Musiktheater lehrt Bühnentod und Flucht aus der Irrenanstalt

Heute geht ein zwölftägiges Camp in der Tabakstanne zu Ende, bei dem sich Kinder und Jugendliche aus Chemnitz intensiv mit Musik und Theaterspiel beschäftigt haben und interessante Erfahrungen machen durften.

Thalheim.

Für richtig verrückte Sachen haben sich die 23 Teilnehmer am Musiktheatercamp in der Tabakstanne entschieden. Binnen zwölf Tagen sind zwei Theaterproduktionen und ein Lied entstanden. Alles wurde am Montagabend vor Familien und Freunden im Speisesaal der Tabakstanne aufgeführt.

Für das Programm kann der Song "Wir brechen aus" als Leitthema gelten, denn es geht um Leute, die nicht so richtig ticken, sich mit ihrer Lage aber nicht länger abfinden wollen. "Besonders gut fand ich, dass wir die Stücke selbst entwickeln und uns die Personen ausdenken durften. Dadurch steckt in der Aufführung direkt etwas von mir drin", so der 13-jährige Vincent Oehme. Spannend sei dann gewesen, zu sehen, wie Michael-Paul Milow die Szenen aufbaut. Theaterpädagoge Milow gehört zu einem Team von Referenten, das die Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren mit Grundlagen zu Mimik, Gestik und dramaturgischen Raffinessen vertraut gemacht hat.

"Ich kann jetzt voll cool sterben", verweist Amira Musienko auf eine darstellerische Aufgabe, die besonders geprobt wurde. Aus gutem Grund: Beim skurrilen Stück "Ein tödliches Geheimnis" galt es für viele Mimen, einen möglichst sehenswerten Bühnentod zu sterben.

Auch bei der zweiten Produktion, bei der die Insassen einer Irrenanstalt den unmenschlichen Bedingungen entfliehen, ging es recht rabiat zu.

Für Musikpädagoge Sebastian Stegner ist die Begeisterungsfähigkeit der Teilnehmer ein klarer Pluspunkt: Stegner hat mit den Jugendlichen das eigene Lied entwickelt. Es wurde es auch als Video aufgenommen. Die Jugendlichen sind vom Camp begeistert. Noah Frank (13) ist von der Videoaufnahme angetan: "Die ganze Technik finde ich cool." Elena Hubrig (13) verdeutlicht: "Bühne ist mein Hobby und meine Rolle als Youtube-Star Rose habe ich mir selbst ausgedacht."

In der bisherigen Form fand das Musiktheatercamp der Kindervereinigung Chemnitz allerdings dieses Jahr letztmals statt, wie Projektleiter Jan Koch bedauert. "Nach nunmehr fünf Jahren läuft die Förderung innerhalb des Bundesprogramms 'Kultur macht stark' aus", erklärte er. Nach einer adäquaten Alternative für die Zukunft werde aber gesucht.


In erster Linie kommen Schulklassen in die Tabakstanne

Dietmar Franze leitet das Bildungs- und Freizeitzentrum Tabakstanne, Träger ist die Kindervereinigung Chemnitz. Cristina Zehrfeld sprach mit ihm.

Freie Presse: Wie ist es um die Auslastung der Tabakstanne bestellt, und wer kommt eigentlich?

Dietmar Franze: Von Ostern bis Oktober ist kaum noch eine Steigerung möglich. In erster Linie kommen Schulklassen, die hier Projektwochen durchführen. Ebenso wichtig sind die Ferienfreizeiten. Daneben wird unser Haus von Sportvereinen als Trainingslager, von Kulturgruppen für Probenwochenenden und von der Kindervereinigung für pädagogische Angebote genutzt.

Es geht also nicht nur um reine Übernachtungsgäste?

Wichtig ist die inhaltliche Arbeit. Es ist erstaunlich, wie ernst Jugendliche Sachen wie das jetzige Musiktheatercamp nehmen. Auch unsere Programme werden sehr gut angenommen. Besonders gut gehen "Schwarzes Gold und Glitzersteine" und "Von Rittern und Raumfahrern". Das Lockere und Gesellige kommt dann von ganz allein.

Womit kann die Tabakstanne besonders punkten?

Unser Alleinstellungsmerkmal sind viele internationale Begegnungen. In diesem Jahr hatten wir Gäste aus Frankreich, Litauen, Mazedonien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn hier. Zudem haben wir Ostern eine Reise für 15 Jugendliche nach Slowenien organisiert. So etwas muss man einfach wollen, aber für mich ist das der einfachste Weg, kulturelle Unterschiede zu überwinden.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...