Junger Sammler macht umfangreiche Ausstellung möglich

Die Sommerausstellung der Sammlung Erzgebirgische Landschaftskunst auf Schloss Schlettau ist in diesem Jahr vor allem der Unterstützung eines engagierten Sammlers zu verdanken: Seit acht Jahren widmet sich Oliver Seltmann dem Leben und Werk von Georg Höhlig.

Schlettau/Oelsnitz.

Als Oliver Seltmann 2011 von einem Schwarzenberger Antiquitätenhändler ein Bild des Malers Georg Höhlig angeboten bekam, gefiel ihm die Malweise des Künstlers und sein Ruf als "Maler des Erzgebirges". Binnen kurzer Zeit kaufte der heute 35-Jährige Sammler drei Gemälde von Höhlig, darunter "Crandorf mit Blick nach Schwarzenberg". So prächtig, wie es jetzt auf Schloss Schlettau zu sehen ist, war das große Ölbild damals aber noch nicht.

Wann genau es gemalt wurde, ist zwar unklar, doch auf jeden Fall hat es schon etliche Jahre auf dem Buckel, denn Höhlig wurde 1879 in Leipzig geboren und starb 1960 im Crandorfer Ortsteil Erla. Das Bild war derweil verschmutzt und beschädigt. "Ich möchte, dass die Bilder aussehen, wie sie früher einmal waren." Deshalb hat Seltmann dieses Werk wie fast alle seine Bilder restaurieren lassen. "Es wird ja heiß diskutiert, ob das sinnvoll ist. Aber ich kann der Ansicht, dass man die Patina alter Bilder erhalten sollte, nichts abgewinnen. Manche dieser Bilder waren im Kohlenkeller gelagert oder sie haben in einem Raucherhaushalt gehangen." Den Unterschied zwischen restauriert und unrestauriert kann man in der Ausstellung eindrucksvoll sehen, denn ausgestellt ist auch eine in diesem Jahr von der Sammlung Erzgebirgische Landschaftskunst, die beim Oelsnitzer Bergbaumuseum angesiedelt ist, erworbene kleine Erzgebirgslandschaft, an der noch kein Restaurator Hand angelegt hat.


Rund die Hälfte der mehr als 40 ausgestellten Arbeiten stammen aus der Sammlung von Oliver Seltmann. Im Grunde hätte der Sammler aus Schwarzenberg den Raum auch allein füllen können, denn derzeit besitzt er 42 Bilder von Höhlig. Dabei sammelt Seltmann keineswegs fürs Depot: Mehr als 30 Höhligs hängen normalerweise in seiner Wohnung, die nun während der Schau etwas kahl ist. Das restliche Dutzend steht zum Verkauf, denn Seltmann sammelt nicht nur: Er will andere für den Maler begeistern. Mit seinem Höhlig-Virus hat er schon einige Freunde angesteckt, die nun ebenfalls Leihgaben für die Schau zur Verfügung gestellt haben.

Der große Pluspunkt von Oliver Seltmann ist, dass er nicht nur Werke hortet, sondern sich intensiv mit dem Künstler auseinandersetzt. "Lange Zeit stand im Internet noch 1940 als Todesjahr, doch ich wusste, das kann nicht sein, weil ich bereits um 1945 gemalte Bilder besaß." Die Malweise Höhligs hatte sich zu diesem Zeitpunkt geändert: "Während die Frühwerke einen starken Farbauftrag aufweisen, hat Höhlig später feiner gemalt." Für Seltmann ist das ein Indiz dafür, dass Höhlig vermutlich sparsam mit den Farben umgehen musste, weil sie schwer zu bekommen waren. Inzwischen hat der Sammler viele Details aus dem Leben und zum Werk zusammengetragen und im Internet publiziert. 160 Arbeiten von Höhlig kennt er inzwischen. Viele davon befinden sich in Privatbesitz im Erzgebirge. "Wer hier etwas hat, der verkauft nicht", so seine Erfahrung. Die Bilder aus seiner Sammlung hat er zumeist von weit her zurück ins Erzgebirge geholt. Interessant: Innerhalb der Ausstellung werden auch etliche vergrößerte Repros von Postkarten mit Skizzen Höhligs gezeigt, die Seltmann in einem Auktionshaus ersteigert hat.

Dass jetzt eine so umfangreiche Schau mit Werken von Georg Höhlig gezeigt werden kann, ist ein großer Erfolg. Für Oliver Seltmann, aber auch für die Kunst im Erzgebirge. Nach seinem Tod war der Maler zunächst fast vergessen worden, denn die Familie hatte keine Nachkommen. Zwei der vier Geschwister waren früh gestorben. Der Maler ist ebenso kinderlos geblieben, wie seine Schwester Gertrud, mit der er bis zu seinem Tod zusammenlebte.

Die Sonderschau auf Schloss Schlettau ist bis 27. Oktober zu sehen. Am Samstag, ab 10 Uhr bieten der Kunsthistoriker Alexander Stoll und Oliver Seltmann eine Wanderung zu einigen der Standorte, an denen Höhlig Bilder gemalt hat, an. Start ist am Parkplatz gegenüber der Dudelskirche in Waschleithe.

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