Kendy Nicolai schlüpft erneut in Frauenkleider

Die Bühnenfigur "Helga Hoffmann" ist wieder da. Drei Jahre nach seinem ersten abendfüllenden Soloprogramm steht der Lugauer Nachwuchs- Kabarettist nun mit neuen Texten und schrägen Liedern auf der Bühne.

Lugau.

Eigentlich hatte Helga Hoffmann ausgedient. Kendy Nicolai wollte sich von Helga trennen, um kabarettistisch neue Wege zu gehen. Doch so einfach ist das nicht, denn das Publikum hängt an der feschen Bühnenfigur. Und so hat der Lugauer Kabarettist sie nicht nur irgendwie in sein neues Programm integriert, sondern sich unter dem Titel "Helga Hoffmann: Die ersten Eulenspieglereien" nun ganz auf die ältliche Dame konzentriert.

"Ich habe gelernt, Helga Hoffmann wieder zu lieben", sagt Nicolai. Mit Perücke, altväterlichem Schmuck und etwas aus der Zeit gefallenen Klamotten gibt der 25-Jährige seinem Affen ordentlich Zucker. Von privaten Details, wie dem verstorbenen Ehegatten, dessen Urne sie in der Handtasche mit sich führt, geht es querbeet durch eine Vielzahl von Themen. Dabei wird das schräge Outfit von noch schrägeren Darbietungen mühelos überboten. Nicht genug damit, dass Nicolais "Helga Hoffmann" ihre Ansichten in breitester Lugauer Mundart zum Besten gibt. Sie wagt sich auch an Gesang, der ihr allerdings nicht wirklich gegeben ist, wie schon das erste Lied "Glaub ans Glück" eindrucksvoll verdeutlicht. Das hier eingesetzte Tamburin ist als Taktgeber kaum zu bezeichnen. Vielmehr wird der ohnedies wunderliche Sprechgesang dadurch so bizarr, dass den etwa 40 Besuchern gar nichts anderes übrig bleibt, als kräftig mitzuklatschen. Helga Hoffmann schwadroniert nun von ihren zwei Geschäften, einem Getränkeladen und einem Sexshop. Sie mutmaßt über das Postengeschachere, welches es zwischen Angela Merkel, Ursula von der Leyen und Annegret Kramp-Karrenbauer gegeben haben mag. Und sie singt, nunmehr komplett a cappella "An meiner Theke" und "Es ist sommerlich warm".

Im Publikum sitzen auffällig viele junge Leute. Viele davon sind freundschaftlich mit dem Künstler verbunden, darunter Clemens Guba. Er sagt: "Wir kennen Kendy schon länger und wollen ihn unterstützen. Hier kann ich mal nachempfinden, was er so macht." Pia Hähnlein ergänzt: "Seine Rolle als Helga Hoffmann kenne ich schon länger. Damit ist Kendy bereits in der Schule aufgetreten. Ich finde ihn sehr kreativ. In seiner Rolle verkörpert er ja auch die Generation unserer Eltern." Und Dana Ebisch sagt anerkennend: "So allein auf der Bühne zu stehen, das empfinde ich schon als schwierig." Neben diesen ganz jungen Leuten zwischen 18 und 25 waren auch Besucher aus der Generation der Helga Hoffmann zur Premiere gekommen. Auch bei ihnen konnte Nicolai punkten. So bei Silvia Schmidt: "Ich bin begeistert. Kendy Nicolai ist mit Leidenschaft dabei. Gerade jetzt, wo die Kul(t)ourbanausen aufgehört haben, ist es besonders wichtig, dass es hier so etwas gibt. Das ist eine Bereicherung für Lugau."

Dass Kendy Nicolai jetzt wieder durchstartet, hat vor allem mit seiner beruflichen Neuausrichtung zu tun. Als er im Februar 2017 sein erstes großes Programm vorgestellt hatte, war das nächste Programm bereits ins Auge gefasst. Doch nach Abschluss der Mittelschule und einer Ausbildung zum Restaurantfachmann wollte er damals das Abitur in Chemnitz ablegen. Zeit für die Bühne blieb kaum. Nun allerdings arbeitet der Mime als Verkäufer bei der Lugauer Bäckerei Müller. Eine gute Entscheidung, wie er sagt: "Es hat mich fertiggemacht, dass ich meiner Leidenschaft nicht mehr nachgehen konnte. Im jetzigen Beruf habe ich einfach mehr Möglichkeiten." Und so will er nicht nur seine Bühnenpräsenz erhöhen, sondern auch seine zweite Figur, den "Kenni aus Nimmerland", wieder aus der Mottenkiste holen.

Das Programm "Helga Hoffmann: Die ersten Eulenspieglereien" wird am 29. Februar, 19 Uhr, und am 1. März, 15 Uhr, in der Villa Facius gezeigt. Karten zum Preis von acht Euro gibt es im Vorverkauf in der Stadtbibliothek. Der Eintritt für die Vorstellung am 1. März kostet 10 Euro, dafür sind ein Kaffee und ein Stück Kuchen inklusive.


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