Hunnert: Ortschaftsrat will Sportler unterstützen

Hormersdorfer diskutieren über eine alte Fabrik. Es gibt wenig Verständnis für den Denkmalschutz. Doch ein Argument haben die Gegner des Abbruchs.

Homersdorf.

Das Schicksal der Hunnert bewegt die Hormersdorfer. Ist der Industriebau an der Auerbacher Straße ein hässliches Entlein oder doch ein architektonischer Schatz? Über diese Frage wurde in der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrates leidenschaftlich gestritten. Um die Diskussion auf ein sachliches Fundament zu stellen, informierten Ortsvorsteher Marco Hilbert und sein Stellvertreter Uwe Weißbach in einem Vortrag über die Geschichte der Hunnert oder auch Hundert. So wurde das Gebäude 1927 für die Strumpffabrik Emmerlich errichtet. Nach dem Krieg diente es als Wohnhaus. Und seit der Wende gab es immer wieder verschiedene Mieter, wie das Heimatmuseum und den Fußballverein, der bis heute die Kellerräume als Umkleide- und Sanitärräume nutzt.

"Wir bräuchten in unserem Ort dringend eine Pflegeeinrichtung für Senioren. Doch die Hundert ist dafür nicht geeignet", erklärte Uwe Weißbach. Immer wieder habe es Bemühungen gegeben. So signalisierte 2015 die Awo Annaberg ihr Interesse. Doch das Vorhaben sei gescheitert. "Wir haben 25 Jahre lang vergeblich probiert, eine Nutzung zu bekommen", so Weißbach. Er sieht dafür mehrere Gründe. "Das Gebäude ist falsch ausgerichtet. Ein Teil der Bewohner hat kein Sonnenlicht." Zudem müsste jede Wohnung mit einem Balkon ausgestattet sein, damit auch gehbehinderte Bewohner an die frische Luft kämen. Dies sei aber aufgrund des Denkmalschutzes nicht möglich.


Deshalb plädierte Weißbach für den Abriss der Hunnert und für einen Neubau mit 15 altersgerechten Wohnungen und einer Tagespflege. "Dafür steht ein Investor zur Verfügung." Betrieben würde die Einrichtung von der Diakonie Stollberg. Wenn die sächsische Landesregierung der von der Stadt Zwönitz beantragen Löschung des Denkmalschutzstatus' zustimmt, könnte der Abriss beginnen. Die Kosten schätzt Weißbach auf 200.000 Euro. Dagegen würden Sanierung und Umbau der Hunnert bis zu acht Millionen Euro kosten.

Nach dieser klaren Position pro Abriss erhielt Ulrike Kahl das Wort. Die Kreisrätin von Bündnis 90/Die Grünen ist für die Erhaltung der Hunnert und war deshalb zur Ortschaftsratssitzung eingeladen worden. "Sie haben hier einen Schatz vor ihrer Haustür. Das Gebäude wurde von dem Architekten Curt am Ende entworfen, der unter anderem auch für das AOK-Gebäude in Chemnitz zuständig war", so Kahl. Auch das Argument, man habe bislang vergeblich versucht, eine Nutzung zu finden, ließ die Politikerin als Argument für den Abriss nicht gelten: "Ich verstehe nicht, dass sie die Immobilie nie auf dem freien Markt angeboten haben." Ohne diese nachweisbaren Verkaufsbemühungen sei es aus ihrer Sicht schwierig, dass der Freistaat den Denkmalschutz aufhebe. Zudem sei das Gebäude in einem guten baulichen Zustand. "Doch ich entscheide nicht über den Denkmalschutz für die Hundert", machte Kahl deutlich, als ihr der Unmut der Hormersdorfer deutlich entgegenschlug.

Der Ortschaftsrat hielt der Grünen entgegen, dass man die Entscheidung für den Abriss nicht leichtfertig getroffen habe. Der Zwönitzer Stadtrat Hans Kleinhempel (Linke) drückte deutlich seinen Unmut aus, indem er die Hunnert als "hässliches Entlein" bezeichnete.

Zumindest für die Fußballer könnte der Abend mehr Klarheit über ihr künftiges Domizil gebracht haben. "Wir lassen euch nicht hängen", versprach Uwe Weißbach. Bei der Errichtung eines Vereinsheims könnten die Fußballer ihren Anteil durch Eigenleistungen erbringen.

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