Jetzt steht der Feinschliff auf der Agenda

Die ehemalige Bergbaustadt hat sich in den vergangen Jahrzehnten herausgeputzt. Trotzdem hat der künftige Stadtrat noch einiges zu tun. "Freie Presse" bietet einen Überblick.

Oelsnitz.

Die Herausforderungen der Stadt Oelsnitz für die nächsten Jahre umschreibt Bürgermeister Bernd Birkigt mit der Formel: "Wir sind als Stadtverwaltung dafür da, dass sich die Bürger hier wohlfühlen." Klingt einfach, ist aber doch etwas komplexer. Denn zum einen setzt ein jeder die Prioritäten je nach Lebensrealität anders und zum anderen gibt es auch nicht zu wenige Aufgaben, die Aufwand bedeuten und Geld kosten, aber nicht so im Blickpunkt stehen. Dazu gehört es unter anderem, finanziell handlungsfähig zu bleiben. "Wir haben in den vergangenen Jahren viel geschaffen, das nun unterhalten werden will", sagt der Beigeordnete Jens Barnickel. "Dafür gibt es - anders als für Bauprojekte - keine Förderung." Schillerndstes Beispiel für Neugeschaffenes ist der Bürger- und Familienpark, der durch die Landesgartenschau entstanden ist. Ein kostspieliges Projekt, das sich letztlich lohnte. "Wichtig war nach Beendigung dieses Ereignisses, wieder über solide Finanzen zu verfügen", betont Ratsherr Wolfgang Prautzsch (Freie Wählervereinigung).

Oelsnitz mit seinen reichlich 11.000 Einwohnern steht statistisch gesehen mit 772 Euro pro Einwohner in der Kreide. Das aufgenommene Kreditvolumen beträgt 8,6 Millionen Euro. Daher fordert Manfred Plobner von der SPD, die Ausgabeseite im Blick zu behalten. "Hier lohnt auch ein kritischer Blick auf die Personalstärke der Verwaltung", sagt der erfahrene Sozialdemokrat. Aktuell sind dort 43 Mitarbeiter beschäftigt. Rund 700.000 Euro fließen jährlich in sogenannte freiwillige Leistungen. Also solche Bereiche, mit denen die Stadt die Lebensqualität fördern möchte.


Birkigt vermutet die Anforderungen der Bürger an die Stadt vornehmlich in fünf Kernbereichen: schönes und bezahlbares Wohnen, Ordnung und Sicherheit, Kindergärten und Schulen, Rahmenbedingungen für das Vereinsleben und ärztliche Versorgung. Speziell in diesem Punkt sind der Kommune allerdings weitgehend die Hände gebunden. "Außerdem müssen wir die Straßenschäden im Blick behalten und beseitigen", sagt Birkigt.

Was in letzter Zeit nicht voran gekommen ist, sind die Bemühungen, Oelsnitz zu einem Erholungsort zu machen. "Wir sind da permanent dran und suchen einen Hotelbetreiber", sagt Helga Walter (CDU), die sich ein Tagungshotel nahe des Bergbaumuseums vorstellen könnte. Ein Vorhaben, dem Heino Neuber, Vorsitzender der Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers, einiges abgewinnen kann: Er hält den Versuch, Oelsnitz zu einem Erholungsort mit Bergbaubezug machen zu wollen, für eine gute Basis für neue Ideen und weitere positive Entwicklungen in der Stadt. Die SPD ist da skeptischer. "Der Erholungsort ist passé. Wir brauchen jetzt in diesem Punkt eine Bestandsaufnahme", sagt Benjamin Trinks. Untrennbar mit einem Erholungsort verbunden ist ein ansprechendes gastronomisches Angebot. "Hier sind wir zurzeit arg peinlich aufgestellt", meint Trinks. Unterstützung kommt diesbezüglich von den Bergbau- und Gästeführern, die das Kneipensterben in Oelsnitz mit sorgenvollem Blick verfolgen. "Statt der gewünschten Schaffung von Gastronomie- und Beherbergungsplätzen, geht es leider rückwärts", sagt Dieter Grünert im Namen der Gästeführer. "Wir führen jährlich zirka hundert Veranstaltungen durch, unsere Kapazität ist aber noch größer. Ein Aufschwung im Bereich Tourismus würde sicher auch uns Gästeführern noch mehr Interessenten bringen."

Prinzipiell ist Oelsnitz gemessen an der Größe des Ortes im Freizeitbereich gut aufgestellt. Mit dem Bürger- und Familienpark hat die Kommune einen richtigen Trumpf in der Tasche. Dazu gibt es noch das Bergbaumuseum, das Waldbad, die Stadthalle und die zahlreichen Vereine. "Daher sehe ich in der Unterstützung und Stärkung des Vereinswesens als Sammelpunkt lebendigen Bürgerengagements eine wichtige Aufgabe künftiger Stadtentwicklung", sagt Neuber. Der Landtagsabgeordnete und Ratsherr Rico Anton (CDU) geht weiter. "Ich möchte neue Höhepunkte schaffen; der Kletterturm ist nicht vom Tisch", sagt er mit Blick auf ein Vorhaben, das zuletzt in den Hintergrund gerückt war.

