Mädchen zieht es oft in die Natur

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Auf dem Weg zum Abitur: "Freie Presse" begleitet mehrere Schüler der drei Gymnasien im Altkreis von der 5. bis zur 12. Klasse. Wie erleben sie ihre Schulzeit, wie ändern sich ihre Vorstellungen vom Leben, wie meistern sie Herausforderungen? Heute: Lara-Alina und Stella vom Matthes- Enderlein-Gymnasium in Zwönitz.

Waschleithe/Dorfchemnitz.

Immer noch Corona. Beim Treffen am Ende des 6. Schuljahres vor einem Jahr spielten das Virus und die Tücken des Homeschoolings eine große Rolle bei den Schülerinnen - aber sie hätten nicht geglaubt, dass beides ein Jahr später immer noch präsent ist. Was das Lernen daheim betrifft, so liegen viele Monate hinter ihnen, in denen sie die Schule nicht von innen gesehen haben. Mitte Dezember 2020 war Schluss mit dem normalen Unterricht an der Schule, im März gab es noch einmal eine sehr kurze Zeit, in der die Schüler im Wechsel unterrichtet wurden. Erst Mitte Juni sahen sie ihr Gymnasium wieder von innen. Homeschooling ist ein Stück weit Normalität geworden.

Allerdings sind die Probleme aus der Anfangszeit offenbar Geschichte. Damals stöhnten viele Schüler über zu viele, zu umfangreiche Aufgaben, inzwischen ist das Lösen von Aufgaben in den Hintergrund getreten, der Unterricht per Videokonferenz bestimmt den Alltag. Das sagen Stella Dorst und Lana-Alina Gerstner übereinstimmend - beide Fünftklässlerinnen besuchen das Matthes-Enderlein-Gymnasium in Zwönitz, allerdings in verschiedenen Klassen. Irgendwie hatten sie sich sogar an diese Art des Unterrichts gewöhnt. "Als der Wechselunterricht losging, war es fast ein bisschen überfordernd, plötzlich wieder mit so vielen zusammen zu sein", sagt Stella. Aber es sei auch schön gewesen, die anderen wiederzusehen. In der Lockdown-Zeit hatte sie nur Kontakt zu ihrer besten Freundin, die allerdings an einer anderen Schule lernt. Was ihr gar nicht gefallen habe, war das Tragen der Maske. "An langen Tagen habe ich dann auch manchmal Kopfschmerzen gehabt." Als die Maskenpflicht wegfiel, lernten die Schüler aber auch die Vorteile der Mund-Nasen-Bedeckung kennen, die ja nicht nur vor Covid-19 schützt: Innerhalb kurzer Zeit waren sehr viele in der Klasse erkältet. Auch Stella.

Lana-Alina kann insbesondere dem Wechselunterricht etwas abgewinnen. Der habe in diesem Schuljahr wochenweise stattgefunden - den Unterricht in kleinen Gruppen und in der anderen Woche die Möglichkeit, sich die Zeit selbst einzuteilen und Aufgaben zu lösen, gefällt der 13-Jährigen. "Man bekommt in der Schule die Erklärungen und daheim macht man die Übungen, das ist gut."

Da sich beide Mädchen in der Zeit des Lockdowns ausgesprochen viel draußen bewegt haben - Lana-Alina zu Fuß, Stella auch auf Langläufern - kam ihnen eine Aktion des Sportlehrers sehr entgegen. Um die Schüler zum Bewegen zu animieren, wurden sogenannte Challenges, also Wettkämpfe durchgeführt. Einmal ging es bei einer Lauf-Challenge darum, einen Monat lang so viele Kilometer wie möglich unterwegs zu sein, bei der Speed-Challenge galt es dann, so schnell wie möglich vier Kilometer zu laufen. Stella: "Das waren gute Ideen, um sich zu bewegen." Bei Lara-Alina weckte die Speed-Challenge den Wunsch nach einem Laufband. Als kombiniertes Oster- und Geburtstagsgeschenk wurde er ihr erfüllt. Ihrem Drang nach Bewegung gehen sowohl Lara-Alina als auch Stella neuerdings auch auf andere Weise nach: Die beiden Mädchen hat in diesem Jahr die dieselbe Leidenschaft gepackt: Sie "hulern". Heißt: Sie lassen einen Hula-Hoop-Reifen um die Hüften kreisen - beim Fernsehen oder immer dann, wenn sie Lust drauf haben. Ein Trend, dem viele Freundinnen gefolgt sind, erzählen sie.

Andere Hobbies mussten in der Corona-Zeit hintenanstehen. Stellas Arbeitsgemeinschaft Streitschlichter kam ebenso wenig zusammen, wie sie lange Zeit nicht zum Schwimmtraining gehen konnte. Auch Lara-Alina war nach einem Jahr Pause erst jetzt wieder auf dem Tennisplatz. "Aber ich konnte es noch", sagt sie und lacht. Sie hat allerdings auch einen neuen Zeitvertreib gefunden: Lara-Alina gestaltet sich sehr aufwendig einen Kalender selbst. Nicht nur das Kalendarium ist Marke Eigenbau, sie zeichnet oder klebt auch Bilder als Gestaltungselemente ein. Die viele freie Zeit daheim hat auch dazu geführt, dass sie ihr Zimmer schon dreimal umgeräumt hat. Stella hingegen hat sich aufs Backen und Kochen verlegt.

Die anstehenden Zeugnisse sehen bei beiden Mädchen noch besser aus als zuvor, berichten Stella und Lana-Alina übereinstimmend. Trotz Corona, oder vielleicht auch wegen Corona - weil der Lockdown den Schülern einen kleinen Bonus beschert, wie sie vermuten.

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