Im Umweltcamp begegnen sich tschechische und deutsche Kinder

Ein neues Projekt in der "Tabakstanne" in Thalheim bringt junge Leute aus beiden Ländern zusammen. Gemeinsam sind sie dem Klima auf der Spur. Und bauen ganz nebenbei noch Vorurteile ab.

Oelsnitz/Thalheim.

Wer etwas übers Klima erfahren will, muss rausgehen. Zum Imker, in den Wald oder eben auf die Deutschlandschachthalde in Oelsnitz. Rund 60 Kinder und Jugendliche stehen an diesem Tag auf dem Oelsnitzer Hausberg, wie Gästeführer Dieter Grünert die Halde mit einer Höhe von 487 Metern nennt. Die 11- bis 15-Jährigen staunen über die Schwefelfelder und die umgedrehten Bäume. "Woher bekommt der Baum denn seine Nährstoffe", fragt Manjana Schietzold ungläubig. Gar nicht, antwortet Gästeführer Grünert. "Wir stehen auf einer Halde. Was früher 600 Meter unter der Erde war, ist heute oben auf."

Die Deutschlandschachthalde war nur eine von vielen Stationen für die Jugendlichen. Die ganze Woche beschäftigen sich mit den Themen Klimaschutz, gesunde Ernährung und dem Ausstoß von Kohlendioxid: Sie erfahren, wie viel Energie und Wasser für die Herstellung von Lebensmitteln notwendig ist und erkunden bei einem Einkaufstest ihren ökologischen Fußabdruck.

"Dem Klima auf der Spur" heißt die Ferienfreizeit in der Thalheimer Jugendherberge "Tabakstanne". Dahinter verbirgt ein grenzüberschreitendes Projekt der Kindervereinigung Chemnitz - das ist der freie Träger, der die Jugendfreizeiteinrichtung vor drei Jahren übernommen hat. Bis März 2019 läuft das Projekt, das diesen Sommer begann und von der Europäischen Union gefördert wird. Für die Kinder ist die Teilnahme an den Camps kostenlos.

Die Kindervereinigung arbeitet mit zwei tschechischen Partnern zusammen, die jeweils ein Kinder- und Jugendhaus in Usti nad Labem und Chodov betreiben. Daher ist die Gruppe - begleitet von zwei Dolmetscherinnen - ein bunt gemischter Haufen aus Deutschen und Tschechen. Kein Problem, sagt Bela Becker aus Chemnitz. "Wir unterhalten uns untereinander auf Englisch und verstehen uns alle sehr gut", so der 13-Jährige. Domenika Němeèková, Schülerin aus ČÈeská Lípa, findet das "super, dass wir eine gemischte Gruppe sind. So kann ich mein Deutsch verbessern." Vorbehalte gibt es hier keine. Höchstens anfangs etwas Heimweh, räumt Manjana Schietzold ein. Die 13-jährige Stollbergerin nimmt zum ersten Mal an so einem Ferienprogramm teil. "Am Anfang wollte ich wieder nach Hause. Aber jetzt macht es echt viel Spaß und ich habe schon viele neue Freunde kennengelernt", erzählt Manjana. "Die tschechischen Kinder haben alle ein großes Herz. Sie kommen dir mit einem Lächeln entgegen und sind sehr offen."

Mission schon fast erfüllt, denkt sich da wohl Mathias Hofmann, der Geschäftsführer der Kindervereinigung. Neben dem grenzüberschreitenden Austausch steht aber eben auch Umweltbildung und Nachhaltigkeit im Fokus. "Und da kann unserer Meinung nach in den Lehrplänen auf deutscher wie auf tschechischer Seite noch einiges getan werden. Diese Themen haben dort nicht gerade einen hohen Stellenwert." Also fängt der freie Träger bei den Jüngsten an. Zudem kündigt Hofmann Erhebungen an - etwa an den Universitäten, die Lehrer ausbilden -, um zu ergründen, wie die Lehrpläne angepasst werden könnten.

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