Malen richtig gemacht: Vorsicht vor Weiß - und auch bei Möpsen

Etwa 20 Hobbymaler haben am gestrigen Sonntag bei der Mal-Aktion in der Stiftung Tholm zum Pinsel gegriffen. Der emeritierte Hochschulprofessor Roland Unger hat für manchen Aha-Effekt gesorgt.

Thalheim.

Die von innen heraus leuchtenden Bilder des Dresdner Kunstpädagogen Roland Unger sind seit Anfang März in einer Ausstellung der Stiftung Tholm zu sehen. Gestern hat der in Thalheim geborene Professor interessierten Hobbykünstlern professionelle Tipps gegeben. Auch wenn sein eigener Umgang mit Farben oft Zauberei zu sein scheint, macht Unger klar: "Das ist alles keine Kunst, wenn man weiß, wie man es machen kann."

Claudia Limbach weiß genau, wie man es machen kann, denn die Lehrerin aus Chemnitz war während ihres Studiums Schülerin von Unger. Trotzdem wollte sie den Termin nicht verpassen. "Zwei Stunden ist gerade für Kinder auch die richtige Zeitspanne." Mitgebracht hat sie nämlich ihren Sohn Paul (7 Jahre), der sich mit großem Eifer ans Ausprobieren der Tipps machte. Für Roland Unger ist das genau die richtige Methode: "Die Farbkombinationen muss man einfach probieren und lernen. Wichtig ist, dass man sich ohne Verklemmung und ohne Angst an das Blatt setzt."


Trotz seiner jahrzehntelangen Arbeit als Pädagoge, wirkt Roland Unger bei der Mal-Aktion alles andere als lehrerhaft. Und so nimmt er den Besuchern zunächst auch erst einmal die Angst: "Ich muss immer das malen, was in mir steckt. Dazu muss ich keine große Begabung haben." Stattdessen ermutigt er die Besucher, ihre Gefühle aufs Blatt zu bringen. Nahezu unabhängig vom offensichtlichen Motiv können so Glück, Freude oder Trauer ausgedrückt werden.

Angelockt hat die Veranstaltung vor allem Besucher aus Thalheim. Doch nicht nur. "Ich habe früher schon einmal mit Aquarellmalerei begonnen, wollte auch Kurse besuchen. Aber wegen der Kinder konnte ich das bisher nicht. Da ist diese Mal-Aktion für mich wieder ein schöner Impuls", bekennt Ines Krüger aus dem Chemnitzer Ortsteil Harthau, deren Farbpalette zum Start noch in jungfräulichem Weiß erstrahlt.

Gleich daneben hat eine ältere Frau Platz genommen, deren tiefbunte Palette auf regelmäßigen Gebrauch schließen lässt: "Ich besuche einen Malkurs an der Volkshochschule", verrät die Schwarzenbergerin. Die meisten Besucher malen keine aufwändigen Motive, sondern versuchen Ungers Hinweise zu Farben zu testen. Anhand seiner eigenen Bilder hatte er die verschiedenen Wirkungen erklärt: "Hier ist Rot pur. Das leuchtet kaum. Hier habe ich es mit Schwarz dreckig gemacht - und schon leuchtet es mehr." Eine andere seiner Weisheiten: "Mit Weiß muss man vorsichtig sein. Weiß macht jede andere Farbe tot. Außer Gelb, das ist die einzige Farbe, die mit Weiß leuchtet."

Spannend ist dabei, wie es Roland Unger gelingt, wichtige Grundlagen in einfache und einprägsame Worte zu fassen. Und nicht selten sitzt ihm dabei auch der Schalk im Nacken. So fasst er seine Auffassung von Kunst in diese Worte: "Wer einen Mops malt, wie er aussieht, der hat zwei Möpse - einen echten und einen auf der Leinwand. Aber er hat noch kein Kunstwerk."

Die Ausstellung mit Werken von Roland Unger ist übrigens noch bis zum 26. Mai jeweils samstags von 16 bis 18 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr in der Stiftung Tholm (Friedrichstraße 1a) zu sehen.

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