Neue Methode: Hohndorferin erste Patientin

Keine Narbe trotz Eingriff im Hals - eine besondere Technik ist erstmals im Helios-Klinikum auf dem Zeller Berg angewendet worden. Einst in Borna entwickelt, reifte das Verfahren in Asien aus.

Aue/Hohndorf.

Vertrauen und Mut haben sich gelohnt: Trotz einer Schilddrüsen-Operation ist Mandy Matthes narbenfrei. Nur noch leicht gerötet wirkt ihr Hals fünf Tage nach dem Eingriff am Helios-Klinikum in Aue, der auch für Robert Stumpf eine Premiere war. Erstmals hat der Chefarzt der Klinik für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie sowie plastische Operationen eine Schilddrüse durch den Mund entfernt - ohne sichtbare Narbe wie bisher.

Im Fall der Hohndorferin Mandy Matthes war es der linke Lappen der Schilddrüse. Bei der neuen Methode ist der Zugangsweg gut versteckt. "Über die Innenseite der Unterlippe werden die OP-Instrumente eingeführt. Dazu braucht es zwei kleine Schnitte und einen Kanal über das Kinn bis runter zur Schilddrüse und zur Verbindung über die Luftröhre", sagt Stumpf, der für diese Technik zuvor in München bei einem Experten in die Lehre gegangen war. "Der Kollege war bei der ersten OP in Aue als Rückversicherung dabei." Eingreifen musste er nicht. Es lief alles planmäßig. Ungefähr eine halbe Stunde dauert es länger als auf dem konventionellen Weg. "Das ist auch Übungssache", erklärt Stumpf, der bei seinem ersten derartigen Eingriff besondere Vorsicht walten ließ.

Neu ist die Methode nicht, allerdings war sie lange Zeit verpönt. Entwickelt in Borna bei Leipzig, traten zunächst zu viele Komplikationen auf. "Daher verschwand sie, war aber nach Asien geschwappt", so der Chefarzt. In Fernost feilten die Mediziner solange daran, bis es besser funktionierte. 2018 kehrte die Methode ausgereifter nach Europa zurück. Seit Jahresbeginn operieren drei Zentren - in Wien, in Bayern und in Krefeld - narbenfrei. Außerdem gibt es selten noch in Borna Eingriffe auf dem transoralen Weg. Mit dem Auer Chefarzt sind es sachsenweit also zwei Mediziner, die auf diese Methode setzen. "Alle Eingriffe werden erfasst", so Stumpf. Bei bisher 80 ausgewerteten Operationen dieser Art habe es noch keine Komplikationen gegeben. Er bevorzugt das Ganze auch, weil der Einsatz der endoskopischen Geräte eine bessere Sicht auf den OP-Bereich erlaubt.

Pro Jahr werden am Helios-Klinikum etwa 130 Schilddrüsenoperationen vollzogen. Damit ist das Haus neben den Chemnitzer Kliniken führend in der Region. Es sei damit zu rechnen, dass demnächst eine Mindestmenge - sie wird vermutlich bei etwa 100 Operationen liegen - festgelegt wird. Heißt: Nur Kliniken mit einer gewissen OP-Erfahrung und -Häufigkeit dürfen derlei Eingriffe noch vornehmen.

Mandy Matthes bereut den Schritt keinesfalls, in Aue die Erste gewesen zu sein. "Ich konnte sofort wieder essen und hatte bis auf ein Taubheitsgefühl im Mund anfangs und ein paar Schmerzen, die normal sind, keinerlei Beschwerden", sagt die 48-Jährige die im Öffentlichen Dienst arbeitet. Grenzen setzen der Methode laut Stumpf nur die Größenverhältnisse. "Ist eine Schilddrüse beispielsweise zu sehr angeschwollen, funktioniert es nicht, weil wir sie nicht mehr über Hals und Mund entfernen können."

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