Millionen-Invest und Schlüsseldienst

Thalheim, einst nicht immer Hort von Harmonie, ruft seine Bürger zu mehr Stolz und Engagement für den eigenen Ort auf. Mit Erfolg - und dem Förderprogramm Soziale Stadt. Es geht um kleine Dinge, die ein Zusammenleben lebenswerter machen.

Thalheim.

Der neue Drei-Tannen-Spielplatz am Thalheimer Neubaugebiet ist so ein Beispiel. Er hat 330.000 Euro gekostet. Thalheim für Familien attraktiver zu machen, war das Ziel. Doch das ist nur die eine Seite. Die andere: Ein Bürger aus der Nachbarschaft schließt den Platz morgens auf, abends ab. Und schaut nach dem rechten. Und zwar unentgeltlich. Das ist Bürgerengagement.

Beide Seiten sind zwei Teile eines Förderprogramms. Es heißt Soziale Stadt. Die großen Investitionen fördern - aber ebenso das Miteinander. Das ist das Kalkül. Es beginnt bei Begrünungs-Projekten, Kleinkunst im öffentlichen Raum oder Wettbewerben im Kiez, mit Papierkörben, Bänken, Spielgeräten oder Messe-Beteiligungen für Vereine - es gibt fast nichts, was es nicht gibt. Man muss es nur machen wollen. Ohne den Spielplatz würde es auch nicht den Bürger mit dem Schlüssel geben.


Das besagte Förderprogramm Soziale Stadt soll Gemeinden bei Maßnahmen zur Stabilisierung und Aufwertung von Stadtteilen helfen, die wirtschaftlich und/oder sozial in Schieflage geraten sind - oder geraten könnten. Vor drei Jahren kam Thalheim auf diese Förderliste, erhielt die erste Million Euro überwiesen. Seither gibt es ein genau definiertes Gebiet - vier wichtige Landmarken definieren es: Das BBZ, die Innenstadt, das Erzgebirgsbad und eben das Neubaugebiet.

Darin tummeln sich kleine Initiativen und Projekte, oft im Stillen. "Wir haben nun schon zum zweiten Mal einen Flohmarkt für Baby- und Kinderkleidung auf die Beine gestellt - in der Turnhalle der Oberschule, weil es dort perfekt funktioniert", sagt Sylvia Schlicke, die Quartiersmanagerin im Auftrag der Stadt Thalheim. Oft sind dies die Herausforderungen: Wer kümmert sich um die Verpflegung, wer reinigt und schließt wieder ab, sind Versicherungsfragen zu klären, bei wem laufen die Organisationsfäden zusammen? Dinge, die wenig Geld kosten, aber viel Bürgernähe schaffen.

Da gibt es das Projekt der Kinderbürgermeister oder die Befragung zur Zukunft des Erzgebirgsbades, bei der 900 Leute mitgemacht haben. Da gab es die Idee mit der Frühstücksaktion "Brunch in Grün-Weiß", die beim Händlerstammtisch erdacht worden ist - letzteres ist auch eine Initiative, die Teil des Förderprogramms ist. Schlicke will auch die Idee der riesigen Kaffeetafel neu beleben. 2005 war diese aufgebaut, 70 Meter lang, 350 Teilnehmer waren dabei. "Daran erinnern sich fast alle Thalheimer noch." Anders gesagt: Das war sehr verbindend - damals auch ohne Fördergelder.

Hinter all dem steht ein Verfügungsfond, der mal praller, mal weniger prall gefüllt ist. Im Schnitt sind das 6000 Euro im Jahr. Diesen koordiniert Schlicke, über die einzelnen Ausgabe aber entscheidet ein siebenköpfiges Gremium, mit Stadträten, Bürgern, Händlern, Vereinsmitgliedern. Eine große Investitionen war im April die Mobile Bühne, die erstmals zum Hexenfeuer aufgebaut worden ist. Der Stadtchor will darauf womöglich eine Serenade zur Nacht erklingen lassen, so ein Vorhaben. Die Bühne hat ja schließlich eine Überdachung und auch eine Leinwand - und kostete 29.000 Euro. Ein Großteil kam aus dem Förderprojekt und als Gegenfinanzierung von der Stadt, aber eben auch von Spenden - auch in Form von Eigeninitiativen der Bürger.

Genau solches Engagement wünscht die Sächsische Aufbaubank ausdrücklich - und verrechnet es auch. Das Oster(s)hoppeln etwa ist so ein Beispiel. Angedockt an das Osterbrunnenfest haben die Händler mehr gemacht als nur ihre Läden geöffnet, sondern in etliche kleine Aktionen investiert. Nach dem Motto: Redet mit uns, wir beißen nicht. 509,5 Stunden an Eigenleistung kamen so zusammen - mit einem Wert von 4076 Euro. Etwa für die Organisation, das Schmücken für das Fest, Plakate aufhängen. Solcherlei Zahlen kommen auf ein Konto, mit dem dann neue Fördergelder gegenfinanziert werden können.

Was Schlicke nicht macht, sondern die Stadt selbst, sind die großen Bauprojekte. Der Spielplatz wurde schon erwähnt. Da gibt es aber auch das ehemalige Berufliche Bildungszentrum (BBZ), wo mittelfristig die Kita "Kinderland" einzieht - oder auch der Grundschulhort. Es gibt den fertigen Spielpark der Generationen im Neubaugebiet. Oder die umfangreichen Brandschutzarbeiten an der Oberschule.

Bald könnte so auch das nun schon so lange verwaiste Erzgebirgsbad wieder in dieser Liga mitspielen - mit welcher Lösung auch immer. "Mit diesem hat ja alles begonnen, dass wir im Förderprojekt Soziale Stadt dabei sind", so Schlicke.

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