Mit "Pokémon Go"-Prinzip soll Stollberger City belebt werden

Mit einer Handy-App möchte die Große Kreisstadt Besucher in die Innenstadt locken. Für die gibt es jede Menge Infos - und sogar etwas zu gewinnen.

Stollberg.

Das Handy-Spiel "Pokémon Go" startete 2016 seinen Siegeszug. Bis Ende 2018 ist es eine Milliarde mal heruntergeladen worden, ehe der Hype abebbte. In dem Spiel können die Spieler virtuelle Fantasiewesen, sogenannte Pokémon, fangen. Via GPS ermittelt das Programm den Standort des Spielers und positioniert ihn auf einer Landkarte, die als virtuelle Spielwelt fungiert. Dabei werden Sehenswürdigkeiten, Wahrzeichen und auffällige Objekte der echten Welt eingebunden. Gespielt wird also vornehmlich im Freien. Dieses Prinzip macht sich nun Stollberg für ein brandneues Projekt zu eigen, mit dem die Stadt sich - ebenso wie Lugau mit zusammengeführten Schülerprojekten - bei der aktuellen Runde des Städtewettbewerbes "Ab in die Mitte" beworben hat.

Unter dem Motto "Technologie trifft Lebensqualität" möchten die Macher Menschen in die Innenstadt locken. Dazu lassen sie eine App entwickeln, die drei Säulen verknüpft. An zunächst 15 Stationen wird es Historisches, Aktuelles und Spielspaß geben. Und so funktioniert es: Nutzer können mit der App markante oder wichtige Gebäude und Orte scannen. So erkennt das Programm den Standort und öffnet die verborgenen Inhalte. "Es ist also unumgänglich, dass sich die Nutzer in die Stadt begeben", betont Innenstadtmanager Stefan Herold. Am Standort Stadtgarten, dem Aldi-Dach, beispielsweise ist ein Radio hinterlegt, das auf dem Display erscheint. Hinter den Reglern des Radios verbergen sich weitere Funktionen. Etwa stellen sich die Stadtkapelle oder die Schulband des Carl-von-Bach-Gymnasiums in Bild und Ton vor. "Wir möchten zudem aktuelle Informationen aus der Nähe des Objektes geben. Das können Veranstaltungen sein oder Aktionen der Händler", sagt Herold.

Schließlich sei ein Ziel der App die Belebung der Stollberger Innenstadt. Doch es geht nicht nur um Werbung. Es sollen auch historische Inhalte vermittelt werden. Beim Carl-von-Bach-Haus wird es Informationen über dessen Leben geben. "Wir planen, dazu das Burattino-Kindertheater einzubinden, das Videosequenzen einspielen könnte", sagt Herold. Schließlich wird es an jedem Standort auch ein Spiel geben; mal ein Quiz, andernorts ein Geschicklichkeitsspiel. Hier können die Nutzer - wie bei Pokémon Go - auf die Jagd nach dem Highscore gehen. Dazu müssen sie von Standort zu Standort gehen und die jeweiligen Spiele lösen. Über eine Rangliste können sie so mit anderen in den Wettbewerb treten. Am Ende des Jahres winkt dem erfolgreichsten Mitspieler ein Einkaufsgutschein. "Natürlich kann auch mehrfach gespielt werden", sagt Herold.

Das Prinzip hinter dieser App nennt sich "Augmented Reality" (deutsch: erweiterte Realität). Das möchte Stollberg nutzen und ganz unterschiedliche Akteure einbinden: Ortschronisten zeigen historische Dokumente, Händler präsentieren sich und ihre Aktionen, die Kulturabteilung der Stadtverwaltung liefert Podcasts zu Veranstaltungen, Musikschule oder Jugendbands erhalten eine Plattform, um sich zu präsentieren. "Für mich stellt dieses Angebot eine Brücke von der analogen in die digitale Welt dar", sagt Kunstlehrerin Viola Lippold, die an der Ideenfindung beteiligt war. Genau so ist das Projekt auch angelegt. "Für potenzielle Spaziergänge von Großeltern und Enkeln ist das eine generationenverbindende und für beide Seiten lehrreiche Sache", heißt es in der Präsentation.

Ob mit dem Vorhaben der große Wurf beim Städtewettbewerb gelingen wird, klärt sich am 25. November. Dann gibt die Jury die Preisträger bekannt. Dem Sieger winken 30.000 Euro. Das wäre etwa die Summe, die Stollberg für die Umsetzung brauchen würde. Eine Vorabversion gibt es bereits. Die hat die Firma "Alive", ein Dienstleister des MDR, programmiert. "Für uns war das kostenneutral", sagt Herold. Einen Auftrag für die endgültige Version sollen die Leipziger aber so oder so bekommen. Denn Herold möchte das Projekt auf alle Fälle umsetzen: "Wenn wir gewinnen, kann es nächstes Jahr losgehen, ansonsten bemühe ich mich darum, dass Geld in den Haushalt 2021/2022 für diesen Zweck eingestellt wird."

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