In mehr als vier Stunden viel erfahren

Reichlich zwei Dutzend Wanderfreunde sind am Sonntag bei der Herbst-Erlebniswanderung rund um Seifersdorf dabei gewesen. Die Ziele reichten von Orchideen-Wiese bis Biogasanlage.

Seifersdorf.

Im Rahmen des Dorffestes in Seifersdorf wurde am Sonntag zur Herbst-Erlebniswanderung von "Freie Presse" und Kulturbetrieb des Erzgebirgskreises eingeladen. Für Wanderleiter Ulrich Neubert und einige ortsansässige Gäste eine Herausforderung. "Ich war bis morgens um zwei Uhr auf dem Fest", so Neubert, der dabei auch ein Novum beim Armbrustschießen miterlebte: "Zum ersten Mal ist ein Gast aus unserem Partnerverein Unterkastl Schützenkönig geworden." Damit wurde Steffen Claus nach drei Siegen in Folge vom Thron gestoßen. Das Dorffest hat sich auch Hannes Bauer nicht entgehen lassen. So war der 18-Jährige auf dem Oldtimerfest mit seinem Traktor Deutz D15 vertreten: "Ich war erst gegen drei zu Hause und habe heute Morgen zweimal überlegt, ob ich zur Wanderung gehe." Doch sein Interesse für Natur und Geschichte hat letztlich überwogen, und so meinte er schon wenige hundert Meter nach dem Start: "Die Bewegung hat mich richtig munter gemacht."

Insgesamt waren 25 Erwachsene, ein Kind und zwei Hunde zu der rund elf Kilometer langen Runde aufgebrochen. Der erste Stopp war nach wenigen Minuten erreicht: Der Montania Schacht. Bis in 52 Meter Tiefe wurde nach jetzigen Erkenntnissen gebohrt, doch die gefundenen Flöze waren nicht abbauwürdig. Weiter ging es in Richtung der Orchideenwiesen.

Dort wartete bereits Claus Leichsenring, der mit dieser botanischen Besonderheit bestens vertraut ist. Seit 1982 wird die Feuchtwiese mit der Sense gemäht, um dem hier wachsenden Breitblättrigen Knabenkraut beste Lebensbedingungen zu bieten. Die Orchideenart hatte sich dank dieser Maßnahme prächtig entwickelt. Während 1982 lediglich 20 blühende Pflanzen gezählt wurden, waren es 1990 bereits 100. Die höchste Zahl wurde 2006 mit 1300 blühenden Pflanzen gezählt. Seither ist die Zahl rapide zurückgegangen. "Die zunehmende Trockenheit ist einer der Gründe. Dazu kommen aber auch Konkurrenzpflanzen wie Simsen und Mädesüß", so Leichsenring. 280 blühende Pflanzen wurden in diesem Jahr gezählt. Blütezeit ist der Mai, so dass die Wanderer die Orchideen nicht bewundern konnten. Dennoch waren viele wegen dieser Wiese gekommen. "Ich kenne die Wiese, habe hier auch schon einen gelben Teppich an Schlüsselblumen gesehen. Allerdings wusste ich nicht, wann die Orchideen blühen", so Sonja Hofmann. Die Lugauerin war zum vierten Mal bei einer dieser Wanderungen, diesmal allerdings hatte sie erstmals ihrem Enkel mitgenommen. Emil war mit seinen fünf Jahren der Jüngste in der Runde.

Sodann ging es durch den Steegenwald zum Gelände der Agrargenossenschaft Mavek. Der Zutritt ist hier eigentlich verboten. Doch die Wandergruppe durfte zwei interessante Bereiche erkunden. Anlagenführer Marcel Kämpf erklärte die Arbeitsweise der 2012 erbauten Biogasanlage. "Sämtliche Gülle unserer Rinder wird hier vergoren. Genutzt wird das entstehende Methangas zur Energiegewinnung. Erst danach kommt die Gülle aufs Feld. Sie stinkt dadurch weniger", so Kämpf. Das mit dem Gestank bestätigt Margitta Achtner: "Ich wohne seit 1997 in Seifersdorf. Der Geruch ist wirklich besser geworden. Das merkt man, wenn man bei uns auf der Terrasse sitzt." Vorstand Claudia März zeigte den Wanderern noch einen Kuhstall und nannte Eckdaten und Fakten zur Mavek, ehe es weiterging - zur Pause mit Rostern und zurück in den Ort, wo gerade das Seifenkistenrennen lief.

Nach viereinhalb Stunden war für die meisten Schluss. Sieben Wanderer allerdings hängten noch eine Runde nach Leukersdorf an. Thomas Gruner vom Heimatverein Leukersdorf führte die Besucher dabei noch zum Rittergut, dessen Zukunft im Moment noch offen ist.

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