Im Mittelpunkt: Geld, das nicht da ist

Auf der Einwohnerversammlung von Auerbach gab es trotz mehrerer Tagesordnungspunkte nur ein Thema: die schwierige finanzielle Situation. Ein optimistischer Ausblick fehlte dennoch nicht.

Auerbach.

Etwa 200 Besucher waren am Freitagabend in den Saal des früheren Stifts gekommen, um sich über die Situation in der Gemeinde zu informieren. Knapp formuliert: Sie erfuhren, dass es in Auerbach finanziell nicht rosig aussieht und auch, warum es so gekommen ist. Sie konnten aber an diesem Abend auch einen Silberstreif am Horizont ausmachen: "Ab 2021 wird sich die finanzielle Lage entspannen", gab Kämmerin Simone Gerber einen optimistischen Ausblick.

Zuvor hatte sie erklärt, dass ein 2019 aufgebautes Defizit in der Gemeindekasse noch mit liquiden Mitteln gedeckt werden konnte, das Jahr 2020 aber "mit 400.000 Euro minus abschließen wird". Woher dann der Optimismus für 2021? Der ist schlicht in der strategischen Neuausrichtung der 100-prozentigen Gemeindetochter Wohnungsgesellschaft Auerbach (WGA) begründet. Heißt: Alle öffentlich genutzten Gebäude wie die Schulen oder das Rathaus sollen wieder an die Gemeinde zurückübertragen, alle WGA-Wohngebäude verkauft werden. Für Letzteres gibt es verschiedene Kriterien, sodass nach jetzigem Stand vier der Häuser an Mieter, der Großteil an andere Wohnungsgesellschaften gehen werden. Wenn diese Strategie umgesetzt wird, spült sie über die Verkaufserlöse nicht nur Geld in die Kasse, die Gemeinde als Eigentümer der öffentlichen Gebäude wird künftig auch in die Lage versetzt, den Instandhaltungsrückstau in diesen Häusern mithilfe von Fördermitteln abzuarbeiten.

Dass es konkret zur finanziellen Situation der Gemeinde und auch zur WGA kaum Fragen aus den Besucherreihen gab, lag wohl am Aufbau der Veranstaltung. Denn im ersten Tagesordnungspunkt gab es durch den Fraktionsvorsitzenden der CDU, Udo Ruttloff, eine Art Einführung in kommunales Haushalts-Grundwissen - an konkreten Auerbacher Zahlen. Und BVA-Fraktionsmitglied Dieter Herold erklärte Hintergrund und Auswirkungen der WGA-Neuausrichtung. Danach war wohl allen klar, dass es einerseits im Haushalt keine "Schiebemasse" mehr gibt und das Geld größtenteils für Pflichtaufgaben wie die Schulen drauf geht, und es andererseits für die WGA-Neuausrichtung keine Alternativen gibt.

Apropos Pflichtaufgaben: Auf die ging Ifa-Fraktionschef Ulf Lange ein, als er Entwicklungen für den Ort aufzeigte. "Für Utopien gibt es keinen Spielraum, der Gürtel muss eng geschnallt werden", sagte er, wies aber zugleich auf die große Chance hin, die der Ort habe: Man sei leider kein Industriedorf mehr, nun gelte es, sich zu einem Wohnstandort zu entwickeln. Und da habe man mit den beiden Schulen und der Kita, dem Supermarkt und dem Sportkomplex durchaus Positives vorzuzeigen. Das seien Vorzüge, auf die man stolz sein könne.

Die Fragen und Hinweise der Auerbacher zielten letztendlich überwiegend auf Wanderwege, das frühere Bahnhofsgebäude, das Umfeld des Sportplatzes oder Probleme bei der Straßenbeleuchtung. Bürgermeister Horst Kretzschmann (parteilos) und die Räte konnten nicht alle Fragen sofort klären, nahmen sie aber als Aufgabe mit. Und: Der Bahnhof beziehungsweise die Idee einer Begegnungsstätte dort werden schon in der nächsten Ratssitzung Thema sein.


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