Mit 21 Sachsens beste Bäckermeisterin

Tabita Meyer aus Adorf steht erst seit vier Jahren im Berufsleben und hat schon viel erreicht - Und sie ist noch nicht am Ende mit ihrer Karriere

Für 11 Uhr hat Tabita Meyer ihre Gesprächspartnerin zum Interview auf Arbeit in der Bäckerei Seifert in Leukersdorf bestellt. Dann hat die Bäckermeisterin Feierabend. Zwischen Kokosmakronen und Teigmaschine sprach Kathrin Neumann mit der 21-Jährigen über ihre Zukunftspläne, das zeitige Aufstehen und Schokolade.

"Freie Presse": Die Lehre um ein halbes Jahr verkürzt, voriges Jahr beste Gesellin in Sachsen und nun mit gerade mal 21 Jahren die Auszeichnung als beste Bäckermeisterin 2016 im Freistaat. Soll das in dem Tempo so weitergehen?

Tabita Meyer: Jetzt ist grad die stressige Weihnachtszeit, da denk ich nicht drüber nach. Aber ich hab schon Ideen. Ich würde gern noch den Konditormeister machen. Doch ich muss mein Wissen dann auch anwenden können. Ich lass es auf mich zukommen.

Was reizt dich so an der Konditorei?

Es ist filigraner. Klar, ich bin auch gerne in der Backstube, backe Brot, Brötchen, Kuchen. Die Konditorei macht viel mit Schokolade und Zucker. Das ist die feine Kunst - das, was die Leute auch bezahlen müssen, weil es viel mehr Zeit braucht.

Willst du das wieder in so einem Tempo durchziehen?

Nein, sicher nicht. Beim Konditormeister wird viel Fachwissen vorausgesetzt, das ich ja wegen der fehlenden Konditorenlehre nicht habe. Also muss ich mir viel selbst erarbeiten. Es kann passieren, dass ich dafür woanders hingehe. Ist aber ja auch nicht schlecht, mal rauszukommen, was anderes zu sehen. Man sagt, die Schulen in München und Stuttgart sind gut. Und Koblenz. Mit denen hab ich mich schon mal in Verbindung gesetzt, das klang ganz gut.

Willst du deiner Heimat den Rücken kehren?

Auf keinen Fall. Ich will wieder zurück. Ich hänge ja an der Region, hab hier meine Familie und Freunde. Klar, könnte ich mir auch woanders etwas aufbauen. Aber dafür müsste es schon einen triftigen Grund geben, und den sehe ich gerade nicht.

Lass uns an deinem Leben teilhaben. Wie sieht dein Tag aus?

Ich stehe um 1 auf, um 2 Uhr beginnt die Arbeit. Und dann ganz normal acht Stunden, mit Pause. Dann fahre ich heim, esse bei meiner Mama Mittag und lege mich hin. Wie andere ihren Mittagsschlaf machen. Wenn es geht, zwei bis drei Stunden. Je nachdem, was ich dann vorhabe.

Was sagen deine Freunde zu deinen Arbeitszeiten?

Was sollen sie schon sagen? Das sind halt meine Arbeitszeiten. Ich muss das ja auch akzeptieren, wenn sie sagen, sie arbeiten bis 16 Uhr. Freitags und samstags fangen wir um 12 an, da passiert am Abend davor natürlich nichts mehr.

So zeitig? Hast du schon mal versucht, durchzumachen?

Ha, das hab ich versucht, aber das bekommt mir nicht. Die Müdigkeit kommt irgendwann, du kannst deinen Körper nicht überlisten. Und ich muss ja auch fit sein, Leistung bringen. Erst ab 7 Uhr, wenn die meisten Sachen zum Frühstück raus sind, ist der größte Stress durch.

Um sieben? Da steh' ich gerade auf. Journalisten fangen nicht vor halb zehn an zu arbeiten.

Oh, wie gruselig. Das wäre nichts für mich. Da hat man doch nie etwas von der Sonne. Was nützt es mir, wenn ich abends zuhause bin? Da ist es ja dunkel. Klar, das Aufstehen ist jetzt nicht schön, aber es geht schon.

Hättest du Lust, dich irgendwann selbstständig zu machen?

Weiß nicht. Sein eigener Chef zu sein, selbst zu entscheiden, das ist schon toll. Aber wenn, dann nicht als reine Bäckerei, sondern vielleicht noch mit einem Café dazu.

Weißt du, wo ich mir dich richtig gut vorstellen kann: auf einem Schiff als Konditorin oder in einem großen Hotel.

Komisch, das haben mir schon viele gesagt. Aber ich weiß nicht. Ich hab so viel, was mich hier verbindet. Außerdem bin ich erst seit vier Jahren im Arbeitsleben, es gibt keinen Plan.

Du bist damals nach der zehnten Klasse vom Gymnasium runter, um die Bäckerlehre zu beginnen. Das ist mutig.

Ach, warum? Ich sah einfach keinen Sinn mehr in dem ständigen Auswendiglernen. Ich hab geguckt, Probe gearbeitet und das dann einfach gemacht. Mit 16, 17 machst du dir nicht so 'n Kopf darüber. Auf dem Gymnasium wird so viel Stoff vermittelt, aber uns hat keiner mal geschubst, mal darüber nachzudenken, welche Fachrichtung man einschlagen will. Doch woher sollst du wissen, was du willst, wenn du es nicht vorher ausprobiert hast?

Wenn du beim Bäcker vor der Theke stehst, was kaufst du?

Och, keine Ahnung. Was mich gerade anlacht. Ich esse eigentlich alles. Etwas mit Obst oder Schokolade wäre es wahrscheinlich.

Ich greife zum Streuselkuchen mit Pudding gefüllt. Lecker!

Was? Wie langweilig. Nee, also da gehört für mich schon etwas mehr dazu. Wenigstens Schoko-Streusel müssten es schon sein.


Das sagt ihre Chefin

Karla Seifert, Inhaberin der Bäckerei Seifert in Leukersdorf, rät ihrem Schützling Tabita Meyer, nun erst einmal durchzuatmen: "In der Kürze der Zeit hat sie so viel gelernt", blickt Seifert zurück und erinnert daran, dass früher die Gesellen zunächst drei Jahre arbeiten mussten, ehe sie ihren Meister machen konnten.

"Sie hat einen großen Schatz an Wissen. Aber erst die Erfahrung im Beruf stärkt den Meister", so Seifert. Schließlich würden in der Backstube Mitarbeiter seit mehr als 30 Jahren arbeiten, die aber keinen Meistertitel haben. "Tabita muss sich diesen Platz erst erarbeiten. Deshalb rate ich ihr, in Ruhe zu überlegen, wie es weitergehen soll."

Im Jahr 2014 wurde die Bäckerei mit ihren aktuell 24 Angestellten, fünf Filialen und einem Verkaufswagen von der Handwerkskammer Chemnitz mit dem Walter-Hartwig-Preis für ihr besonderes Engagement bei der Förderung junger Auszubildenderausgezeichnet.

Auf die Frage, was die Bäckerei anders macht, antwortet die Inhaberin: "Wir legen großen Wert auf den sozialen Umgang. Bei uns ist jeder für den anderen da." Den jungen Leuten müsse man auch etwas zutrauen. "Zum Beispiel indem sie eigene Projekte mit betreuen. Das hat Tabita von Anfang an gemacht", so Seifert. (kan)

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