Künstler machen Park und Villa zu Atelier

Holz, Beton und Aludosen - die Materialien, aus denen in Lugau derzeit Kunstwerke zum Thema "Vom Jagdrevier zum Radrevier" entstehen, sind vielfältig. Wer den Künstlern zuschauen möchte, kann dies noch bis Samstag tun. Aber auch danach bleiben ihre Arbeiten den Lugauern erhalten - am Radweg und im Stadtpark.

Lugau.

Der Sound einer Kettensäge dröhnt weithin durch den Stadtpark. Er kommt vom alten Güterschuppen. Dort sägt Nikolay Yotov konzentriert und nahezu ohne Unterbrechung sein Kunstprojekt "Infinity" ins Holz. Der Bulgare ist am Samstag als erster Teilnehmer des 1. Kunstsymposiums in Lugau angereist. Insgesamt sind es sechs Künstler, die eine Woche lang unter dem Thema "Vom Jagdrevier zum Radrevier" arbeiten. Nicht nur ihre Projekte sind völlig verschieden, auch beim verwendeten Material gehen die Künstler verschiedene Wege.

Holz in drei Varianten: Versteckt auf der Rückseite des Güterschuppens bereitet Ryszard Litwiniukaus Polen sein Projekt "Transition" vor. Mit seinen 4,20 Meter Durchmesser soll das Werk das Rollen von Rädern, das Drehen von Speichen auf dem Fahrrad, den Wind und die Bewegung symbolisieren.


Das sich drehende Rad ist auch das Thema von Christoph Roßner aus Bad Schlema. Allerdings musste er kurzfristig umdisponieren. Weil er das Material für die ursprünglich geplante Arbeit "Radschlag" in dieser Woche nicht heranbekommt, arbeitet er nun an einer nicht minder spannenden Plastik unter dem Titel "Aufbruch. Ein Igelrad". Um dieses selbstlaufende Rad aus langen Holzstäben montieren zu können, muss er allerdings zunächst ein Modell herstellen.

Für den dritten Künstler, der mit Holz arbeitet - den eingangs genannten Nikolay Yotov - ist der Zeitrahmen eng gesteckt. Denn er muss am Samstagabend schnell weg, zum nächsten Symposium in Aserbaidschan. Vorher will der 1973 geborene Bulgare aus dem mächtigen Baumstamm einer Ulme ein Objekt schneiden, das anmutet wie drei große Kettenglieder - sein Kunstwerk "Infinity". Die Zeit drängt deshalb, weil er eigentlich am Montag loslegen wollte, doch wegen starken Regens und Sturms zunächst die Arbeitsplätze der Künstler umverlegt werden mussten.

Beton - in teils kuriose Formen: Unterm Dach des Güterschuppens arbeiten zwei weitere Künstler: Karl-Ulrich Schwander und Katja Brückner. Beide arbeiten mit Beton, doch sie gehen ganz unterschiedlich mit dem Material um. Für sein Kunstwerk "Radbank" bereitet Karl-Ulrich Schwanderzwei Formen aus Sperrholz vor. Die Verbindungsstellen werden mit Silikon abgedichtet. Eine der Formen soll später die Reifenprofile von Fahrrädern zeigen, eine weitere thematisiert den Kohleabbau. "Mir ist es wichtig, etwas für den Ort zu machen", sagt der 1958 geborene Künstler. Und so wird sich in einem der Betonabgüsse ein modifiziertes Stadtwappen befinden. Im anderen werden die durch den Bergbau entstandenen Hohlräume dargestellt. Interessant: Um diese Hohlräume im Beton zu erzeugen, verwendet Schwander Styropor, welches er sorgfältig zuschneidet und verklebt.

Ganz anders geht Katja Brückner mit dem Material um. Die experimentelle Künstlerin aus Berlin füllt Betonmasse in Kinderstrumpfhosen. Wie die so entstehenden Skulpturen mit dem Titel "Halber Mensch" letztlich aussehen, ist nur zu ahnen, denn bei diesem Umgang mit dem Material ist immer mit Überraschungen zu rechnen. Es ist allerdings ein hartes Stück Arbeit, die scheinbar natürliche und harmonische Form der Skulptur hinzubekommen. Brückner misst die Materialien exakt ab. Stahlstäbe dienen als Armierung, um die Stabilität des Werkes zu erhöhen. Ein Unterbau wird provisorisch gebaut, denn ohne Stütze würden die Strumpfhosen sich zu stark dehnen und reißen.

Dosen aus Blech: Shuengit Chow verwendet für ihr Kunstwerk Getränkedosen. Um die 1954 geborene Französin bei der Arbeit zu beobachten zu können, muss man in den Veranstaltungsraum an der Villa Facius gehen. Dort bringt sie rund 300 Dosen in eine neue Form, um daraus am Ende einen "Dream Catcher" (Traumfänger) zu gestalten. Zunächst allerdings werden aus den Dosen Würfel gebastelt. Weitere (leere) Dosen sind Shuengit Chow willkommen. Doch sie nimmt nicht jede alte Blechbüchse, sondern nur gut erhaltene Exemplare. Außerdem legt sie Wert auf besondere Motive. Immerhin soll die fertige Arbeit den Betrachter dazu anregen, über seine Träume nachdenken.

Die Abschlussveranstaltung des Lugauer Kunstsymposiums mit Vorstellung der Künstler und ihrer Werke findet am Samstag ab 16.30 Uhr in der Villa Facius statt.

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