In Stollberg lagern mehr als 70.000 Ersatzteile fürs Auto

Die Stadt hat sich mit der Ansiedlung eines Händlers für Fahrzeugprodukte zum wohl größten Standort in Südwestsachsen in diesem Bereich entwickelt. Erneut spielte ihr dabei in die Karten, dass andernorts geeignete Flächen fehlen.

Wo Continental einst Technik für Einspritzsysteme von Dieselmotoren hergestellt hatte, lagern inzwischen die Originalersatzteile von mehr als 20 Kfz-Herstellern. Kay Junghans leitet den Logistikpark Stollberg mit aktuell 120 Mitarbeitern.
Das ehemalige Continental-Werk an der Auer Straße stand seit Anfang 2016 leer. Erbaut wurde es 2004 von VW.

Für Sie berichtet: Kathrin Neumann

Scheinwerfer, Kotflügel, Zierleisten, Bremsen, Rücklichter, ganze Motorblöcke: In Stollberg lagern auf rund 20.000 Quadratmetern ganze Autos. Nur eben einzeln, als Ersatzteile. "Wenn man ganz viel Zeit hätte, könnte man sich aus unserem Bestand ein Auto zusammenbauen. Nur dass die Teile eben von verschiedenen Marken stammen", sagt Kay Junghans, Leiter des Logistikparks Stollberg, etwas scherzhaft. Dahinter allerdings steckt ein ernsthaftes Geschäft. Denn mit dem Logistikpark, der mehr als 70.000 Ersatzteile für Fahrzeuge aus 23 Marken vorrätig hat, ist im ehemaligen Continentalwerk das wohl größte Ersatzteillager für Kraftfahrzeuge in Südwestsachsen entstanden.

Erst vergangenen Monat hat das Unternehmen, das zur AVAG-Holding - mit 184 Standorten eine der größten Automobilhandelsgruppen in Europa - gehört, den Umzug der Kleinteile abgeschlossen. Es war ein Umzug aus Chemnitz. Mit dem Logistikpark Stollberg wurden die Ersatzteillager von vier Chemnitzer Standorten - des Auto-Centers Chemnitz, des ACN Zentrallagers sowie des Auto-Centers Süd, das eine Niederlassung des Auto-Centers Nord ist, - zusammengeführt.

Beliefert werden Autohäuser, Werkshändler und freie Werkstätten in ganz Deutschland, Schwerpunkte liegen laut Junghans im Karosseriebereich. Für die Marke Opel sei der Logistikpark der größte Teilelieferant in Ostdeutschland. "Wir verkaufen zum Beispiel pro Jahr 45.000 Stoßstangen", so Junghans. 120 Mitarbeiter sind im Zwei-Schicht-System damit beschäftigt, täglich 6000 Artikel an rund 1000 Kunden versandfertig zu machen. Den Versand übernehmen Speditionen und externe Dienstleister, erläutert Junghans. "Wenn ein Händler bis 18 Uhr ein Teil bestellt, hat er es bis zum nächsten Morgen um 8 Uhr." Allein 25 Mitarbeiter sitzen am Telefon, nehmen Bestellungen entgegen und beraten technisch.

Mit sieben Hektar ist der Standort des Logistikparks eine der größten Flächen im Stollberger Gewerbegebiet. Im Jahr 2004 hatte VW das Werk erbaut, später produzierte Continental Automotive dort Düsennadeln für die Einspritzsysteme von Dieselmotoren. Ende 2014 wurde bekannt, dass die Produktion ins Werk nach Limbach-Oberfrohna verlegt wird. Im März 2016 schließlich war der Umzug abgeschlossen.

Lange blieben die Hallen an der Auer Straße nicht leer. Übergabe war im November 2016, blickt Kay Junghans zurück. Um die ehemalige Produktionsstätte zu einem Lagerzentrum zu machen, wurden ihm zufolge 1,5 Millionen Euro investiert. Zwar waren die Hallen leer, doch musste unter anderem die Abluftanlage ausgebaut werden. Der Umzug ging auch nicht von heute auf morgen. Allein der Aufbau der Regale, der bei laufendem Betrieb vonstatten ging, dauerte sechs Monate und zog sich bis diesen März hin. Der vorerst letzte Akt war dann im Juli der Umzug von 25.000 Positionen aus dem Kleinteilelager in Chemnitz. Damit ist aber noch nicht das Ende erreicht, so Junghans. Geplant sei, noch mehr Kfz-Marken ins Portfolio aufzunehmen sowie zusätzlich Produkte, die Autohäuser für ihr Tagesgeschäft benötigen.

Für das Unternehmen, das im Jahr mehr als 100 Millionen Euro umsetzt, war der Leerstand in Stollberg ein Glücksgriff. Lange war der Plan, irgendwo im Raum Chemnitz neu zu bauen. "Es gibt zwar viele Grundstücke, die verkauft werden", berichtet Junghans. Doch weil das Land diese Flächen erschließe, um Industrie und Arbeitsplätze zu schaffen und dementsprechend Fördermittel dafür fließen, mussten viele Kommunen die Hände heben. "Wir sind ein Handelsunternehmen, kein Produktionsstandort", beschreibt Junghans das Dilemma. Auf solchen Flächen zu bauen, hätte bedeutet, dass Fördermittel hätten zurückgezahlt werden müssen.

Damit konnte Stollberg aus der Not eine Tugend machen und nach dem Auto-Entwickler IAV erneut ein Unternehmen ansiedeln, das im Ballungsraum Chemnitz keinen geeigneten Platz gefunden hatte. Entsprechend zufrieden war man im Stollberger Rathaus über den neuen Nutzer. "Wenn eine Halle dieser Größenordnung zügig einen neuen Besitzer findet, spricht das grundsätzlich für den Standort", sagt Anja Baumann vom Bau- und Ordnungsamt. "Die Logistikpark Stollberg bereichert unser Gewerbegebiet um eine weitere Branche und somit auch das Arbeitsplatzangebot."

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