Neubau neben Steinbruch löst Kritik aus

Wo einst Wald war, entsteht ein Bürogebäude. Die Firma Geiger muss sich deshalb gegen Vorwürfe verteidigen. Bei einer Genehmigung gab es Ungereimtheiten.

Jahnsdorf.

An den roten Staub, der vom Leukersdorfer Steinbruch ausgeht, wird sich Siegfried Birkholz niemals gewöhnen. "Manchmal knirscht es richtig zwischen den Zähnen", sagt er. Sein Haus steht etwa 500 Meter entfernt von dem Gelände, auf dem die Firma Geiger Porphyr abbaut.

Mit Zähneknirschen beobachtet Birkholz auch das neue Projekt des Unternehmens: Neben der Zufahrt zum Steinbruch, an der Jahnsdorfer Straße, errichtet die Firma ein Büro- und Sozialgebäude. Der Rohbau steht bereits. Im April hatte Geiger dafür etliche Bäume fällen lassen, eine kleine Waldfläche. Weil sich mehrere Anwohner darüber beschwerten, reichten die Grünen eine Kleine Anfrage im Landtag ein. Laut Ulrike Kahl, die für die Partei im Kreistag sitzt, enthält die Antwort der Sächsischen Staatsregierung Ungereimtheiten.


Dabei geht es vor allem um eine Genehmigung, die Geiger beim Landratsamt einholen musste. Die Behörde war bei den Fällungen im April noch davon ausgegangen, dass es sich um "genehmigungsfreien Holzeinschlag" handelt. In solchen Fällen müssen Besitzer die Fläche wieder aufforsten. Aber das hatte Geiger wohl nie vor. Die Firma wollte einen Neubau errichten, was einen Antrag auf "Waldumwandlung" voraussetzt. Doch diesen Antrag hat Geiger erst im Mai gestellt, also nach den Fällungen - zu einem Zeitpunkt, als auf der Fläche gar kein Wald mehr vorhanden war.

Mittlerweile hat das Landratsamt den Antrag genehmigt - "nach eingehender Prüfung", wie eine Sprecherin berichtet. Unabhängig davon habe die Baugenehmigung schon vorgelegen, als die Arbeiten am Bürogebäude starteten, sagt Andrea Geiger von der Vertriebs- und Marketingabteilung des Unternehmens. Ulrike Kahl hat nun eine weitere Anfrage an den Kreistag gerichtet. Sie will unter anderem wissen, ob die Firma zu Ersatzpflanzungen verpflichtet ist.

Anwohner in Leukersdorf sind schon lange genervt vom Steinbruch. Sprengungen in der Grube, so ein Vorwurf, würden Häuser in der Umgebung derart erschüttern, dass Risse in den Wänden entstehen. Laster, die Schutt transportieren, trügen Dreck in die Siedlung. Nach Auffassung der Grünen und einiger Anwohner weht seit den Fällungen noch mehr Staub in die Gärten, weil - nach Kahls Worten - der "schützende Grüngürtel nicht mehr existiert". Geiger weist stets darauf hin, dass alle Grenzwerte eingehalten werden, was die zuständige Aufsichtsbehörde, das Oberbergamt, bislang immer bestätigt hat.

Nun steht ein weiterer Vorwurf im Raum: Der Teich, der neben dem Neubau liegt, offiziell ein Laichgewässer für Kröten und Frösche, sei zuletzt verunreinigt worden. Laut Andrea Geiger wird der Teich vom Steinbruch mit Frischwasser gespeist. Bei Starkregen könne es zu Verschmutzungen kommen. "Die Ursache hierfür ist allerdings natürlicher Art." Kontrolliert wird das Gewässer von der Unteren Wasserbehörde, die jüngst jedoch keine Auffälligkeiten festgestellt hat. Ob noch Frösche im Teich leben, konnte die Behörde nicht sagen. Birkholz befürchtet das Schlimmste: "Wir hören nachts kein Quaken mehr", sagt er.

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