Japanisches Comic ist mehr als ein Facharbeitsthema

Seit einem Jahr leitet Isabel Heinze eine Manga-AG am Carl-von-Bach-Gymnasium in Stollberg. Arbeiten der zwölf Mitglieder sind jetzt innerhalb einer Ausstellung an der Schule zu sehen. Und sie haben dort auch weiterhin eine Zukunft.

Stollberg.

Der aus Japan stammende Comictyp des Manga wird selbst in der Comicszene höchst unterschiedlich bewertet. Während die einen diese Ausdrucksform als Kunst preisen, lehnen andere sie als Kinderkram ab. Am Carl-von-Bach-Gymnasium in Stollberg hat man sich einer Vorverurteilung enthalten und den Mangas eine echte Chance gegeben: Vor einem Jahr wurde von der damaligen Neuntklässlerin Isabel Heinze eine Manga-AG gegründet.

Inzwischen hat die Gruppe einen festen Stamm von einem Dutzend Mitgliedern. Sie hat sich auf Veranstaltungen von Leipziger Buchmesse bis zum Lichterfest in Stollberg präsentiert, und inzwischen hat die Manga-AG so viele eigene Arbeiten vorzuweisen, dass man in der kleinen Galerie "Flur 3" an der Schule eine eigene Ausstellung präsentieren kann.


Das ist vor allem dem Engagement von Isabel Heinze zu verdanken. Die Leiterin der Manga-AG hat sich so intensiv mit der Kunstrichtung beschäftigt, dass sie dazu jetzt sogar eine Facharbeit zum Thema "Wie beeinflussen Manga und Anime die Welt" geschrieben hat. Während das Manga die japanische Form des Comics ist, sind Anime Zeichentrickfilme. Doch beides hat ganz typische Elemente, die sie vom herkömmlichen Comic unterscheiden. So stehen nicht aufregende Handlungen, sondern tiefe Emotionen im Mittelpunkt. Markant ist der überzeichnende Stil, bei dem zum Beispiel die übergroßen Augen auffallen. "Ich bin mit Anime aufgewachsen, bin im Alter von zwölf Jahren zur grafischen Gestaltung gekommen und habe erste eigene Charaktere geschaffen. Letztlich hat mir die Beschäftigung mit Mangas zu mehr Selbstbewusstsein verholfen", so Isabel Heinze.

Für Kunstlehrerin Viola Lippold war die Kunstform auch eine Herausforderung, wie sie schmunzelnd bekennt: "Ich wusste damals gar nicht so richtig, was die Mädels in der Manga-AG machen, und ich weiß es ehrlich gesagt immer noch nicht so ganz genau." Das ist freilich übertrieben, denn Isabel Heinze hat ihre AG-Arbeit aufwendig in Text und Bild dokumentiert. Nachzulesen ist dort, dass in den Kursstunden Themen von Anatomie bis zum Nähen einer Schleife behandelt wurden.

Viola Lippold nähert sich dem Genre unvoreingenommen und erkennt Vorteile: "Die Rollenspiele beim Cosplay erziehen zur Empathie." Denn auch wenn das Comic den Ausgangspunkt darstellt: Es wird nicht nur gezeichnet. Ein wesentlicher Aspekt ist daneben das sogenannte Cosplay, bei dem Manga-Liebhaber in die Rollen ihrer Lieblingscharaktere schlüpfen. Die Kostüme dafür werden in aller Regel selbst genäht. Das Zubehör gebastelt. "Ich habe bisher fünf Köpfe und zwei Teilmasken hergestellt", so Isabel Heinze. Angenehmer Nebeneffekt: Viele Mitglieder der Manga-AG können inzwischen auch gut nähen.

Von der Vielfalt der Arbeiten zeugt die Ausstellung, die neben Zeichnungen auch eine ganze Reihe an Masken zeigt. Zur gestrigen Vernissage ist Charlene Fickert in den Charakter des Tony Stark aus "Iron Man" geschlüpft. Die Neuntklässlerin ist seit Anfang an in der Manga-AG. Ihr Beweggrund: "Ich wollte etwas Neues ausprobieren." Isabel Heinze will die Leitung der AG zum Schuljahresende abgeben. Das Ende der AG bedeutet das nicht: Mit Charlene Fickert ist bereits eine Nachfolgerin gefunden.

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