Komplettes Wohngebiet in Gersdorf wird zwangsversteigert

Es wohnt sich ruhig an der Kaisergrubenstraße. Doch schon bald kommen sechs Häuser mit 54 Wohnungen unter den Hammer. Noch sehen die Mieter das Ganze gelassen.

Gersdorf.

Haben Sie 614.000 Euro übrig? Dann könnten Sie schon bald Eigentümer eines kleinen Wohngebietes an der Kaisergrubenstraße in Gersdorf sein. Das kommt am 16. Oktober, 11 Uhr im Amtsgericht Zwickau unter den Hammer - sechs Häuser gleichen Bautyps mit je neun Wohnungen, dazu 51 Pkw-Stellplätze. Die Immobilien - Verkehrswert 1,28 Millionen Euro - werden quasi im Paket zwangsversteigert. Mindestens 50 Prozent des Verkehrswertes muss ein Interessent dafür bieten, dann könnte ihm ein Stück Gersdorf gehören.

"Wenn ich morgen im Lotto gewinne, dann biete ich mit", sagt Rentnerin Christine Rösch, die seit 2006 mit ihrem Mann Falko in Haus Nummer 7 wohnt. Auch das wird neben den Häusern Nummer 9, 9a, 11, 13, 13a, und 13b versteigert. Für ihre 78 Quadratmeter Wohnfläche zahlen Röschs monatlich 530 Euro Warmmiete - auf das Konto einer Anwaltskanzlei. Seit 2015 ist Andreas Georgi von der Chemnitzer Kanzlei Georgi & Hartmann als Zwangsverwalter der Wohnanlage eingesetzt. "Da kann man nichts sagen, die kümmern sich, wenn wir ein Problem haben", sagt Falko Rösch. Das kann auch Peter Wienhold (28) bestätigen, der mit Partnerin Madlen Natschke (39) und der Tochter erst im Frühjahr eingezogen ist. "Mit der Unterschrift unter den Mietvertrag wurde die Wohnung entkernt und saniert. Es ist eine ruhige Lage, und wir zahlen für die 80 Quadratmeter 590 Euro warm", sagt Peter Wienhold. Nadine Lahm hat da andere Erfahrungen. Die Mutter einer schwerstbehinderten Tochter wollte, dass ihr Bad behindertengerecht ausgebaut wird. Das habe die Verwaltung abgelehnt.

Die sechs Häuser waren 1994 im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus errichtet worden. Zur Anlage gehört auch ein zentrales Heizhaus. Bürgermeister Erik Seidel (parteilos) weiß, dass die Häuser in den 24 Jahren mehrmals den Besitzer gewechselt haben. "Das ist zwar privat, aber wir haben die Information über die Zwangsversteigerung trotzdem öffentlich ausgehängt", so Seidel. Die letzten Eigentümer, über deren Identität sich Amtsgericht und Zwangsverwalter ausschweigen, konnten offenbar die Forderungen des Gläubigers - das ist die Landeskreditbank Baden-Württemberg - nicht mehr begleichen. Die hatte demnach einen Antrag ans Vollstreckungsgericht gestellt.

Durch die Bemühungen der Zwangsverwalter konnte seit 2015 zwar der Leerstand in der Anlage von ursprünglich 30 Prozent reduziert werden, trotzdem gibt es Instandhaltungsrückstau. Stufen an den Hauseingängen sind zum Teil ausgebrochen. Bei mehreren Wohnungen in den Untergeschossen ist die Abdichtung gegen Feuchtigkeit mangelhaft. Außerdem brauchen die Fassaden einen neuen Anstrich. "Ebenso die Fenster von außen", sagt Peter Wienhold. Und Falko Rösch ergänzt: "In den Treppenhäusern müsste auch etwas getan werden."

Für die Bewohner hat die Zwangsversteigerung keine Konsequenzen. "Es sei denn, es kauft einer, der kräftig sanieren will. Da weiß man ja, was passiert", orakelt Falko Rösch und deutet an, dass dann mit Mieterhöhungen zu rechnen wäre.

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