Leukersdorfer Bildhauer kehrt zum Ort seiner Kindheit zurück

Rund 150 Werke von Volker Beier sind im Schloßbergmuseum Chemnitz zu sehen. Bis heute ist der in Leukersdorf lebende Künstler eng mit der Stadt seiner Jugend verbunden.

Chemnitz/Leukersdorf.

Zum ersten Mal zeigt das Chemnitzer Schloßbergmuseum eine Personalausstellung mit Werken von Volker Beier. Unabhängig von dieser Schau ist ein Werk von ihm freilich immer dort zu sehen. Das Museum hat vor fast 20 Jahren das im Jahr 2000 gegossene Eisenrelief "Chemnitz" erworben. Stadttypische Details von Agricola bis zu Steinernem Wald und Werkzeugmaschinenbau sind in diesem Werk zu finden, das schon durch das verwendete Material den Bogen zur Industriestadt schlägt. Die jetzige Ausstellung zeigt rund 150 Arbeiten Beiers, darunter etliche seiner markanten Werke.

Mehrere seiner unverwechselbaren Porträtköpfe sind zu sehen, darunter die Schriftstellerin Helga Meier, Gerhard Meyer (langjähriger Intendant der städtischen Bühnen in Chemnitz) und Gewichtheber Gerd Bonk. Die in einer Vitrine gezeigten Medaillen widmen sich unter anderem Richard Wagner (1982), Martin Luther (1983) und Adam Ries (1986). Doch seit jeher beschäftigen Beier auch die Menschen seiner unmittelbaren Nachbarschaft. Zu sehen ist das bei dem in Serpentinit gearbeiteten "Fleischermeister". Das 1967 entstandene Werk ist die älteste gezeigte Arbeit und, wie Beier bekennt, für ihn ein "Meilenstein". Vorbild war damals ein Chemnitzer Fleischermeister. Bei der 2003 entstandenen Bronzearbeit "Bauer Alfred" stand wieder ein Nachbar Pate, diesmal ein Landwirt aus Leukersdorf.

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Drei Tafeln verweisen auf Beiers Tätigkeit als Restaurator. Im Innenhof des Museums finden sich prägnante Arbeiten wie das "Paar auf Kissen" (1987), "Arbeitslos (2001) und "Stürzende Taube" (2003). Dennoch ist die Ausstellung nur eine Teilretrospektive, denn zwei wesentliche Arbeitsgebiete werden nicht gezeigt: Die zahlreichen von Volker Beier gestalteten Münzen und die von ihm entworfenen Brunnen, von denen insgesamt 28 Stück in öffentlichen Räumen von Berlin bis Plauen, von Porta Westfalica bis Lauchhammer zu sehen sind.

Chemnitz allerdings nimmt im Leben und Werk von Volker Beier einen besonderen Platz ein. "Eine meiner ersten Zeichnungen als Kind zeigt dieses Schloss." Kein Zufall: Beier ist auf dem Kaßberg aufgewachsen und hat seine erste künstlerische Ausbildung in Chemnitz vom Maler Hans Richter bekommen. Der Bildhauer erinnert sich: "Im Alter von zwölf Jahren habe ich bei ihm im Zeichenzirkel der Fettchemie begonnen. Reingekommen bin ich da nur, weil mein Onkel dort als Entwicklungsingenieur arbeitete. Für mich, als Sohn eines Architekten und Baumeisters, wäre das nicht möglich gewesen." Später hat Volker Beier sogar am bekanntesten Denkmal der Stadt mitgearbeitet. Er gehörte zum Künstlerkollektiv, welches den Schriftspiegel hinter dem Karl-Marx-Monument gestaltet hat.

Abgerundet wird die Ausstellung durch einige durchaus überraschende Arbeiten. So ist ein vierteiliges Portugal-Relief zu sehen, das bei einem Arbeitsaufenthalt innerhalb der Deutsch-Portugiesischen Gesellschaft an der Algarve entstanden ist. Einige Tuschezeichnungen auf Nepal-Papier zeigen Landschaften und Tierstudien. Erstaunlich ist, dass sich der weit überwiegende Teil der ausgestellten Arbeiten noch im Besitz des Künstlers befindet.

Die Ausstellung von Volker Beier ist bis zum 26. Mai im Schloßbergmuseum Chemnitz zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis sonntags und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr, mittwochs von 14 bis 21 Uhr.

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