"Man gestaltet nicht nur die Musik"

Neben jungen Talenten setzt Kirchenmusiker Pascal Kaufmann bei seiner "Jungen Philharmonie" auch auf eine andere Verantwortung

Augustusburg.

Mit 5000 Euro fördert der Freistaat die Gründung eines Sinfonieorchesters in Augustusburg. Es ist ein weiteres ambitioniertes Projekt von Kirchenmusiker Pascal Kaufmann (26), der jüngst mehr als 4000 Besucher bei dem von ihm initiierten Augustusburger Musiksommer bilanzieren konnte. Andrea Pötzscher hat ihn gefragt, warum das Orchester eine "Junge Philharmonie" ist und wie man fast 50 junge Musiker für das Projekt gewinnt.

"Freie Presse": Herr Kaufmann, wie kamen Sie auf die Idee, in der Kleinstadt Augustusburg ein Orchester zu gründen?


Pascal Kaufmann: Schon während meines Studiums an der Musikhochschule Dresden habe ich gern mit Studenten musiziert. Es ist ein tolles Erlebnis, gemeinsam mit Gleichaltrigen Musikprojekte zu entwickeln und umzusetzen. Vor ungefähr zwei Jahren reifte in mir die Idee, etwas so Einzigartiges wie ein Sinfonieorchester zu gründen. Dass ich jetzt in Augustusburg diese Idee verwirklichen kann und von vielen Seiten eine große Unterstützung erhalte, freut mich ungemein.

"Junge Philharmonie Augustusburg" lautet die Bezeichnung des Orchesters. Ist der Name auch Programm?

Auf jeden Fall. Mit den drei Worten kommen drei wichtige Inhalte zum Tragen. Zum einen werden junge Menschen in einem großen Orchester, also als Philharmonie, gemeinsam musizieren. Wir werden in Augustusburg proben und hier konzertieren und damit auch die Regionalität und unsere Verbundenheit mit der Stadt zum Ausdruck bringen.

Wie stark ist das Orchester, und woher kommen die Musiker?

Das Orchester setzt sich aus 47 Musikern und dem Orchesterwart zusammen. Etwa 90 Prozent von ihnen kommen aus Sachsen, die anderen aus Thüringen und Brandenburg.

War es schwer, so viele Künstler zu gewinnen? Und wie alt sind die Orchestermitglieder?

Mit einigen arbeite ich schon seit zehn Jahren zusammen. Das sind ehemalige Kommilitonen, die mir zugesagt haben. Andere habe ich über den Sächsischen Musikrat gefunden. Ich war schon überrascht, dass sich auf meine Ausschreibung hin sofort 20 Künstler beworben haben. Das Alter der Musiker liegt zwischen 16 und 35 Jahren. Der größere Teil davon ist weiblich, wobei nur die musische Erfahrung zählt.

Heißt das, Sie haben alle Bewerber erst einmal zu einem Vorspiel eingeladen?

Nein, das wäre zeitlich nicht machbar gewesen. Entscheidend ist, in welchen Ensembles sie bereits gespielt haben oder ob sie bei überregionalen Wettbewerben wie etwa "Jugend musiziert" erfolgreich waren.

Sie haben also nur Profis unter den Musikern?

So kann man das nicht sagen. In der Philharmonie spielen neben Studenten der sächsischen Musikhochschulen und Akademisten auch Absolventen und junge Talente aus Musikschulen der Region. Und es gibt Medizin- und Lehramtsstudenten, die sich nach einer hervorragenden musikalischen Ausbildung entschieden haben, die Musik hobbymäßig weiter zu betreiben.

Ist das Orchester bereits voll besetzt oder sind Sie noch auf der Suche nach Musikern?

Es gibt wenige spezielle Instrumente, die noch besetzt werden müssen. Unter anderem suche ich noch Musiker für die Große Trommel und das Orchesterbecken. Das sind Instrumente, die eine große rhythmische Erfahrung voraussetzen, weil die Schläge auf die Millisekunde genau kommen müssen. Wäre nur ein einziger Schlag ungenau, droht das gesamte Orchester zu "kentern".

Die Musiker kommen ja aus verschiedenen Richtungen. Wie werden die Proben erfolgen?

