Kirchen-Casting: Seiffen sucht neuen Kantor

Im Kurort haben die ersten Kandidaten öffentlich an der Orgel vorgespielt. Eine weitere Bewerberin stellt sich noch vor. Sie genießt Heimvorteil.

Sylvia Ohse stellte sich ebenfalls in der Bergkirche Seiffen vor.
Richard Wintsche an der Seiffener Orgel.

Von Dirk Trautmann

Erst Ende Juli ist der langjährige Seiffener Kirchenmusiker Tobias Braun verabschiedet worden. Nach zwölf Jahren im Spielzeugdorf zog es ihn der Liebe wegen nach Dresden. In Sachen Nachfolge werden nun im Kurort Nägel mit Köpfen gemacht. Am Mittwoch haben die beiden ersten Kandidaten für das vakante Kantorenamt öffentlich auf der Orgel vorgespielt. Etwa 50 Neugierige ließen sich die Orgelvesper nicht entgehen.

"Der Kantor ist eine wichtige Persönlichkeit des Ortes", sagte Helfried Dietel, der gemeinsam mit Reiner Flath das Vorspielen verfolgte. Beide gehören dem Kirchenvorstand an. "Wir werden beraten und hören uns die Empfehlungen des Kirchenmusikdirektors und der Vertreter des Kirchenchors an. Und dann wird gemeinsam über den neuen Kantor entschieden", erläuterte der Seiffener die Vorgehensweise.

Freie Stellen in der Landeskirche werden im Internet veröffentlicht. Dazu wird das genaue Stellenprofil erläutert. Dadurch erfahren die Bewerber ganz konkret, dass zur Gesamtkirchgemeinde Seiffen auch Deutscheinsiedel und Deutschneudorf gehören, dass neben den Kirchenchören die Kurrende und teilweise auch der Posaunenchor geführt werden sollen.

Zwei Kandidaten wurden nun auf Herz und Nieren geprüft. Sylvia Ohse und Richard Wintsche bekamen es erst mit der Kurrende zu tun - nicht öffentlich, wie die abendliche Begegnung mit dem Kirchenchor und das gemeinsame Erarbeiten von Chorwerken. Sylvia Ohse ist ist 39 Jahre alt und Mutter eines Sohns, der an der Kreuzkirche lernt und singt. Ohse war elf Jahre Kantorin in Oberkrämer (Oberes Havelland) . "Ich war so lange in der Fremde, jetzt möchte ich zurück ins Erzgebirge", beschreibt Ohse den Grund für ihre Bewerbung. Sie stammt aus Pockau. Richard Wintsche steht am Anfang seines Berufslebens. Der 22-Jährige hat das Studium der Kirchenmusik beendet. "Nach vier Jahren Studium bin ich der Großstadt überdrüssig. Ich komme vom Dorf, aus Niederstriegis und möchte wieder zurück aufs Land."

Am Dienstag stellt sich mit Claudia Eckhardt die dritte Bewerberin vor. "Sie ist in Seiffen aufgewachsen, war einige Zeit Kantorin in Wolkenstein, wohnt aber seit 2012 wieder im Heimatort und hat in den letzten Jahren viele Vertretungsdienste im Bereich Olbernhau-Seiffen übernommen. Nächste Woche werden die Eindrücke der Bewerbervorstellungen mit dem Kirchenmusikdirektor fachlich ausgewertet, entscheiden und diese Entscheidung auch vertreten muss der zehnköpfige Kirchenvorstand", sagte Pfarrer Michael Harzer.

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