Nikita und Josy sind Thalheims gewählte Bürgermeisterinnen

Die beiden Mädchen lernen in der vierten Klasse der örtlichen Grundschule - in einem Demokratie-Projekt haben sie nun noch einen wichtigen Nebenjob: Sie sollen die Kinder der Stadt vertreten. Kann das klappen?

Thalheim.

Das Problem heißt Kantstraße. Die ist eng, wird oft befahren, ist aber auch der Weg vieler Kinder zur oder von der Thalheimer Grundschule. "Ein Unfall ist noch nicht passiert. Aber eine Freundin sagte mir, ihr wäre mal ein Auto fast über die Füße gefahren", sagt Nikita Ihle. Und Josy Mohr ergänzt: "Da ist zwar eine 30er-Zone, aber die fahren da oft viel schneller."

Nikita und Josy reichen einem ausgewachsenen Mann gerade bis zum Bauchnabel - doch genau dieser Blickwinkel ist gefragt. Autos wie auf der Kantstraße sehen nicht nur von unten viel gefährlicher aus als für Erwachsene. Sie sind es auch.

Dabei ist der Blickwinkel von Kindern wichtig. Denn die Stadt braucht Familien - Familien mit Kindern, die sich wohl fühlen. Wenn es also an der Kant-/Ecke Kleiststraße zum Beispiel einen Zebrastreifen geben würde, dann könnten mehr Kinder zur Schule laufen, weniger Eltern müssten mit dem Auto bis zur Schule fahren. So argumentierten die zwei Mädchen. Ist es naiv, wenn Kinder so denken?

Die Stadt Thalheim findet das nicht, und so sind Nikita und Josy offiziell die Kinderbürgermeister der Kommune. Heute werden sie vom Stadtrat für ihr zweijähriges Amt bestätigt. 157 Kinder der zweiten bis vierten Klassen der Grundschule durften wählen - und haben sich für Nikita und Josy ausgesprochen. Die sollen die Kinder im Rathaus vertreten, vier Beratungen im Jahr mit den Klassensprechern an der Schule durchführen, bei Kinderthemen auch im Stadtrat Rederecht haben. "Ich traue mich, Erwachsenen meine Meinung zu sagen", sagt Nikita.

Die Idee der Kinderbürgermeister stammt aus Thalheims Partnerkommune Markt Roßtal. Dort gibt es bereits seit einigen Jahren das Kinderoberhaupt, das mit ebenfalls gewählten Kindermarkträten bei Entscheidungen für den Ort mit Rat und Tat zur Seite steht.

Und in Thalheim? Als Entscheidungsgremium, ähnlich dem Stadtrat, fungieren die Klassensprecher. Unterstützt werden die Kinder derzeit intensiv von einer Steuerungsgruppe und dem Projekt Demokratie in Kinderhand der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Fördermittel gibt es vom Freistaat über die Initiative "Weltoffenes Sachsen".

Nikita und Josy, die beiden Bürgermeisterinnen, haben schon Erfahrung darin, Probleme zu benennen, Argumente auszutauschen, Lösungen zu finden. Sie waren bereits Streitschlichter an der Grundschule. "Mein Papa ist aber auch Stadtrat und der richtige Bürgermeister ist mein Patenonkel", sagt Josy.

Was sind ihre nächsten Vorhaben? Zuerst hatten die beiden noch keine richtige Idee, doch dann haben sie doch welche gefunden. Zum einen wollen sie eine Beratung einberufen, um über die Kantstraße zu reden. Und über einen Namen für den neuen Spielplatz an der Stadtbadstraße, den die Erwachsenen vorerst und etwas langweilig den Spielplatz der Generationen genannt haben. "Irgendwas lustiges wie der Affenkäfig in Thalheim", so Nikita. Sie erzählt, dass das ein eingezäuntes Areal mit Bolzplatz in Thalheim ist. "Affen klettern auch in solchen Dingern rum", sagt Josy.

Nikita möchte übrigens als Erwachsene Lehrerin sein, oder Buchhändlerin. Josy findet Tierärztin spannend. Sie habe Schildkröten, einen Hund, Katzen daheim, früher waren es auch Hamster.

Aber Moment mal! Will denn keine von beiden später Bürgermeisterin werden, in einem richtigen Rathaus, mit richtigem Stadtrat und echtem Geld? Beide schauen sich an. "Da haben wir noch gar nicht drüber nachgedacht", sagt Nikita. Ihre Stellvertreterin nickt. Und feixt Nikita an. Die feixt zurück.

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