Oelsnitz holt die Kinder für neues Spielgerät mit ins Boot

Das Spielschiff am Waldbad ist in die Jahre gekommen und muss ausgetauscht werden. Geld ist vorhanden, Alternativen wurden erarbeitet. Bei der Umsetzung geht die Stadt allerdings neue Wege.

Oelsnitz.

Es ist Peter Stahl (CDU) zu verdanken, dass aus einem x-beliebigen Verwaltungsvorgang mit politischer Abstimmung nun ein besonderes Projekt wird. Es geht um einen Ersatz für das in die Jahre gekommene Spielschiff am Waldbad. Die Reparaturen und damit die Kosten häufen sich. Das Gerät muss zudem aus Sicherheitsgründen immer häufiger gesperrt werden. Für die nächste Tüv-Überprüfung räumt Thomas Illmann, Sachgebietsleiter Bau, dem Holzgerät mit Rutsche und Kletternetzen keine allzugroßen Chancen ein.

Also geschieht, was in solchen Fällen immer geschieht. Die Verwaltung hat sich nach einer möglichen Finanzierung und bezahlbaren Alternativen umgesehen. 30.000 Euro stehen für ein neues Spielgerät zur Verfügung. 10.000 davon sind für die Demontage und Entsorgung des maroden Holzschiffes eingeplant. Vier Alternativen präsentierte die Stadtverwaltung nun den Lokalpolitikern im Technischen Ausschuss.

An dieser Stelle kommt Peter Stahl ins Spiel. "Warum soll ich als fast 60-Jähriger entscheiden, was Kindern gefallen könnte?", fragte er das Gremium. Die Stadt könne sich doch auch im Kindergarten schlau machen und dann entscheiden. Die Idee traf im Ausschuss auf breite Zustimmung. Roswitha Brock (CDU) regte an, auch Hortkinder mit ins Boot zu holen. Auf ihren Joggingtouren habe sie bemerkt, dass auch diese Altersgruppe das Spielgerät am Waldbad rege nutzen würde. Auch Bürgermeister Bernd Birkigt sprang auf den Zug auf: "Ich kann mir gut vorstellen, eine Kindergruppe in die Entscheidung zu involvieren."

Um den Ablauf etwas zu vereinfachen, haben sich die Lokalpolitiker auf zwei Varianten geeinigt, die den Kindern vorgestellt werden sollen. Zum einen geht es um ein Kletterspielgerät und eine Seilbahnanlage von 30 Metern Länge. "So eine Anlage gibt es bisher in Oelsnitz nicht", sagt Illmann. Das Kletterspielgerät besteht aus mehreren im Achteck angeordneten Einzelelementen mit einer Fallhöhe von zwei Metern. Enthalten sind unter anderem ein Seilnetz, eine Boulderwand, eine Strickleiter und ein Reck.

Zum anderen steht ein Spielgerät mit kombinierten Spieltürmen zur Auswahl. Auch dieses Gerät, das sich auf zwölf Metern erstreckt, verfügt über eine Boulderwand und darüber hinaus über eine Hangelstrecke sowie eine Rutsche. Verworfen wurden ein Piratenturm und ein neues Spielschiff. "Es kann nicht schaden, wenn wir von Zeit zu Zeit ein neues Thema anbieten", sagt der Beigeordnete Jens Barnickel.

Die Verwaltung bereitet nun eine Befragung von Kindern bis 14 Jahren in den Kindereinrichtungen der Stadt vor. Da das bestehende Spielschiff nicht sofort ersetzt werden muss, bleibt ausreichend Zeit, um die Kinder einzubeziehen und über das Ergebnis abschließend zu beraten.


Kommentar: Beispiel sollte Schule machen

Über das neue Spielgerät am Waldbad sollen nun die Kinder entscheiden, die es später auch nutzen sollen. Das ist ein starkes und richtiges Signal, das die Stadt Oelsnitz aussendet. Nach einer Jugendumfrage, die nach Einschätzungen und Wünschen der Oelsnitzer Schüler gefragt hat, wird die junge Generation nun ein weiteres Mal in die Stadtentwicklung einbezogen. Peter Stahl sei Dank.

Es ist wünschenswert, dass diese Verfahrensweise in Zukunft Schule macht und wo immer es machbar ist, automatisiert wird. Es kann nur gut sein, kommende Generationen frühzeitig mit in die Verantwortung für ihr Lebensumfeld zu nehmen. Das fördert deren Entwicklung zu mündigen Bürgern, die sich konstruktiv einmischen und stärkt Oelsnitz' Position als familienfreundlicher Ort.

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1Kommentare
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    0
    1751491
    12.07.2018

    So neu ist diese Idee nicht! In die Entwicklung des Bergbauspielplatzes Zwergenschacht im Oelsnitzer Bergbaumuseum ab 2012 waren von Anfang an Kindergartenkinder involviert - und das über alle Stufen des Projektes. Es gab hier ein wirkliches Konzept der Einbindung, nicht nur eine Abstimmung. Leitgedanke war hier von Anfang an, dass Kinder auch selbst entwickeln sollen, was sie später nutzen. Das wurde sogar mit einem Preis bedacht. Der im Kommentar geäußerte Wunsch ist also beim Beispiel Bergbaumuseum in Zusammenwirkung mit Kindern schon längst realisiert worden.



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