Eine Einrichtung, die den Eindruck erweckt, mehr zu können, ist die Stadthalle. Doch die Lage ist diffizil. Geografisch gefangen zwischen Zwickau und Chemnitz und baulich mehr altehrwürdig als funktional, gibt es natürliche Grenzen. Soll heißen: Oelsnitz hat nicht das Potenzial für wöchentliche Straßenfeger. "Wir wollen weiter neue Formate probieren und Veranstaltungshöhepunkte setzen", sagt Birkigt, der die gastronomische Logistik im Gebäude verbessern möchte. Die SPD fordert derweil, eine Konzeption für das Haus zu diskutieren.

Die Feuerwehr ist fester und wichtiger Bestandteil von Oelsnitz. Die offizielle Wertschätzung ist entsprechend hoch. "Wir würden uns jedoch über mehr persönliches Interesse seitens der Ratsleute freuen", sagt Wehrleiterin Marleen Clauß. Zudem sei das Gerätehaus in die Jahre kommen. "Uns fehlt es an Platz." Das gelte etwa für den Umkleidebereich, zudem gebe es nur eine Toilette und zu wenig Raum für die Trennung von Einsatzkleidung und normalen Klamotten.

Die Stadtverwaltung Oelsnitz behandelt - quasi nebenher - auch langfristige Vorhaben und Themen. Etwa den Ausbau der Citybahn, den sie zwar nicht unmittelbar beeinflussen kann, von dem sie sich aber positive Effekte erhofft. "Daher haben wir die Studie zum Viadukt in Auftrag gegeben und so einen Anschub geleistet", sagt Barnickel. Auch bei der Gewerbeansiedlung halte man ständig die Augen offen. Für Flächen auf dem Hoffeld laufen aktuell mit zwei Interessenten die Verhandlungen. Langfristig könne zudem der Vorsorgestandort nahe des Hartensteiner Autobahnanschlusses aktuell werden. Nicht unbedingt aktuell auf der Tagesordnung, aber doch im weiteren Blick hat die Verwaltung die Entwicklung des Areals hinter dem Bergbaumuseum. "Ich wünschte mir generell eine aktivere Vermarktung", wirft Mathias Brunner (Die Linke) ein.

Wohnen in Oelsnitz liegt in den Händen der Stadttochter Wohnungsbaugesellschaft Oelsnitz (WGO). Die soll - wie zuletzt schon geschehen - auch künftig modernen Wohnraum schaffen und Lückenschlüsse realisieren. "Wir werden sicher auch immer mal wieder neue Wohngebiete ausweisen", sagt Barnickel.

Grundsätzlich steht Oelsnitz ordentlich da. "Wir sind ganz gut dran, weil unsere Infrastruktur gut ist", übt sich Bürgermeister Birkigt in Bescheidenheit. Eine Ausgangslage, die die Politik durch eine regionale Anbindung an Zwickau und Chemnitz noch ausbauen möchte. Vieles kommt durch die Citybahn oder die Kulturhauptstadtbewerbung von Chemnitz für 2025 von ganz alleine. An den kleinen Stellschrauben vor Ort muss der Stadtrat drehen. Dem schreibt Neuber ins Stammbuch: "Wenn es uns allen durch Zusammenarbeit und Sachorientierung gelingt, das Oelsnitz der Gegenwart für die Zukunft zu festigen", sei das im Sinne des Gemeinwohles.


Was die Parteien und Wählervereinigungen umsetzen möchten

CDU: Sicherheit steht bei der CDU ganz oben auf der Prioritätenliste - von der Feuerwehr bis hin zur Zusammenarbeit der Stadt als Ortspolizeibehörde mit dem Polizeivollzugsdienst. Wohnen ist ein weiteres Thema, von Eigenheimstandorten bis zu einem breiten, qualitätvollen und bezahlbaren Wohnungsangebot, dem sich die Union widmen möchte. Die Zusammenarbeit mit den Vereinen ist ein weiteres Themenfeld für die CDU, die diese für einen unverzichtbaren Bestandteil des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens hält.

Freie Wählervereinigung "Ein Herz für Oelsnitz": Die größte Herausforderung besteht für die Freie Wählervereinigung darin, genügend Finanzkraft für die Unterhaltung des Geschaffenen zu bündeln und ebenso aber auch maßvolle Investitionen zu tätigen. Die Verbesserung der ärztlichen Versorgung hält die Wählervereinigung ebenfalls für wichtig.

Die Linke: Die ärztliche Betreuung sicherzustellen, hat für die Linke oberste Priorität. Daher will sie alle Initiativen in diesem Bereich unterstützen.

