Kleine Buchbinderei in Mitteldorf mischt bei den Großen mit

Simon-Peter Fröhlich hat als Einzelkämpfer begonnen, heute arbeiten 17 Mitarbeiter für ihn. Gerade erst hat er eine Million Euro in eine neue Maschine investiert.

Mitteldorf.

Mitten in Mitteldorf, umgeben von schmucken Einfamilienhäusern bindet ein kleines Unternehmen mehrere Millionen Broschüren, Hefte und Bücher im Jahr. Der Ruf der Industriebuchbinderei Fröhlich ist so gut, dass der Chef Simon-Peter Fröhlich immer schauen muss, dass ihm seine frisch ausgebildeten Lehrlinge nicht abgeworben werden. "Buchbinder werden händeringend gesucht." Übernahme quasi garantiert. Gute Nachrichten für Schüler wie Joel Hanf, der sich zur Woche der offenen Unternehmen, die gestern zu Ende ging, über den Beruf des Medientechnologen Druckverarbeitung informierte. So heißt der Buchbinder heute. "Ich wusste schon, was der so macht. Aber dass der Beruf so vielfältig ist, das hätte ich dann doch nicht gedacht", so der 14-jährige Schüler des Stollberger Bach-Gymnasiums.

Ein Satz, den Simon-Peter Fröhlich oft hört. "Viele denken, wir drucken Bücher. Doch die Druckerei bringt nur die Farbe aufs Papier, den Rest machen wir", sagt der 50-Jährige, der selbst noch Handbuchbinder gelernt hat und kurz vor der Wende 1989 seine Firma als Einzelkämpfer gründete. Meist in Größe A 1 kommen die Bögen auf Paletten in dem Objekt in Mitteldorf an. "Wir haben uns auf Paperback spezialisiert", so Fröhlich. Das sind die weichen Buchrücken. Als Industriebuchbinderei hat die Firma mit aktuell 17 Mitarbeitern zwei Standbeine: die klebegebundenen Broschüren und die drahtgehefteten, wie man sie von Zeitschriften her kennt. Sieben bis acht Millionen Broschüren verlassen das Werk pro Jahr, mitunter sind es bis zu 30.000 Stück am Tag. Das kann ein dicker Katalog für eine Kunstausstellung im vogtländischen Oelsnitz ebenso sein wie ein Flyer für das Reformationsjubiläum in Halle. "Manchmal weiß ich nicht mehr, was wir gestern produziert haben. Kein Wunder, wir bearbeiten mitunter fünf bis zehn Aufträge am Tag", gesteht der Firmenchef. Zunächst faltet eine Falzmaschine die Bögen auf das spätere Format, danach werden die Seiten, die da noch im Falz verbunden sind, geheftet beziehungsweise geklebt, ehe die Seiten am Ende abgeschnitten werden.

Nach eigener Aussage von Simon-Peter Fröhlich gehört seine Buchbinderei zu den Top-Firmen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Im Erzgebirge gebe es kein vergleichbares Unternehmen, die nächsten Konkurrenten binden in Zwickau, Dresden und Leizpzig. Erst im Herbst hat Fröhlich eine Million Euro in eine neue Klebebindeanlage investiert, bei der der Buchrücken über einen Polyurethanklebstoff fährt. Die Nachfrage nehme wieder spürbar zu, berichtet Simon-Peter Fröhlich. "Print is back würde ich sagen. Die Haptik eines Buches oder einer Broschüre, das ist mehr wert als eine E-Mail. Und dann soll es auch schick aussehen. Es wird also immer aufwendiger." Der Chef legt Wert darauf, dass die Bücher per Hand in die Versandkartons gelegt werden. "So haben wir gleich die Endkontrolle."

Bei aller Technik - so muss der Maschinenführer zum Beispiel an der Klebebindemaschine ständig den Leimfilm kontrollieren und bei Bedarf für das Zuschneiden am Ende selbst eine Matrize bauen - ist es immer noch das Handwerk, das hier zählt. "Es ist ein Spagat. Aber das Gefühl für das Papier zu haben, das ist immer noch entscheidend", so der Buchbindermeister. Er legt deshalb bei den Bewerbern eher Wert auf die Kopfnote als auf eine gute Zensur in Mathe oder Physik. "Ich brauche keine Musterschüler, ich möchte nur spüren, dass derjenige das wirklich will und diese Arbeit schätzt." Deshalb hält er von Online-Bewerbungen gar nichts: "Am liebsten ist es mir, wenn derjenige hierher kommt und ich mir ein Bild von dem Menschen machen kann", so Fröhlich.

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