Neue Struktur sorgt bei Katholiken für Diskussionen

Sie kam, um über die Änderungen innerhalb der katholische Kirche zu sprechen. Es geht um eine Reform, die nicht bei allen gut ankommt.

Schwarzenberg/Stollberg.

Seit Jahresbeginn gibt es innerhalb der katholischen Kirche eine neue Struktur. Gegründet wurde aus den vormals vier eigenständigen Kirchgemeinden Aue, Schwarzenberg, Zwönitz und Stollberg zum 6. Januar 2019 die Pfarrei St. Mariä Geburt, die ihren Hauptsitz in Aue hat, und der Pfarrer Winfried Kuhnigk vorsteht. Doch diese neue Struktur, oder vielmehr deren Entstehungsprozess, stößt nicht bei allen Gläubigen auf Gegenliebe. Das hat ein Gesprächsabend mit der Ordinariatsrätin Elisabeth Neuhaus vom Bistum Dresden-Meißen in dieser Woche in Schwarzenberg erkennen lassen.

"Pfarreifusionen zwischen Strukturanpassung und pastoraler Chance" hatte Elisabeth Neuhaus ihren Vortrag genannt, mit dem sie zunächst einen nahezu verniedlichenden Rückblick auf den 2013 von Bischof Heiner Koch angeschobenen "Erkundungsprozess" bot. In diesem, so hieß es, waren alle eingeladen, über neue Strukturen nachzudenken - jedoch unter der allseits bekannten Maßgabe des demografischen Wandels, der rückläufigen Zahlen von Kirchenmitgliedern und dem weniger werdenden Personal. Kurzum, auch die Kirchen - die evangelisch-lutherische eingeschlossen - stehen vor durchaus bekannten Problemen.


Einige Kirchgemeinden hätten das Angebot für eine aktive Mitwirkung angenommen, andere hätten es ausgesessen, in der Hoffnung, dass alles bleibt wie bisher, erklärt Neuhaus. Der Wechsel des Bischofs habe die Gangart verändert. Koch wurde abberufen und Heinrich Timmerevers im August 2017 als neuer Bischof des Bistums ins Amt eingeführt. Er beschleunigte die Prozesse, reichte konkrete Vorgaben aus und legte auch die Neugründung der Pfarrei Aue für Jahresbeginn 2019 fest - auch deren Namen.

"Von all dem, was wir in stundenlangen Gesprächen in unserer Freizeit, bei abendlichen Treffen und in Abstimmungen mit den anderen Gemeinden vorgeschlagen hatten, ist doch nichts, rein gar nichts angenommen worden", meldete sich Andreas Halle enttäuscht zu Wort. Er war einer von etwa 40 Gästen, die den Erklärungsversuchen der Ordinariatsrätin folgten. "Wir haben dann nie wieder etwas gehört, bis zu den Festlegungen", sagte Halle. Die Glaubwürdigkeit habe gelitten. Sorge und Enttäuschung waren in den Gesichtern der Gäste ablesbar.

Die Sorge, wie es weitergehen soll, vor allem in der Arbeit mit den Kindern, treibt Stephan Breuer um. Die katholische Kirche verliert aktuell immens an Mitgliedern, bestätigte Neuhaus. Zudem verlieren die Katholiken in Schwarzenberg im Juli mit Dominikus Goth noch ihren Pfarrer. Er werde nach Freiberg wechseln, wie er sagt. Die eigentliche Arbeit mit den Menschen, das, was Kirche ausmacht, müsse künftig zu großen Teilen von den Gemeindegliedern getragen werden.

"Wir haben am Anfang versäumt, die Möglichkeiten und Grenzen der Beteiligung klar zu definieren", betonte Elisabeth Neuhaus und sprach von einem Fehler, dies nicht klarer kommuniziert zu haben. Am Beispiel der Personalentwicklung legte sie die Zwänge offen, die zu den Entscheidungen geführt hätten. Doch sie sei bereit für weitere Gespräche.

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