Kabarettist steht am Herd statt auf der Bühne

Einschränkungen durch die Corona-Krise bekommen viele zu spüren. Mit Homeoffice und Kurzarbeitergeld ist es bei Freiberuflern wie Kay Haberkorn aber nicht getan.

Niederwürschnitz.

Eigentlich sollte Kay Haberkorn auf der Bühne stehen. In normalen Zeiten begeistert der 51-jährige Niederwürschnitzer das Publikum als Mime des Kabarettduos "Die Barhocker" und mit Soloprogrammen als "Kay aus der Küche". Parallel arbeitet er als Honorarkraft bei der Chemnitzer Puppentheater "Die Umweltbühne" und übernimmt regelmäßig besondere Aufträge, wie das synchrone Übersetzen von fremdsprachigen Filmen auf dem internationalen Filmfestival Schlingel.

Doch diese Vielseitigkeit nützt ihm derzeit rein gar nichts: "Momentan ruht alles. Seit 14 Tagen werden alle Veranstaltungen abgesagt." Für den Künstler bedeutet das einen 100-prozentigen Verdienstausfall, denn Ausfallhonorar oder Kurzarbeitergeld gibt's für ihn nicht. "Ich lebe momentan von meinen Ersparnissen." Für Haberkorn ist das beileibe kein Aufreger: "Für mich als Freiberufler gibt's gute und schlechte Monate, da muss ich auch ohne Corona einen Notgroschen haben. Ein, zwei Monate komme ich da schon über die Runden." Wenn sich in diesem Zeitraum allerdings nichts tut, wird es richtig eng. Allen Prognosen zum Trotz bleibt Haberkorn optimistisch: "Ich gehe davon aus, dass es irgendeine Unterstützung geben wird, wobei mir mit einem Kredit nicht geholfen ist." Ein Lichtblick ist es schon, dass einige der jetzt ausfallenden Veranstaltungen zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden sollen. So wird die im April geplante Veranstaltung der Barhocker im Oberoelsnitzer Anker auf den Herbst verlegt.

Doch auch wenn bis dahin quasi keine Honorare fließen, muss Haberkorn laufende Kosten wie Miete, Heizkosten oder Strom bezahlen. Sparen kann er allenfalls beim Essen, denn als gelernter Koch weiß er, wie er aus preiswerten Lebensmitteln etwas Leckeres brutzelt. Haberkorn klagt nicht über seine persönliche Einbußen, sondern über den allgemeinen Umgang mit der Situation: "Was mich wirklich aufregt, ist die Hysterie." Die Auswirkungen von Hamsterkäufen, die er sich gar nicht leisten kann, hat er bereits hautnah erlebt: "Ich brauchte jetzt Toilettenpapier, weil meins tatsächlich zur Neige gegangen. In vier Läden habe ich gar keins bekommen, im fünften war nur die teuerste Sorte da. Als ich dann so eine Packung im Wagen hatte, wurde ich von einer älteren Dame richtig vorwurfsvoll angeguckt." Vermutlich werden solche Erfahrungen beim nächsten Kabarettprogramm ihren Niederschlag finden.


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