Im Bereich Freizeit strebt die Linke eine Erweiterung der Kulturangebote in der Stadthalle an. Zudem möchte sich die Partei an Aktivitäten im Bürger- und Familienpark beteiligen. Daher sollen auch Kultur-, Sport- und Kleingartenvereine unterstützt werden. Die Wirtschaftskraft möchte die Linke stärken, indem sie auf eine aktive Vermarktung freier Gewerbeflächen - etwa auf dem Hoffeld - hinwirkt.

SPD: Für W-Lan-Hotspots an zentralen Orten in Oelsnitz möchte sich die SPD einsetzen. Im Blick hat die Partei dabei Orte, wie den Markt, den Bürger- und Familienpark oder die Bahnhofstraße. Oelsnitz besser in die Region einzubinden, ist ein weiteres Ziel. So solle die Lage zwischen Zwickau und Chemnitz ausgenutzt werden und kleinteiliges Denken reduziert werden. Mit einer "Revierstadt" als Verwaltungsverbund aus den Kommunen Oelsnitz, Lugau, Hohndorf und Niederwürschnitz sollen Synergien in der Verwaltungsarbeit gehoben werden.

AfD: Keine finanzielle Mehrbelastung der Bürger durch die anstehende Grundsteuerreform fordert die AfD in Oelsnitz. Sie möchte sich zudem für eine Gewerbesteuererhebung mit Augenmaß einsetzen. Mehr direkte Demokratie durch Bürgerentscheide und Bürgerbefragungen bei Zukunftsthemen, wie Gemeindefusionen. Zudem möchte die AfD auf einen Abbau der Bürokratie hinwirken. Keine weiteren Windkraftanlagen ist eine weitere Forderung. Nach Ansicht der AfD zerstören diese die Landschaft, die Tierwelt und die Lebensqualität der Bürger.


Wer stellt sich zur Wahl?

CDU: Rico Anton (1977, Landtagsabg.), Helga Walter (1951, Rentnerin), Frank Scheibner (1946, Rentner), Roswitha Brock (1962, Pfarrerin), Gunter Epperlein (1957, Rentner), Michael Kestel (1962, Notfallsanitäter), Michael Drechsel (1975, Kfz-Mechaniker), Ronny Frank Weigert (1975, Rechtsanwalt), Janine Richter (1974, Bauingenieurin), Matthias Hahn (1953, Makler/Sachver.), Peter Stahl (1957, Bauingenieur), Barbara Hammer (1957, Geschäftsführerin), Uwe Melzer (1961, Polizist), Frank Lauria (1971, Fertigungsbereichsleiter), Sieghard Rudi Bachmann (1947, Angestellter), Sascha Post (1985, Architekt), Werner Rudolph (1951, Rentner), Matthias Fahrhöfer (1958, Beamter), Carolin Böhm (1965, Geschäftsführerin), Eva-Maria Fuhrmann (1947, Rentnerin).

FW Oelsnitz: Wolfgang Prautzsch (1948, Rentner), Kerstin Selbmann (1959, Apothekerin), Reinhard Fiedler (1952, Rentner), Daniel Seltmann (1979, Fachangestellter), Tanja Kretschmer (1987, Physiotherapeutin), Friedrich Hahn (1961, Bestatter), Andreas Leichsenring (1970, Elektromonteur), Frank Czyba (1971, Tankwart), Simon Inhofer (1978, Versicherungsmakler), Monika Engelmann (1954, Rentnerin), Susann Prautzsch-Bonesky (1978, Reiseverkehrskauffrau), Franz-Josef Schiffers (1972, Werbekaufmann), Gerd Lorenz (1951, Rentner), Florian Stahl (1994, Dipl.-Ingenieur), Susann Popp (1980, Designerin/Lehrerin), Robert Rosemann (1983, Abteilungsl. chem. Wasserbeh.), Yvonne Czyba (1979, Kauffrau).

Die Linke: Andreas Bernhardt (1961, Wachschutz), Mathias Brunner (1957, Angestellter), Silke Völker-Eckert (1976, Justizvollzugsbeamte), Friedlinde Merten (1948, Rentnerin), Uwe Küttner (1961, Baufacharbeiter), Irmtraud Meyer (1937, Rentnerin), Sieglinde Matthes (1953, Rentnerin).

SPD: Benjamin Trinks (1988, Lehrer), Manfred Plobner (1938, Rentner), Sören Wittig (1975, Dipl.-Verwaltungswirt), Thomas Lein (1991, Rechtsreferendar), Patrick Scheibner (1992, Brandoberinspektor), Christian Aurich (1981, Projektmanager), Rico Fankhänel (1966, Wirtschaftskaufmann).

AfD: Klaus Schirmer (1956, Bergbau- ingenieur), Horst Werner (1951, Rentner), Thomas Matthes (1965, Handwerker), Andreas Türschmann (1981, Elektriker), Heiko Sauerborn (1958. Zahnarzt), Siegfried Franz (1949, Rentner).

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...