Im Februar erklingen die alten Glocken ein letztes Mal

Der Kirchenvorstand von St. Johannes in Niederwürschnitz strahlt großen Optimismus aus, was die Finanzierung des neuen Glockenstuhls samt Geläut betrifft. Noch vor einem Jahr sah das allerdings ganz anders aus.

Niederwürschnitz.

Rund ein Jahr ist es her, da stand die Zahl 315.000Euro das erste Mal im Raum - und dem Kirchenvorstand war, wie es Wolfgang Roscher formuliert, "recht flau im Magen". Denn der Kostenschätzung für die Erneuerung von Glockenstuhl und Geläut in der Kirche St. Johannes hatte die Kirchgemeinde "im Prinzip nichts" entgegenzusetzen, sagt der Kirchenvorstand. Auch der Kreditrahmen sei durch Baumaßnahmen am Lugauer Gotteshaus und auch in Niederwürschnitz ausgeschöpft gewesen. Dennoch habe man keinen Moment darüber nachgedacht, das Vorhaben aufzuschieben, erklärt Vorstand Lutz Holländer. Aufgrund des Zustands hätte man Geläut und Glocken nämlich nicht durch die nächste Revision bekommen. Holländer: "Für uns stand fest: Wir warten keine Stunde länger. Wenn nicht jetzt, wann dann?" Der Kirchenvorstand entschied sich einstimmig für das Vorhaben. Heute wissen sie: Das war richtig.

Denn das Regionalkirchenamt bezuschusst das Projekt mit 156.000Euro für die Baumaßnahme und 42.000Euro für die Glocken, und vom nötigen Eigenanteil - reichlich 100.000 Euro - ist die Kirchgemeinde faktisch nur noch einen Steinwurf entfernt. Rund 81.000 Euro sind dank einer unvergleichlichen Spendenbereitschaft auch von Nicht-Kirchengliedern und mehrerer Benefizveranstaltungen bereits zusammengekommen, erklärt Lutz Holländer.

Und so halten die beiden Männer jetzt einen Terminplan in den Händen, der mit einem nicht unrealistischen Datum endet: am 14. Juni 2020 sollen die neuen Bronzeglocken das erste Mal läuten. Allerdings stehen hinter dem Datum, wie auch hinter dem für die Glockenweihe am 16. Mai, noch kleine Fragezeichen. "Es muss ja nur beim Gießen irgendein Problem geben", sagt Roscher. Dann verschiebe sich der Plan leicht nach hinten. Die ersten Punkte des Terminplans sind indessen schon abgearbeitet: Läutetechnik und Glockenguss wurden ausgeschrieben und der Auftrag vergeben. Gegossen wird das aus drei Glocken bestehende Bronzegeläut demnach im österreichischen Innsbruck.

Auch die Entwürfe für die Inschriften der Glocken sind fertig und hängen für jedermann sichtbar im Gotteshaus aus. Die Festglocke - mit 1,47 Meter Durchmesser und 1700Kilogramm Gewicht die größte - wird auf der Vorderseite jener Spruch zieren, der schon heute auf der mittleren Glocke und auch im Bogen überm Altarraum des Gotteshauses zu lesen ist: "Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit". Alle anderen Sprüche seien dem Johannes-Evangelium entnommen, sagt Lutz Holländer. Schließlich trage auch die Kirche den Namen St. Johannes.

Im Februar werden die alten Eisengussglocken ein letztes Mal läuten, um dann für immer zu verstummen. Nachdem sie abgenommen und durch eine Öffnung im Turm-Mauerwerk nach unten gebracht worden sind, beginnen im März die Bauarbeiten im Turmgebäude.

Die Baustelle werde auch Einschränkungen für die Nutzung der Kirche nach sich ziehen, sagt Wolfgang Roscher. Allerdings wisse man noch nicht genau, in welchem Umfang. Fakt ist: Solche groß angelegten Benefizaktionen wie kürzlich das Konzert von Karussell werden dann nicht möglich sein. Nicht nur wegen der eingeschränkten Kirchennutzung, sondern auch, weil der Vorstand wohl wegen des Bauprojektes alle Hände voll zu tun und kaum Zeit für die Organisation solcher Veranstaltungen haben wird, sagt Roscher. Nichtsdestotrotz habe Eberhard Görner - der aus Niederwürschnitz stammende Filmemacher hat beispielsweise "DDR-Chefindianer" Gojko Mitic und die Gruppe Karussell für Benefizauftritte nach Niederwürschnitz geholt - noch eine ganze Reihe Ideen für weitere Aktionen, sagt Holländer. Man müsse sehen, was realisierbar ist. Fest stehen jedoch schon zwei Termine: Am 8. Mai wird es eine lyrische Lesung mit Orgelspiel und am 6. September eine Veranstaltung mit Bernd-Lutz Lange geben. Und auch, wenn die neuen Glocken hängen, wird es weiter Führungen geben. Die Leute interessiere doch, was aus ihrem Geld geworden ist, sagen die Männer. Und vielleicht taucht eines Tages auch prominenter Besuch auf. "Karussell haben gesagt, sie würden gern wiederkommen. Schließlich wollen sie die neuen Glocken auch mal hören", sagt Lutz Holländer.

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