsnitz stehen unter Denkmalschutz. Ihre besondere ortshistorische Bedeutung offenbaren sie nicht auf den ersten Blick.

Oelsnitz.

Verkaufen, um sanieren zu können. Unter dieser Prämisse hat die Wohnungsbaugesellschaft Oelsnitz (WGO) die Grundlage für die Sanierung der historischen Grubenwehrsiedlung an der Willibald-Emmrich-Straße geschaffen. "Das Vorhaben hatte sich schon viel zu lange hingezogen. Da mussten wir Kompromisse machen", bekennt WGO-Geschäftsführer Jens Hojenski. Kurz vor Abschluss eines ersten Bauabschnittes haben am Samstag nach etwa einjähriger Bauzeit zahlreiche Besucher die Möglichkeit zur Besichtigung genutzt.

Der Grundstein für die vier Häuser der historischen Grubenwehrsiedlung wurde im August 1953 gelegt. Es wurde damals viel Wohnraum für die Beschäftigten des Bergbaus benötigt. Doch diese Häuser in unmittelbarer Nähe zum Karl-Liebknecht-Schacht (heute Bergbaumuseum) war einer besonderen Klientel vorbehalten: Hier wurde für die Mitglieder von Betriebsfeuerwehr und Grubenwehr und deren Familien gebaut, also für jene Mitarbeiter, die im Ernstfall besonders schnell im Schachtgelände sein mussten, denn die Wohnanlage ist nur rund 200 Meter vom einstigen Werktor entfernt.

Im September 1954 hatte der Stadtrat beschlossen, die kleine Stichstraße an der Karl-Liebknecht-Straße nach dem Oelsnitzer Bergmann Willibald Emmrich zu benennen, der 1944 im Konzentrationslager Sachsenhausen gestorben ist. Im Dezember 1954 waren alle Häuser bezogen. Noch bis 1958 sind weitere Häuser für Bergleute an dem Straßenzug entstanden.

Während diese neueren Genossenschafts-Häuser inzwischen saniert wurden, waren die vier ältesten Häuser der Siedlung noch weitgehend im Originalzustand. Das Problem: Die Modernisierung unterliegt strengen Auflagen, denn seit 1998 steht die Grubenwehrsiedlung unter Denkmalschutz. "Das ist ein Bau- und Gebietsdenkmal", erklärt Heike Stahl, die für Bauwesen zuständige Mitarbeiterin der WGO. Nicht nur die Ansicht der Häuser zur Straßenseite musste erhalten werden. Auch etliche Details wurden vom Denkmalschutz eingefordert: "Wir mussten zum Beispiel Dachgauben errichten, statt der kostengünstigeren Dachliegefenster. Die alten Haustüren mussten erhalten und aufgearbeitet werden, und es sind ausschließlich Holzfenster mit Originalversprossung eingebaut worden", so Heike Stahl. Das Farbkonzept für die Treppenhäuser hat noch der 2018 verstorbene Lugauer Maler und Grafiker Klaus Hirsch nach einer Prüfung der Originalfarben erstellt.

Dennoch sollten die Häuser auch den heutigen Anforderungen entsprechen. Deshalb wurden Grundrisse verändert und auf der Gebäuderückseite Balkone und Terrassen für jede Wohnung angebaut. Ein weiterer Eingriff in die Substanz ist auch von außen sichtbar: An beiden Stirnseiten des Gebäudes wurden Eingänge für sogenannte Townhäuser geschaffen, das sind separat zugängliche Maisonetten-Wohnungen.

Das alles hat seinen Preis. 1,5 Millionen Euro hat die Sanierung von Haus drei mit seinen Eingängen a bis d gekostet. Im März sollen sie bezugsfertig sein. Da die Grubenwehrhäuser im Stadtumbaugebiet "Neuoelsnitz Südost" liegen, wurde die Sanierung mit zehn Prozent über den Stadtumbau Ost gefördert. Zur Finanzierung der Eigenmittel in Höhe von 400.000 Euro wurde das Haus Nummer vier an einen Privatinvestor verkauft, der es inzwischen ebenfalls saniert hat. Ebenso wird es bei den anderen beiden Häusern gemacht: Für die Finanzierung der Sanierung von Haus zwei durch die WGO wurde Haus eins mit der Auflage zur Sanierung an privat verkauft. Bis Anfang 2020 soll die Sanierung der gesamten Grubenwehrsiedlung abgeschlossen sein. Das Interesse an den jeweils acht Wohnungen pro Haus ist groß. Stahl: "Dieses Haus ist inzwischen komplett vermietet. Für Haus zwei gibt es bereits Interessenten."

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