Howgh, Karl May ist online!

Seit Juli ist die erste Zeitschrift, die sich mit dem berühmten Schriftsteller aus Hohenstein-Ernstthal befasst, im World Wide Web erhältlich. Damit soll der Autor etwas entstaubt werden.

Hohenstein-Ernstthal.

Karl May hat ganz schön zu kämpfen. Die Leute spielen heute mit ihren Smartphones, stecken ihre Nasen dafür schon lange nicht mehr so häufig in seine Bücher wie früher. Das Image des großen Hohenstein-Ernstthaler Schriftstellers, den Hermann Kant einst einmal als "herrlichen sächsischen Lügenbold" bezeichnet hat, scheint verstaubt. Jetzt bekommt der Autor sozusagen Schützenhilfe.

Zwei Hohenstein-Ernstthaler wollen das Renommee des Autors aufpolieren. Karl-May-Experte Ralf Harder und Stadtchronist Wolfgang Hallmann geben seit diesem Monat gemeinsam eine neue Karl-May-Zeitschrift heraus. Bei ihr handelt es sich um die erste Onlinezeitschrift, die den Indianerschriftsteller zum Thema hat. Howgh, Karl May ist online!


Für die Karl-May-Enthusiasten, die schnell einmal auch im eigenen Saft schmoren, ist das eine echte Zäsur. "Dazu kommt, dass sich Interessierte die Zeitschrift kostenlos herunterladen können", sagt Ralf Harder, der auch stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Karl-May-Stiftung Radebeul ist. Es sei schwer, Leute zu überzeugen, für Inhalte aus dem Netz Geld zu bezahlen. "Aber es ist unser Ziel, wieder mehr Leute für Karl May zu begeistern und sie auch zu animieren, wieder einmal nach Radebeul oder Hohenstein-Ernstthal zu kommen, um das Museum oder das Geburtshaus zu besichtigen", so Harder weiter.

Genaugenommen ist die neue Zeitschrift, die ab 1. Juli online ist, keine neue Zeitschrift. Sie trägt den etwas sperrigen Titel "Schacht und Hütte", und es gab sie schon einmal. "Karl May war ihr Redakteur", weiß Wolfgang Hallmann zu berichten. Ab 1875 betreute Karl May für einige Zeit diese Zeitschrift und schrieb für sie selber Texte. "Für den Ernstthaler war das eine große Chance", so Hallmann. Er war 33 Jahre alt, kam gerade frisch aus dem Gefängnis und stand sogar noch unter Polizeiaufsicht. Die Verlegerbrüder Münchmeyer aus Dresden hatten sein Talent entdeckt und versprachen sich viel von ihm. In der Zeitschrift widmeten sich die Autoren auch Themen, die mit der Industrialisierung in der Zeit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu tun hatten. Es ging um Bergbau, und viele Geschichten schilderten die schwierigen Lebensumstände der Menschen in jener Zeit. Aber bald war wieder Schluss. Als einer der beiden Verleger seine Tochter mit May verkuppeln wollte, nahm der Jungredakteur Reißaus.

Die neue "Schacht und Hütte" hatte einen guten Start. In einer Woche hatte die erste Ausgabe rund 4000 Besucher. Harder: "Karl May hat schon noch eine Botschaft zu vermitteln. Er ist immer für Völkerverständigung eingetreten. Für ihn gab es keine verschiedenen Hautfarben."

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