Kunstwerk bleibt liegen - und ist nun eine Bank

So war es zwar nicht gedacht, aber Lugau macht aus der Not eine Tugend: Weil das Aufstellen zu unsicher war, dient das Rad nun als Sitzgelegenheit.

Lugau.

Das wegen seiner Größe problematische Kunstwerk "Transition" ist jetzt nicht nur kleiner, es hat auch eine andere Funktion bekommen. "Wir haben nun ein Chill-Rad", sagt Bürgermeister Thomas Weikert (Linke) schmunzelnd. Chillen steht für Entspannen, und das kann man jetzt auf dem Kunstobjekt: Es bleibt liegen und wird so zur Stufen-Bank.

So hatte es sich der polnische Künstler Ryszard Litwiniuk zwar nicht vorgestellt. Nach seinen Vorstellungen sollte das Kunstobjekt, das das Drehen von Speichen auf dem Fahrrad symbolisiert, aufgestellt werden. Allerdings hatte Litwiniuk es auch völlig anders gebaut, als er es beim Kunstsymposium eingereicht hatte: Er halbierte die zur Verfügung gestellten Holzbohlen nicht wie vorgesehen, sodass sein Werk am Ende viel zu groß und instabil wurde.

Ein Dilemma für die Stadt - es aufzustellen, wäre richtig ins Geld gegangen. Zum einen wegen des nicht eingeplanten Fundaments, zum anderen wegen notwendiger statischer Nachbesserungen. "Der Aufwand wäre sehr groß gewesen, und das ohne sichere Aussicht, ob es funktioniert", erklärt Weikert.

Und so fiel die Entscheidung, die Hälfte der Bohlen zu entfernen. Nachdem der Bauhof sich ans Werk gemacht hatte, war aber klar: Das Ganze war immer noch zu instabil und hätte aufgestellt gefährlich werden können. Die einzige Gefahr, die laut erster Tester jetzt noch von den Bohlen ausgeht, sind Schiefer, die man sich einziehen könnte. Gegebenenfalls könnte durch Abschleifen Abhilfe geschaffen werden. "Wir schauen uns das nochmal an", sagte Thomas Weikert am Mittwoch.


Kommentar: Stabil und zugleich originell

Kunst ist streitbar. Ein Kunstwerk löst immer Begeisterung und zugleich Abneigung oder Nicht-Gefallen aus. Das liegt in der Natur von Kunst. Im Falle des XXL-Werks von Litwiniuk liegt der Grund für verschiedene Auffassungen aber nicht im Kunstwerk selbst, sondern in den Kosten, die der Stadt entstünden, würde sie es sicher aufstellen wollen.

Nun wurde ein Kompromiss gefunden, der hoffentlich beiden Parteien entgegenkommt. Denn zu schade wäre es gewesen, das XXL-Objekt ganz aus dem Stadtbild zu verbannen - die bereits im und am Stadtpark stehenden und hängenden Objekte des Kunstsymposiums sind eine echte Bereicherung für das Areal. Andererseits hat die Stadt auch eine Verantwortung im Umgang mit ihren finanziellen Mitteln. Das Rad stabiler zu machen und es nicht aufzurichten, sondern als originelle Sitzgelegenheit in den Park zu legen, ist in meinen Augen eine gute Entscheidung.

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