Nach acht Monaten: Stollbergerin findet Arzt

Seit Sommer 2018 suchte Roswitha Stadelmann nach einer neuen Praxis. Jetzt hatte sie Erfolg. Doch es gibt einen Haken.

Stollberg.

Roswitha Stadelmann war verzweifelt. Im Juli 2018 stand sie plötzlich ohne Hausarzt da. Für die Rentnerin begann eine lange Suche. "Wo ich auch aufgekreuzt bin, ich hatte keinen Erfolg." Nun, nach acht Monaten, hat sie einen Arzt gefunden: Dr. Christian Steinbach habe sie im März aufgenommen - in seiner Hohenstein-Ernstthaler Praxis. Zwar hat Stadelmann keine akuten Probleme, nimmt auch keine Medikamente. "Wenn ich 18 wäre, würde ich mir keine Gedanken machen", sagt sie. "Aber ich bin 80. Da braucht man einen Arzt."

Ihr ehemaliger Hausarzt, Dr. Gerd Jugel, wollte seine Praxis in Stollberg nicht als Hausarzt weiterführen. Er bot ab Juli nur noch spezielle Behandlungen für Selbstzahler und Privatversicherte an. Und die anderen Stollberger Praxen waren voll, nahmen keine neuen Patienten auf. Auch in Chemnitz wurde Stadelmann abgelehnt. Ein Stollberger Arzt sicherte ihr lediglich zu, dass er sie in akuten Fällen behandeln würde. In ihrer Not bat Roswitha Stadelmann ihre Krankenkasse sowie die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen um Hilfe. Einen Hausarzt konnte man ihr aber nicht vermitteln. Roswitha Stadelmann war sauer. Bis zu ihrer Rente hatte sie im Finanzamt gearbeitet, zahlte regelmäßig in die gesetzliche Krankenkasse ein. "Ich war nicht einen Tag arbeitslos." Dennoch stand sie später vor verschlossenen Türen.


Was die Versorgung mit Hausärzten im Raum Stollberg angeht, so hat sich die Lage seit dem vergangenen Sommer kaum verändert. Die Kassenärztliche Vereinigung zählt 41 Hausärzte bei rund 80.000 Einwohnern im Planbereich. Dazu gehören Stollberg, Burkhardtsdorf, Gornsdorf, Hohndorf, Jahnsdorf, Lugau, Neukirchen, Niederwürschnitz, Oelsnitz, Thalheim und Zwönitz. Der Versorgungsgrad liegt bei 80 Prozent. Laut Statistik fehlen elf Hausärzte, um eine hundertprozentige Versorgung zu erreichen.

Eine Bekannte schlug Stadelmann schließlich vor, Steinbachs Praxis aufzusuchen. Dort hat sie sich bereits vorgestellt. Ganz zufrieden ist sie mit der jetzigen Lösung jedoch nicht. Denn Stadelmann hat kein Auto. Will sie nach Hohenstein-Ernstthal, muss sie den Bus nehmen. Da sie in Oelsnitz umsteigt, braucht sie circa 45 Minuten, Und Hausbesuche in Stollberg kämen für den Arzt aus Hohenstein-Ernstthal nicht infrage. Insofern ist die Suche noch nicht beendet - ein Stammarzt im Wohnort wäre schon besser, sagt Stadelmann.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...