"Ich habe gedacht: Da musst Du hin!"

ZDF-Moderator Peter Hahne spricht am Tag der Deutschen Einheit in Hohndorf - Sein Appell: Das 1989er-Motto muss wieder aufleben

Anderenorts längst Geschichte, feiert Hohndorf am Mittwoch zum 28. Mal den 3. Oktober - und wieder hat Bürgermeister Matthias Groschwitz einen prominenten Festredner gewonnen: Peter Hahne. Viola Gerhard hat mit dem Fernsehmoderator, Journalisten und Buchautor über seine Beweggründe gesprochen, die Einladung in die 3600-Seelen-Gemeinde anzunehmen.

Freie Presse: Wie ist es Bürgermeister Matthias Groschwitz gelungen, Sie zum Halten der Festansprache im kleinen Hohndorf zu bewegen?

Peter Hahne: Ich habe lange recherchiert, bis ich den Ort überhaupt fand und wie man da hinkommt. Und dann habe ich in der "Freien Presse" einen tollen Bericht über die Feier 2017 gelesen und gedacht: Da musst Du hin! Eine originelle Idee, der kleinste "Staatsakt" parallel zu dem großen in Berlin. Wir haben heute zu viele Miesepeters und Meckerfritzen in Sachen Deutsche Einheit, Hohndorf setzt einen Kontrapunkt. Da bin ich von Herzen dabei!

Welche Bedeutung hat für Sie persönlich der Tag der Einheit im Jahr 2018?

Drei Worte: Danke, Danke, Danke! Darauf habe ich 45 Jahre lang als Journalist mit hingearbeitet, und es war am 9. November 1989 mein schönstes Geburtstagsgeschenk. Von Plauen ist alles ausgegangen, über Leipzig bis nach Berlin. Ich kann den Sachsen nicht genug danken, deshalb bin ich am Mittwoch im Erzgebirge und vorher schon in Görlitz. Die Einheit muss aber mit Leben erfüllt werden. Gewonnene Freiheit geht schnell verloren, wenn auf die Mauer im Lande jetzt eine Spaltung der Gesellschaft folgt. Das dürfen wir nicht zulassen.

Hohndorf liegt nur wenige Kilometer von Chemnitz entfernt, werden die dortigen Ereignisse von Ende August eine Rolle in Ihren Ausführungen spielen? Wo sehen Sie die Ursachen für die aktuellen Entwicklungen?

Seit Beginn des Flüchtlingsstroms 2015 habe ich gewarnt: Überfordert die Bürger nicht! Die entscheidende Frage ist doch: Wieviel Toleranz verträgt ein Volk? Wenn ich das nicht beachte, ist weder Flüchtlingen nach dem Land geholfen. Besorgte Bürger pauschal als Rechtsradikale zu diffamieren, nützt niemandem. Wie weit unsere Politik in ihrer Parallelgesellschaft von den Bürgern entfernt ist, sieht man zum Beispiel am "Fall Maaßen". "Chemnitz" ist doch nicht vom Himmel gefallen, wo waren denn da die Schönredner in Kirchen und Parteien?! Wer eine ganze Stadt oder den Freistaat Sachsen pauschal als Nazis diffamiert, muss sich nicht wundern. Mein Appell zum Tag der Einheit: Lasst uns das Motto von 1989 wieder mit Leben erfüllen: "Wir sind EIN Volk!" Lasst uns den unversöhnlichen Riss, der heute durchs Land geht, bis in Familien und Vereine hinein, wieder heilen. Macht die "Schwerter" des Wortes und der Gewalt zu "Pflugscharen" einer versöhnten Gesellschaft, bei aller politischen Verschiedenheit.


Öffentliche Veranstaltung

Der Festakt am 3. Oktober im "Weißen Lamm" in Hohndorf ist öffentlich. Beginn: 10 Uhr. Neben der Festansprache von Peter Hahn gehört auch die Verleihung des Ehrenwappens zum Programm, das die Chorgemeinschaft Harmonie umrahmt.


Zur Person

Peter Hahne war Moderator und Redakteur des "Heute Journals" sowie von "Heute", bis 2011 moderierte er "Berlin direkt", seitdem arbeitet er in der ZDF-Programmdirektion.

Als Buchautor sorgt Hahne aktuell mit "Schluss mit Euren ewigen Mogelpackungen" für Furore. Darin bricht er auch eine Lanze für die neuen Bundesländer.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 2 Bewertungen
2Kommentare
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  • 3
    9
    Tauchsieder
    01.10.2018

    Bitte, bitte nicht, wir brauchen im östlichen Teil Deutschlands keinen der uns die Welt aus westlicher Sicht erklärt. Er sollte, wenn schon , in den Osten kommen und sehen wie die Welt abseits des öffentlich, rechtlichen rot - grün gestrickten Universums ist. Definitiv brauchen wir niemand der uns die Welt erklärt, vor allem nicht aus öffentlich rechtlicher Sicht, also aus den Staatsmedien die mit Zwangsbeiträgen finanziert werden.

  • 3
    4
    Dorpat
    01.10.2018

    Sehr schön, daß er nach Hohndorf kommt!

    Einer der letzten Journalisten, der auch noch diesen Namen verdient!



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