Marmor vom Fuße des Fichtelbergs

In Hammerunterwiesenthal soll Anfang 2017 ein neuer Tagebau in Betrieb gehen. Geomin investiert Millionen in den Standort.

Hammerunterwiesenthal.

Es geht um nicht weniger als den feinsten Marmor, den die Region zu bieten hat. Der liegt nur wenige Meter unter dem Waldboden in Hammerunterwiesenthal. Seit Beginn des Jahres haben die Verantwortlichen von Geomin-Erzgebirgische Kalkwerke GmbH nach jahrelangen Vorbereitungen und einem aufwendigen Planungsverfahren grünes Licht, den neuen Tagebau direkt an der Eisenbergstraße aufzuschließen.

Derzeit wird auf etwa zwei Hektar geschürft. "Unsere Vorstellungen - die Kalkvorkommen betreffend - haben sich bestätigt", sagt Geomin-Geschäftsführer Achim Stöck. Die Qualität des Rohmaterials sei deutlich besser als an den bisherigen Standorten in Lengefeld und Hermsdorf. Etwa 100 Meter in südöstlicher Richtung des Schlösselweg-Lagers fördern bereits seit Ende 2013 Bergarbeiter untertage täglich etwa 500 Tonnen Rohmaterial. 20 Laster transportieren das Material dann jeden Tag über die B 95 nach Hermsdorf und Lengefeld zur Aufbereitung. Die Kalkgewinnung in Lengefeld war Ende 2014 beendet worden. Dort steht jedoch eine der beiden Aufbereitungsanlagen von Geomin. Auch in Hermsdorf soll es perspektivisch nur noch die Aufbereitung geben.

"Für die nächsten 50 Jahre sehen wir unsere Perspektiven in Hammerunterwiesenthal", sagt Stöck. Man wolle ab 2017 den Marmor im Tagebau fördern. Daraus werde sich dann in den kommenden Jahrzehnten eine Kombination aus Tagebau und Tiefbau entwickeln. Denn derzeit arbeiten 13 Kumpel in Hammerunterwiesenthal zweischichtig unter Tage. Im benachbarten Tagebau schürfen unterdessen Mitarbeiter der Richter Splitt- und Schotterwerke an der zweiten Sohle. Sieben Sohlen sind insgesamt vorgesehen. Die potenziellen Erweiterungsflächen schließen sich in Richtung Sehmatal an. Zehn Hektar umfasst das gesamte Abbaugebiet.

Für das Vorhaben wurden bereits auf 2,1 Hektar Bäume gefällt. Für die Waldrodung muss das Unternehmen auf 18 Hektar Ersatzpflanzungen leisten. Das soll zum einem direkt am Standort passieren, aber auch in Oberscheibe und auf derzeit noch landwirtschaftlich genutzten Flächen am Ortsrand von Neudorf. "Bergrecht geht vor Waldrecht", kommentiert Oberwiesenthals Revierleiter Klaus Peter Weingardt den Fichtenverlust.

Bereits in der Planungsphase war auch deutlich geworden, dass bei derart großflächigen Arbeiten im Wassereinzugsgebiet des Fichtelbergmassives auch Bachführungen in Mitleidenschaft gezogen werden. Ausgleichend wurde das Unternehmen zu zwei Maßnahmen verpflichtet, erläutert Achim Stöck. Das ist zum einen die Neufassung von Wasserläufen an der Vierenstraße in Oberwiesenthal. Dort hat Geomin bereits ein Rohrleitungssystem mit Druckleitung für die Trinkwassertalsperre in Cranzahl in Auftrag gegeben. Das Wasser wird nun unter der Vierenstraße in den Talsperrengraben gepumpt. Die zweite Investition sichert die Wasserversorgung der Forstbaumschule Kretscham. "Nach einigen Übungsläufen im Sommer gehen wir jetzt davon aus, dass wir bei Bedarf auf Knopfdruck Wasser aus den Untertagereserven von Geomin bekommen", erklärt Matthias Sommer von der Baumschule.

Acht bis zehn Jahre wird es noch dauern, bis die Vorbereitungen aller Förderbedingungen in Hammerunterwiesenthal abgeschlossen sind. Einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag investiert Geomin in den Standort. Dazu gehört auch der Bau einer neuen Aufbereitungsanlage, die den Kalkstein auf die gewünschten Körnungen bricht. Die entsprechenden Hallen dafür werden im benachbarten alten Phonolitbruch stehen. Vorher müssen dort allerdings noch Hundertausende Kubikmeter Abraum aufgefüllt werden. Zu sehen sein wird von der Anlage nicht viel. Sie steht abgesenkt und eingehaust und soll zur Umgebung hin mit einem hohen Emissionsschutzwall abgeschirmt werden.

In Zukunft werden das Werk täglich 1000 Tonnen Marmor verlassen. Etwa vierzig 25-Tonner transportieren dann pro Tag die schneeweißen Füll- und Werkstoffe für Farben, Putze, Lacke und Beton zu den Kunden. Mindestens 30 Mitarbeiter werden dann bei Geomin in Lohn und Brot stehen, kündigt Stöck an.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...