Die Orchestermitglieder erhalten ihre Noten vier bis sechs Wochen vor einem Konzert und üben jeder für sich. Vor den Aufführungen gibt es zwei intensive Probentage, entweder in der Kirche oder - während der kalten Jahreszeit - in der Augustusburger Mehrzweckhalle. Ich bin der Stadt Augustusburg, der Kirchgemeinde und den Gewerbetreibenden für die großartige Unterstützung sehr dankbar. Ich denke dabei an preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten oder Spenden, von denen wir den Musikern einen Teil der Aufwandsentschädigung zahlen. Ohne dieses tolle Engagement hätten wir das Orchester nicht auf die Beine stellen können.

Nun sind Sie mit 26 Jahren noch ein sehr junger Orchesterleiter, wenngleich mit viel Erfahrung. Das haben Sie beim ersten Augustusburger Musiksommer als Veranstaltungsleiter, Dirigent und Solist an Orgel und Klavier erfolgreich bewiesen. Werden Sie bei der Premiere der Philharmonie im November aufgeregt sein?

Auf jeden Fall! Das ist eine Herausforderung, auf die ich mich aber sehr freue. Es ist unglaublich spannend, vor solch einem großen Orchester zu stehen. Man gestaltet nicht nur die Musik, sondern hat ja auch eine Verantwortung den Künstlern und dem Publikum gegenüber. Es geht nicht nur um das fehlerfreie Spielen, sondern sehr viel um Interpretation.

Konzertieren Sie nur in Augustusburg oder gehen Sie mit dem Orchester auf "Wanderschaft"?

Wir konzentrieren uns voll und ganz auf Augustusburg. Die Spielstätten in den beiden Kirchen sind ideal. Nach der Premiere im November wird es die nächsten Konzerte 2020 zum Augustusburger Musiksommer geben. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, jungen Menschen die Raffinesse und Energie klassischer Musik zu vermitteln. Bis jetzt kooperieren wir mit dem Regenbogengymnasium in Augustusburg. Ich würde mich freuen, wenn auch andere Schulen auf uns zukommen. Ein Traum ist es schon, irgendwann mit einem Bus zu Gastkonzerten zu reisen und damit Augustusburg und die Region auf künstlerischem Gebiet zu vertreten.

Was haben Sie mit den 5000 Euro an Fördermitteln vor?

Wir werden davon den fehlenden Teil der Aufwandsentschädigungen für die Musiker stemmen können. Darüber hinaus müssen wir noch Notenpulte, Kontrabasshocker und langfristig auch einen Satz Pauken anschaffen.


Zwei Musiker erzählen, warum sie in der Jungen Philharmonie mitspielen

Robert Pfretzschner (26), Tenorposaune, aus Reichenbach im Vogtland: "Seit meiner Kindheit spiele ich gern im Sinfonieorchester mit, weil dort alle Instrumente zusammenkommen und einen atemberaubenden Klangkörper erzeugen. Ich schätze die Arbeit von Pascal Kaufmann sehr, und es fühlt sich gut an, Teil dieses großartigen Projektes zu sein."


Sarah-Julia Klinnert (24), Oboe und Englischhorn, aus Chemnitz: "Ich sehe es als Aufgabe eines jeden Künstlers, der die klassische Musik vertritt, an, diese vor allem auch jungen Menschen näher zu bringen. Dabei Teil eines Orchesters aus jungen und motivierten Musikern zu sein, ist das Beste, was einem als Instrumentalist zustoßen kann."

Die Premierenkonzerte der Jungen Philharmonie Augustusburg finden am 9. und 10. November in der Augustusburger Stadtkirche statt. Auf dem Programm stehen Peter Tschaikowskys Ouvertüre aus "Romeo & Julia" für Orchester und das Klavierkonzert a-Moll von Edvard Grieg für Klavier und Orchester. Beginn ist jeweils 17 Uhr. Tickets gibt es in der Tourist-Information Augustusburg, Telefon: 037291 39550 und den Ticketverkaufsstellen der "Freien Presse". Die Karte kostet 15 Euro, ermäßigt 12 Euro. Im Vorverkauf sind die Tickets jeweils 3 Euro günstiger. Mit der "Freie Presse"-Leserkarte oder der Kurkarte Augustusburg gibt es 10 Prozent Rabatt. (anpö)

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