Im zweiten Anlauf zum Schwibbogenprinz gekürt

Das hat es in der Geschichte der Stollberger Schwibbogenausstellung noch nicht gegeben - Platz 1 und 2 gehen an den gleichen Hobby-Bastler. Ein weiteres Novum: die Vielfalt des verwendeten Materials.

Stollberg.

Diesmal hat es Alfred Thieme geschafft: Nachdem der Zehnjährige im Vorjahr bei der Kinderwertung der Stollberger Schwibbogenschau auf den zweiten Platz kam, ist der Meeraner dieses Jahr von den Besuchern der Ausstellung zum Schwibbogenprinz gekrönt worden. Es war die 18. Auflage der Stollberger Schwibbogenschau - und zugleich die letzte, die Mario Richter organisiert hat. Der "Vater der Ausstellung" gab dies bei der Krönung am Sonntagmittag bekannt. Aber auch künftig wird es die Schau und die Krönung eines Schwibbogenkönigs geben. Wie Stollbergs Oberbürgermeister Marcel Schmidt sagte, werde die Dienstleistungsgesellschaft Stollberg DGS die Tradition der Schwibbogenausstellung weiterführen.

Erstmals wurden bei der Auszeichnung der 1. und 2. Platz an den gleichen Hobby-Bastler vergeben. Beide Bögen von Ralf Köhler aus Stollberg gefielen den Besuchern, denen bei ihrer Wahl nicht bekannt ist, wer die Bögen gebaut hat, am besten. Insgesamt waren in der St. Jakobikirche 47, davon drei von Kindern gefertigte Exponate, zu sehen. 6979 Stimmen wurden seit dem 1. Advent abgegeben.

Für seinen Siegerbogen hat Ralf Köhler den umgestürzten, innen hohlen Kirschbaum des Nachbarn genutzt. "Daraus habe ich mir eine Scheibe runtergeschnitten, ein paar Figuren draufgestellt und fertig", erklärt der seit 50 Jahren schnitzende Friseur lapidar. Doch so einfach ist das natürlich nicht. Seine handwerklich anspruchsvollen "Männeln" und Tiere, aber auch die zweifache wunderschön in Szene gesetzte Beleuchtung machen den Bogen zu einem Hingucker in der Schau. Nach einem zweiten Platz im vergangenen Jahr konnte Alfred Thieme den Wanderpokal für den Schwibbogenprinz mit nach Hause nehmen. Der Zehnjährige hat sich das Handwerk selbst beigebracht und ist jetzt stolz auf den Erfolg. "Etwa vier Monate und rund 90 Stunden habe ich an dem Schwibbogen gewerkelt", erzählt der Fünftklässler aus Meerane. "Der Schwibbogen bekommt einen Ehrenplatz in meinem Kinderzimmer", verrät Alfred Thieme, der auch schon eine Idee für ein neues Stück hat.

Die nun zu Ende gegangene Ausstellung hat gezeigt, dass Schwibbögen nicht immer aus Holz sein müssen und durchaus auch originelle "Zutaten" verwendet werden können. "Auf die Idee muss man erst einmal kommen", meinte so auch eine Besucherin beim Betrachten eines Bogens, gefertigt aus zwei halbierten Sägeblättern, in die Motive eingraviert sind. Bunte Legosteine benutzten zwei Jungen, 9 und 11 Jahre alt, für ihr Bauwerk. Mit den kleinen Steinen aus Plastik haben sie die klassische Weihnachtsgeschichte dargestellt. Dass sich mit Papier, Plexiglas und Kunststoff faszinierende Effekte erzielen lassen, haben gleich mehrere Exponate bewiesen.

Und dann gibt es natürlich auch die Lichterbögen aus unterschiedlichen Holzarten und in verschiedenen Farbtönen. Auch hier etwas besonderes ist der Bogen aus gebeizten, glasierten, gebürsteten und geölten, original Dielenbrettern aus der St. Annenkirche Annaberg-Buchholz.

Auch die Formenvielfalt besticht. Es gibt sie zwar noch, die klassischen, halbrunden Bögen mit Klöppelfrau, Schnitzer und der Darstellung von Christi Geburt. Doch es ist faszinierend zu sehen, welch fantasievolle und eigenwillige Kreationen jetzt in den Werkstätten unter den geschickten Händen der Freizeit-Handwerker entstehen. So haben manche Schwibbögen inzwischen eine dreieckige oder ovale Form. Die kleinsten Exponate in der Ausstellung sind etwa 20 Zentimeter, die größten einen Meter groß. Neben einer direkten wird immer öfter auch eine indirekte, elektrische Beleuchtung mit Kerzen, Laternen oder Sternen eingebaut.

"Das ist ja ein toller Einfall. Mal etwas ganz anderes", sagte Besucherin Helga Kehlberger. Gemeint war ein ebenfalls origineller Schwibbogen, auf dem eine Kaffeetasse und zwei Scheiben Stollen dargestellt sind.

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