Leukersdorfer verknüpfen Weltpolitik mit Ortshistorie

Der Heimatverein weiht am Sonntag seine neuen Vereinsräume im einstigen Restaurant Wettinburg ein. Zum Auftakt steht das 30-jährige Jubiläum der deutschen Einheit im Fokus.

Leukersdorf.

Drei Themenschwerpunkte in zwei Räumen, so lässt sich das Konzept der ersten Ausstellung des Heimatvereins Leukersdorf zusammenfassen. Parallel zur aufwendigen Renovierung ihrer neuen Vereinsräume hat ein harter Kern der insgesamt 20 Vereinsmitglieder in den letzten Wochen und Monaten eine erste Historienschau zusammengestellt. Im Zentrum steht eine Ausstellung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der DDR-Diktatur und des Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer. Titel: "Von der Friedlichen Revolution zur deutschen Einheit".

In 14 großen Rahmen wird der Weg nachgezeichnet - von den neuen sowjetischen Schlagworten Perestroika (Umgestaltung) und Glasnost (Transparenz), welche die von Michail Gorbatschow eingeleiteten Reformen ab 1985 prägten, bis zum Wende-Slogan "Wir sind das Volk". Besonders reizvoll an der Ausstellung ist, dass lokale Exponate und persönliche Erinnerungen neben die Ereignisse der Weltpolitik gestellt werden. So berichtet Günter Gränitz über seine erste Fahrt in den "Westen". Mit Frau und zwei Kindern ging es für ihn im November 1989 im Trabant nach Hof. Fotos zeugen davon, dass diese Richtung für viele Erzgebirger das naheliegende Ziel war. Ein Bericht erinnert an die für alle Seiten ungewöhnliche Situation mit emotionalen Momenten und großer Offenheit. Von der 15-stündigen Fahrt, dem Begrüßungsgeld und einem unerwarteten Übernachtungsangebot berichtet Gränitz, dessen Bericht wohl die typischen Erinnerungen vieler Zeitzeugen widerspiegelt.

Aus seiner umfangreichen Sammlung zeigt Günter Gränitz zudem Fotos, Zeitungen und Dokumente. Interessant ist, wie Betriebszeitungen wie "Der Schwermaschinenbauer" ihre Titelseiten änderten. So prangte statt dem üblichen "Proletarier aller Länder vereinigt euch" Mitte Dezember 1989 plötzlich "Auch SMB hat Pressefreiheit" über dem Zeitungsnamen.

Innerhalb einer Dauerausstellung wird die Ortshistorie aufbereitet. In einer Vitrine zeigt der Sammler Roland Uhlmann Fotografien, Massefiguren und Schnitzereien zum Thema Landwirtschaft. Eine Vitrine mit Dokumenten aus dem Nachlass des 1971 verstorbenen Vereinschefs Oskar Nietzsche erinnert an den Jagdverein, der von 1890 bis 1945 im Ort aktiv war. Dritte Säule ist schließlich die 1925 von Emil Pfau gegründeten Strumpfwarenfirma Epesa, deren Lager und Versand früher in den jetzigen Ausstellungsräumen untergebracht war.

Künftig soll es neben einer Dauerausstellung zur Ortshistorie vierteljährlich Wechselausstellungen geben. So ist für kommendes Jahr unter anderem eine Personalausstellung mit dem Leukersdorfer Bildhauer Volker Beier und eine Weihnachtsausstellung in Zusammenarbeit mit den Schnitzern geplant.

Die Ausstellung "Von der Friedlichen Revolution zur deutschen Einheit" wird am Sonntag 14 Uhr in den Vereinsräumen auf der Neuen Gasse 8 eröffnet. Gezeigt wird die Schau bis zum Jahresende immer sonntags von 14 bis 18 Uhr. Weitere Besichtigungstermine können vereinbart werden unter Telefon 0160 7089949.

00 Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.