In Auerbach wechseln mehr als 7000 Bücher die Straßenseite

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Ein langer Weg muss beim Umzug der Bücherei nicht zurückgelegt werden - aber der Aufwand ist dennoch enorm. Denn die Mitarbeiterinnen haben den Umstand genutzt, um einmal richtig auszusortieren. Und: Es gibt Hoffnung, den Bestand ein wenig auffrischen zu können.

Auerbach.

Geschäftiges Treiben im Erdgeschoss des Rathauses von Auerbach. Während Bauhofchef Jens Andre mit dem Akkuschrauber zugange ist, sind mehre Frauen damit beschäftigt, Bücher aus Umzugskartons in Regale einzusortieren. Elfriede Wieland klebt kleine gelbe Zettel mit der Aufschrift "Krimi" auf Buchrücken. Für die 74-Jährige ist es bereits der dritte Umzug der Bibliothek, den sie miterlebt. Beim ersten, vom Esda-Stift in die frühere Esda-Berufsschule, half sie beim Ausräumen, ab da gehörte sie dazu. 2009 musste die Bibliothek wegen des Umbaus zur Grundschule erneut umziehen und fand gegenüber, in den ehemaligen Räumen der Awo-Begegnungsstätte an der Hauptstraße 98, ein neues Domizil.

Nun geht es wieder auf die alte Straßenseite zurück. Denn die Wohnungsgesellschaft Auerbach (WGA) als Eigentümer muss das Gebäude verkaufen - als Bestandteil eines vom Gemeinderat beschlossenen Sanierungskonzepts. Zugleich spart die Gemeinde Kosten, denn für die Bibliotheksräume fielen bislang jährlich rund 9000 Euro Miete an. Für die neuen Räume entfällt das, da das Rathaus - ebenfalls infolge des Sanierungskonzepts der WGA - an die Gemeinde zurückübertragen werden soll. Für Bürgermeister Horst Kretzschmann hat der Einzug der Bücherei aber noch einen anderen positiven Aspekt: "Das Rathaus wird wieder mehr belebt." In die Sanierung der Räume seien 13.000Euro geflossen. Zuvor mussten allerdings die Klöppelfrauen ins frühere Bürgerbüro umziehen.

Er sei froh, dass Elfriede Wieland und Christine Viehweger schon so viele Jahre für den Betrieb der Bibliothek sorgen, sagt der Bürgermeister. Daniela Böttger, Leiterin der Burkhardtsdorfer Bibliothek, bestätigt: "Was die beiden Frauen geleistet haben, ist der Wahnsinn." Sie tun das im Ehrenamt, über die Aktion "Wir für Sachsen" bekommen beide lediglich eine Aufwandsentschädigung.

In diesen Tagen werden sie tatkräftig von Mitarbeiterinnen der Burkhardtsdorfer Bibliothek unterstützt. Nicht nur beim Einsortieren, sondern auch beim Konzept für die Raumnutzung. Standen die Bücher früher nach Autoren sortiert noch recht gemischt, so werden die drei Räume künftig auch zur Trennung der Genres genutzt. Nicht mehr gefragte Medien hat Christine Wieland kräftig aussortiert, sodass statt der bisher knapp 8000 Bücher nun etwa 7200 zur Verfügung stehen. Der Bestand soll aber aufgefrischt werden. "2021 und 2022 sind jeweils 400Euro für Neuanschaffungen im Haushalt vorgesehen", sagt Bürgermeister Kretzschmann.

Auch wenn die Bibliothek wieder geöffnet sein wird, haben die Frauen noch einiges vor sich. Denn alle Medien müssen neu katalogisiert werden. Und sie werden wohl, weil es hier etwas enger zugeht, entweder dienstags länger als bisher oder an zwei Tagen öffnen. Sie hoffen aber, dass die neuen Räume vielleicht auch ein paar mehr als ihre knapp 50 Stammleser anlocken, etwa die Hälfte sind Kinder und Jugendliche.

Für das Gebäude an der Hauptstraße 98 steht indes noch kein Käufer fest, erklärte WGA-Chefin Susann Gahler am Dienstag. Interessenten gebe es zwar schon, aber keinen, der den Verkehrswert von 115.000Euro zahlen wollte. "Wir haben es aber bislang auch nur regional ausgeschrieben."

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.