Hormersdorfer Zahnarzt bringt Kindern das Lächeln zurück

Michael Drechsel gibt aus Überzeugung etwas vom europäischen Wohlstand zurück. In drei indischen Kinderheimen saniert er Zähne, statt sie zu ziehen.

Hormersdorf.

Die Patienten und er sitzen auf Plastikstühlen. Das Fenster ist notdürftig verhüllt, um vor neugierigen Blicken zu schützen. Nichts erinnert an die heimische Zahnarztpraxis in Hormersdorf. Doch Michael Drechsel arbeitet gern dort. Seit 2011 engagiert sich der 59-Jährige in Indien.

Mitte der 1990er-Jahre machte der Zahnarzt dort Urlaub und war angetan. Allerdings erkannte er, dass es an vielen Enden und Ecken klemmte. "Daher reifte in mir der Gedanke, dass ich etwas von unserem europäischen Wohlstand abgeben könnte", erinnert sich Drechsel. 2010 ist er in einer Fachzeitschrift auf einen Artikel über "Zahnärzte ohne Grenzen" gestoßen, knüpfte den ersten Kontakt und reiste 2011 mit der renommierten Organisation nach Indien. In Tamil Nadu baute er eine feste Zahnarzteinheit auf, die damals die Kirchgemeinde Hormersdorf finanzierte. Ein Jahr später wollte der Erzgebirger wieder in den Bundesstaat reisen. "Ich hatte einen Flug gebucht, mir eine Helferin gesucht, die ich ja brauche." Dann der Tiefschlag: Es gab im südindischen Bundesstaat ein Einreiseverbot. Drechsel suchte nach einer Lösung und fand sie im Bundesstaat Andhra Pradesh. Es war - wie es manchmal vielleicht sein muss - der zunächst verstellte Weg, der ihn aber auf den für ihn richtigen führte. Seither betreut der Hormersdorfer auf eigene Faust, eigene Kosten und also auf "kurzem Weg" drei Kinderheime, deren Hauptsitz sich in Narakodur befindet.

Da er in Hormersdorf mit seiner Frau eine Praxis hat, müssen die Reisetermine schon langfristig feststehen. "Es sind immer drei Wochen im Februar, immer in der Ferienzeit."

Mit zwei mobilen Einheiten, die er sich nach und nach komplettiert habe, ist er etwa eine Woche in Inumella, Medapadu und eben Narakodur unterwegs. Zu den mobilen Einheiten gehören zwei Stühle, dazu Koffer und Instrumente. Zu einigen Mitarbeitern habe sich mittlerweile eine Freundschaft entwickelt.

Faszinierend sei die indische Lebenseinstellung: "Morgen interessiert die Inder ein bisschen, übermorgen gar nicht." Sie leben im Hier und Jetzt. Die Kinderheime entsprechen zwar nicht europäischem Maßstab, doch sie liegen über dem Standard der normalen indischen Bevölkerung. "Die Gästezimmer sind einfach und sauber", so der deutsche Zahnarzt. Auf die Kinder warten drei warme Mahlzeiten pro Tag und eine Rundumbetreuung. Zudem gehen sie in die Schule - was hierzulande völlig alltäglich ist, ist in Indien noch eher bemerkenswert.

Zwei oder drei Vorträge hält er im Jahr. Er macht damit auf Unterstützungsmöglichkeiten aufmerksam. "Den Kindern in den Heimen geht es besser als Gleichaltrigen auf dem Lande." Dort sei der Lebensstandard besonders niedrig, leben die Menschen nur von der Landwirtschaft - konkret vom Anbau von Chili und Baumwolle. Während es in den Städten einen Bauboom gibt, geht es auf dem Land nur langsam voran. "In den großen Städten gibt es Industrie, auf dem Land leben die Tagelöhner", zeichnet Drechsel ein eher trauriges Bild, was unterstreicht, wie wichtig sein Engagement ist. Damit hat er auch Erfolg: Machte er anfangs fast nur Extraktionen, kommt er heute mit viel weniger Ampullen aus. "Der Sanierungserfolg hat eingesetzt." Die indischen Kinder nehmen das Angebot dankbar und tapfer an. "Nur manchmal rollt noch ein Tränchen."

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