Kampf um Arbeitsplätze

Der Automobilzulieferer Sodecia will mehr als 200 Stellen im Oelsnitzer Werk streichen. Was tut die Gewerkschaft?

Oelsnitz.

Die IG Metall Chemnitz will sich dafür einsetzen, dass möglichst viele Arbeitsplätze beim Automobilzulieferer Sodecia in Oelsnitz erhalten bleiben. Das sagte Mario John, der Erste Bevollmächtigte der Gewerkschaft. Zusammen mit dem Betriebsrat wolle die IG Metall etwa auf Prozesse hinweisen, in denen Stellenkürzungen den Arbeitsablauf stark beeinträchtigen würden. Der Betriebsratsvorsitzende, Mirko Hennig, gab bislang keine Auskunft.

Der Geschäftsführer der Muttergesellschaft des Automobilzulieferers, Hans Schlickum, hatte zuletzt angekündigt, dass im Laufe des Jahres mehr als 200 Beschäftigte aus dem Oelsnitzer Werk entlassen werden - in allen Bereichen, von der Produktion bis zur Verwaltung. Dabei soll auf eine "gesunde Altersstruktur" geachtet werden, also auf eine Mischung aus jüngeren und älteren Beschäftigten. Zudem legt Schlickum Wert auf "faire Angebote zum Ausstieg", sprich: Abfindungen. Als Grund für die Kündigungen nennt er Veränderungen am Markt. So könne ein Produkt, das bislang aus Oelsnitz kam, in Portugal günstiger produziert werden - wegen geringerer Lohnkosten. Verschärft werde die Situation durch den Trend zur Elektromobilität. "Wir müssen erst neue Fachkompetenz aufbauen", sagte Schlickum.


Auch Mario John sieht die Veränderungen in der Branche als große Herausforderung. Angesichts der rund 40 Fabriken, die Sodecia auf der ganzen Welt betreibt, werde der Oelsnitzer Standort lediglich als "verlängerte Werkbank" behandelt. Wenn Produkte wegen veränderter Nachfrage wegfallen, müsse sich die Firma um Nachfolgemodelle kümmern. Und was die Ausstiegsangebote angeht, sagt John: "Auch eine gute Abfindung ist nur wie ein Heftpflaster beim Bauchschuss."

Da im Erzgebirge viele Fachkräfte gesucht werden, besteht laut John zumindest theoretisch die Möglichkeit, dass gekündigte Mitarbeiter relativ schnell in anderen Betrieben unterkommen. Wobei allerdings die Ausbildung eine Rolle spielt: Besser qualifizierte Mitarbeiter haben John zufolge höhere Chancen. Beim Lohn könne es nach dem Arbeitsplatzwechsel zu Einschnitten kommen.

Nach Angaben von Simone Heinrich, Sprecherin der Arbeitsagentur, gibt es im Kreis derzeit 853 Stellen, die "artverwandten Berufen der Zulieferindustrie" zuzuordnen sind. Dazu gehören Jobs in den Feldern Metallbau (419), Maschinen- und Fahrzeugtechnik (204), Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik (170) und Technische Entwicklung sowie Produktionssteuerung (60).

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