Naturschutzgebiet bietet Birkhuhn neue Chancen

Werden die Pläne des Freistaates realisiert, entsteht für die Raufußhuhnart neuer Lebensraum. Doch es gibt Hürden.

Annaberg-Buchholz/Marienberg.

Die Mehrheit der Befragten hat sich für das Naturschutzgebiet "Bergwiesen und Moore des Kammbereichs von Satzung bis Rübenau" ausgesprochen - zur Freude von Naturschützer Udo Kolbe. In dem Gebiet lebt ein großer Teil der letzten Birkhühner der Region. Das Naturschutzgebiet könnte dazu beitragen, dass sie vor dem Aussterben zu bewahren.

Die Pläne des Freistaates Sachsen sehen vor, dass in den kommenden Jahren rund 10 Millionen Euro für das Naturschutzgroßprojekt ausgegeben werden. Vorab war die Öffentlichkeit in die Entscheidungsfindung einbezogen worden. Im Zuge einer Umfrage konnte abgestimmt werden, ob ein neues Gebiet eingerichtet werden sollte und wenn ja, welches. Ein Drittel der etwa 550 Teilnehmer stimmte für "Bergwiesen und Moore des Kammbereiches von Satzung bis Rübenau".

Erst vor wenigen Monaten hatte der Freistaat bereits ein Artenschutzprogramm zugesagt. Es soll verhindern, dass die Birkhühner hierzulande aussterben. Schon jetzt gibt es in der Kammregion gerade mal noch geschätzte 30 Exemplare. In Tschechien sind es noch etwas mehr. Etwa 720 Hektar Brut- und Aufzuchtfläche sind laut Kolbe nötig, um den Bestand im Erzgebirge zu sichern. "Eine örtliche Arbeitsgruppe hat sich gebildet", sagt Kolbe, der Mitglied der Initiative Birkhuhnschutz ist. Es sei nicht einfach, die Interessen aller Beteiligten unter einen Hut zu bekommen. So hatten im Vorfeld Vertreter der Forst- und Waldlobby vor einer Waldzerstörung gewarnt. Grund: Birkhühner benötigen lichte Flächen und offene Bereiche.

Das Naturschutzgebiet in der Kammregion biete nun eine zusätzliche Möglichkeit, den Lebensraum der Tiere zu verbessern. Denn bereits vorhandene Bergwiesen sollen nicht nur erhalten, sondern auch erweitert werden. Dies könnte insbesondere durch einem Ankauf von landwirtschaftlichen Flächen bewerkstelligt werden. Ein Pachten ist ebenfalls denkbar. Doch auch dies ruft Kritik hervor. Denn in diesem Falle würden den Bauern Flächen entzogen, was der Regionalbauernverband nicht hinnehmen will.

Udo Kolbe argumentiert: Ein stärkerer Naturschutz würde ganz neue Chancen bieten. "Viele Gäste kommen wegen des Naturerlebnisses in das Erzgebirge." Durch einen besseren Naturschutz könne der Ganzjahrestourismus gestärkt werden. Das geplante Naturschutzgebiet biete in Zukunft für Besucher die Gelegenheit, nicht nur Birkhühner zu sichten. Viele weitere selten gewordene Arten könnten profitieren und sich besser vermehren, so Udo Kolbe. Als Beispiel nannte er die Bekassine, die in der Kammregion vereinzelt brütet. Unter anderem benötigen auch Arten wie Braunkehlchen sowie Wachtelkönig mehr Schutz, erklärt Kolbe. Bei den Pflanzen nannte er Alpinweißzunge, Knabenkraut und Arnika als Beispiele.

Ob und in welcher Form das Naturschutzgebiet realisiert wird, ist derzeit noch ungewiss. In den kommenden Wochen sollen die Ergebnisse der Umfrage aufbereitet werden, sodass der Kreistag am 25. März über das Vorhaben befinden kann. Um die zehn Jahre soll dann die spätere Umsetzung voraussichtlich dauern. (mit alu)

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