Noch immer fit - mit fast 95 Jahren

Freibäder sind Kleinode. Generationen haben hier ihre ersten Schwimm- versuche unternommen, die Seele baumeln lassen.  Und sie sind wie in Lugau eine Fundgrube für Chronisten.

Lugau.

"Es wird wohl eines der besten Saisonergebnisse werden", sagt Thomas Sprunk kurz vor dem Ende dieses 2018er-Sommers. Seit mehr als einem Jahrzehnt betreibt er im Auftrag der Stadt das Bad. Die Lugauer Freibad-Geschichte indes ist länger als die Historie dieser Freizeitoase. Im Lugauer Heimatmuseum ist dazu mit der Zeit ein großer Fundus entstanden. Eine ganze Reihe von Lugauern hat dazu beigetragen. "Vieles ist auf die Arbeit des langjährigen Ortschronisten Emil Haubold zurückzuführen, der viel Material zusammengetragen hat", sagt Jürgen Lang, der Mitarbeiter im Heimatmuseum der Stadt. 

Die Geschichte des Bades ist bis in die Anfangsjahre des 20. Jahrhunderts zurückzuführen. Vorausgegangen war bereits 1889 die Gründung eines Naturheilvereins in Lugau, der in den Folgejahren auch  Initiator der Aktivitäten zur Errichtung eines Freibades wurde. 1910 legte der Verein am Rande des Steegenwaldes ein Naturbad mit Parkanlagen und einem Kinderspielplatz an.

Ein Alleinstellungsmerkmal hatte diese Freizeitstätte nicht. Denn neben diesem Bad gab es noch das Schützteichbad in Niederlugau. Die Chronik beschreibt dieses als Wasserecken vom Bergbau her. Um 1900 seien einige Schwimmsportbegeisterte auf die Idee gekommen, aus dem Schütz-Teich ein Bad zu errichten. Der Teich wurde dazu befestigt. Auch Nebengebäude für Umkleidekabinen und ein Raum für den Schwimmmeister entstanden. Schwimmvereine ließen sich hier nieder, es gab Schwimmfeste. 1950 hat die Stadt Lugau dieses Bad sogar vom eigentlichen Besitzer, dem Steinkohlenwerk Gottes Segen übernommen, ist festgehalten. Mit den Jahren sei es allerdings von der Bildfläche verschwunden.

Das heutige Freibad hat als Stadtbad eine furiose Geschichte. Eingeweiht worden ist es am 17. August 1924. Dabei hatte der Lugauer Gemeinderat erst im Jahr 1923 beschlossen, auf dem Gelände des Naturheilvereins beziehungsweise im Anschluss daran den Stadtpark mit Freibad und Sportplätzen anzulegen. Die vorhandenen Anlagen wurden einbezogen beziehungsweise umgebaut. Eine Einwohnerversammlung fand statt. Dabei wurde an die Großindustrie wegen finanzieller Unterstützung appelliert, die Sportjugend um Mithilfe gebeten. Der Gemeinderat hatte zudem empfohlen, zur Finanzierung "Bausteine" zu 1000 Mark herausgeben, die später zinslos ausgelöst werden konnten. Nach gut eine Jahr waren die Arbeiten so weit vorangeschritten, dass Einweihung gefeiert werden konnte. Man empfing hohen Besuch: den damaligen sächsischen Innenminister. Bei einer größeren Reparatur 1940 wurden die Wasserbecken anders aufgeteilt, ist den im Heimatmuseum gesammelten Dokumenten zu entnehmen. Das Bad verfügte damals über einen Sprungturm in Höhen von 1, 3 und 5 Metern. Anfangs war die Konstruktion aus Holz, später aus Eisenrohr.

Am Stadtbad nagte der Zahn der Zeit. Seit 1991 gab es Überlegungen und Gutachten, wie es mit dem Bad weitergehen sollte. Da ging es Lugau wie vielen anderen Orten in der Region. Der Wille des Stadtrates zur Erhaltung des Bades war ungebrochen, auch wenn es damals nicht einfach war, ein machbares Konzept zu finden. Im Frühjahr 1995 begann dann der Abriss des alten Bades, am 28. Juni 1996 wurde das neue Bad mit einem großen Fest seiner Bestimmung übergeben. Aus einer völlig veralteten Anlage war ein modernes Freibad entstanden.

Dank des Engagements der Stadt kann gewährleistet werden, dass alles super funktioniert, hebt der heutige Betreiber Thomas Sprunk hervor. Denn auch vor der einst modernisierten Anlage macht der Zahn der Zeit nicht halt. Regelmäßige Instandsetzungsarbeiten sind nötig, um Saison für Saison für die Badegäste öffnen zu können. Und manchmal muss man schnell handel. So zum Beispiel, als in dieser Saison die Pumpe beim Planschbecken ausfiel. Mit Unterstützung der Stadt bekam man auch das wieder in den Griff. Und so verlief alles gut in diesem Super-Sommer. Mehr 17.000 Besucher stehen laut Schwimmmeister Roland Lorenz bereits zu Buche. Nicht einmal 10.000 waren es Ende der 2017er-Saison.

Im kommenden Jahr startet das Lugauer Stadtbad immerhin in seine 95. Saison und das mit guten Aussichten: "Für uns ist das Bad ein wichtiger Teil der Freizeitangebote in Lugau", sagt Bürgermeister Thomas Weikert, der auf die Erneuerung nach der Wende verweist. Natürlich sei es inzwischen auch in die Jahre gekommen. "Wir sind nun dabei, mit dem Betreiber zusammen eine Strategie zu entwickeln, wie wir das Bad erneuern und vielleicht in diesem Zusammenhang auch aufwerten können", hebt der Lugauer Stadtchef hervor.

Das Lugauer Stadtbad, Stadtbadstraße1, ist im August täglich 10 bis 20 Uhr geöffnet, im September 11 bis 18 Uhr. Je nach aktueller Witterung ist bis etwa Mitte September offen. Die Tageskarte kostet 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro.

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