Im Zickzack über die Andenpässe zwischen Argentinien und Chile

Er ist ein Engel auf Reisen, Sebastian Engel aus Thalheim. Seit August 2017 ist er wieder unterwegs. Nun plant er aber eine längere Pause ein.

Cordoba/Thalheim.

Mehr als ein Jahr ist inzwischen vergangen, seit Sebastian Engel Ushuaia, die südlichste Stadt Argentiniens, verlassen hat. Das war im Februar 2018. Nun hat er mit La Quiaca, die nördlichste Stadt an der Grenze zu Bolivien erreicht.

Mehr als 5100 Kilometer sind es von dort bis nach Ushuaia auf der Insel Feuerland. "Aber geradelt bin ich viele Kilometer mehr, da ich nicht den direkten Weg gewählt hatte, sondern auch über einige der hohen Andenpässe zwischen Argentinien und Chile im Zickzack hin und her gefahren bin", berichtet der 41-Jährige. "Am beeindruckendsten war dabei der Paso del Agua Negra, mit 4780 Metern der höchste Grenzpass der Welt. Das Gestein der Berge ist in roten, gelben und violetten Tönen gefärbt, wie ich es noch nie zuvor gesehen habe", berichtet der Thalheimer, der im August 2017 aus dem Erzgebirge erneut nach Südamerika aufbrach, nachdem er ein Jahr zuvor seine Radreise plötzlich abbrechen musste.


"Der Paso del Agua Negra war der für mich anstrengendste Pass. Aufgrund des relativ kurzen, aber steilen Anstieges hatte ich kaum Zeit zur Akklimatisation, was sich in Schlafproblemen und leichter Appetitlosigkeit bemerkbar machte", berichtet Engel, der bereits einiges gewöhnt ist: "Die chilenische Atacama-Wüste hatte mich nur wenig beeindruckt. Es war für mich mehr ein langweiliges Sammeln von einigen Hundert Kilometern auf einer Autobahn durch karges, staubtrockenes Land auf dem Weg zum nächsten Andenpass, dem 4165 Meter hohen Paso de Pircas Negras, auf dem ich wieder nach Argentinien hinüber wechselte." Eigentlich sei sein Plan gewesen, über weitere Andenpässe nach Norden zu fahren, doch er änderte die geplante Route, um die nordargentinische Puna, eine Andenregion auf über 3000 Metern Höhe, kennenzulernen. "Während die Andenkordillere weiter südlich eher schmal ist und schnell ansteigt und auf der anderen Seite relativ schnell wieder abfällt, befindet sich im Norden Argentiniens und in Bolivien eine weite Hochgebirgswüste, die sogenannte Puna. Sie ist geprägt von Bergen bis zu 6500 Metern Höhe und vielen großen Salzebenen, die Salare", berichtet Engel. Die Puna gehöre zu den sonnigsten Regionen der Welt. "Niederschläge gibt es hier nur selten und wenn, dann nur in den Sommermonaten von November bis März als kurze Gewitterschauer. Aber dafür wehen ganzjährig oft starke Winde." Er habe aber immer großes Glück mit dem Wetter gehabt und "sogar acht windstille Tage in Folge geschenkt" bekommen.

Ein Spaziergang sei die Fahrt dennoch nicht gewesen, denn durch die großen Distanzen zwischen den Siedlungen musste er täglich 7 bis 14 Liter Wasser mitnehmen. Dazu kamen die weichen, sandigen, Schotterpisten, die das Fahren deutlich erschwerten, manchmal unmöglich machten, berichtet er. "Auch aufgrund der dünnen Luft auf über 4000 Metern Höhe musste ich mein schweres Fahrrad bergan oft schieben." Das macht sich bemerkbar: "Obwohl ich eigentlich immer viel esse, habe in zwei Wochen vier bis fünf Kilo Gewicht verloren." Die Ruhe und die Einsamkeit dieser Region hat er trotzdem sehr genossen. Die wenigen Menschen, die in dieser kargen Hochgebirgslandschaft leben, seien Nachfahren der Ureinwohner und leben außer vom Bergbau hauptsächlich von der Lamahaltung und vom Tourismus.

So geht es aber nicht weiter. "Auch wenn sich La Quiaca an der Grenze zu Bolivien befindet, werde ich meine Reise jetzt nicht nach Bolivien fortsetzen. Nach fast zwei Jahren des Nomadenlebens in Chile und Argentinien werde ich eine längere Pause im schönen Cordoba, im zentralen Norden Argentiniens einlegen", erklärt er. Es sei mal wieder Zeit, um etwas zu arbeiten, zum Planen und zum Genießen des Lebens abseits der Straßen und Pisten Südamerikas.

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