Oelsnitzer Jugendliche setzen ein buntes Zeichen für Toleranz

Sie blicken mit Sorge auf die politische Entwicklung. Sie sind interessiert. Sie wollen gehört und ernst genommen werden. Das Berufliche Schulzentrum hat seinen Elftklässlern nun Raum dafür eingeräumt. Was ist dabei entstanden?

Oelsnitz.

In der letzten Schulwoche geschieht eigentlich nicht mehr viel. Anders war das in diesem Schuljahr am Beruflichen Schulzentrum in Oelsnitz (BSZ). Dort haben sich 55 Schüler aus der Stufe 11 mit Demokratie und Toleranz beschäftigt. Drei Tage unter dem Motto "Zusammen - Wachsen" haben zudem Gedanken zu Vielfalt und zum Mensch sein entwickelt. Das haben die 16- bis 17-Jährigen nach Einschätzung von Manja Esche, die die Projekttage gemeinsam mit Katja Fay initiiert und organisiert hat, mit viel Enthusiasmus getan. "Teilweise sind sie früher gekommen und länger geblieben, um ihre Projekte voran zu bringen", sagt Fay.

Die Ausgangssituation: Entstanden ist die Idee zu den Projekttagen unter dem Eindruck der Kommunal- und Europawahlergebnisse. "Wir haben uns im Kollegium gedacht, dass wir unbedingt etwas zur Landtagswahl machen müssen", sagt Fay. Der Gedanke sei vor allem entstanden, weil die Jugendlichen deutliche Signale gesendet haben. "Ihnen bereitet das Erstarken rechter Parteien Sorgen", fasst Fay zusammen. "Die Schüler sind vielfältig interessiert, finden aber kaum Räume, wo sie gehört werden." Die Youtube-Demos oder auch Klimaschutz seien Beispiele. Die Klimaschutzkonferenz hat zwar Ministerpräsident Michael Kretschmer zum Erfolg erklärt, offenbar sehen Jugendliche das jedoch anders. "Wir wollen mit dem Projekt Raum zur Auseinandersetzung bieten", sagt Fay.


Die Sorgen: Zum Beginn der Projekttage ging es darum, die Sorgen der Schüler zu sammeln. Auf bunten Klebezetteln hinterließen die Jugendlichen ihre Gedanken: Wahlergebnisse, Klimawandel, Nazis, AfD, IS, NPD, Umwelt, Terror oder Trägheit in der Politik. Auf dieser Grundlage ging es für die Schüler in die Gruppenarbeit.

Die Filme: In den drei Tagen sind mehrere Filme entstanden. Unter anderem hat eine Gruppe einen filmischen Wahlaufruf produziert. Die Herausforderung: parteiunabhängig die Wichtigkeit von Wahlen herauszuarbeiten.

Der Test: Lea Haase und Amely Adler haben einen Test über Demokratie entwickelt. "Die Idee ist entstanden, weil wir in der Schule mit der Bewertung von Klassenarbeiten oder Klausuren zu tun haben", sagt Amely Adler. "Nun wollten wir mal etwas anderes testen." Herausgekommen ist ein Plakat, auf dem die Bundesregierung - fiktiv - getestet wird. Die Schüler sind dabei in die Rolle des Korrektors geschlüpft und haben den Rotstift angesetzt. Beispiel: Was läuft Ihrer Meinung nach derzeit gut in der Demokratie? Antwort: Die Unterdrückung des Rechtsradikalismus. Falsch, findet der Korrektor. Hinter die Antwort "Der Einbezug der Jugend" setzt er drei Fragezeichen. "Es ist natürlich satirisch gemeint und hat durchaus zu Kontroversen geführt", sagt Lea Haase. "So war es auch gedacht."

Die Konzertplakate: In der Jugend sind bemalte Papptafeln mit Botschaften beliebt, die bei Demos oder Konzerten hochgehalten werden. Auch in Oelsnitz sind welche entstanden, die am Donnerstag bei Kosmos Chemnitz ihre Feuertaufe hatten. Sie thematisieren gleichgeschlechtliche Liebe, Vielfalt oder Verantwortlichkeit für eine gute Zukunft. Die Poster: Ein Mopedauspuff und die Liedtextanleihe "36 Grad und es wird noch viel heißer. Wählen statt Sonnencreme" steht auf einer Arbeit und nimmt - durchaus selbstkritisch - den Klimawandel in den Blick. "Natürlich könnte man das Moped öfters stehen lassen. Aber ich warte nach der sechsten Stunde fünfzig Minuten auf den Bus. Das ist ein Argument fürs Moped", sagt Martin Zierer. "Wir überlegen noch, ob und wie wir diese Poster öffentlich aufhängen können", sagt Fay.

Die Postkarten: Eine Gruppe hat Postkarten entworfen, die Wähler zur Stimmabgabe bei der Landtagswahl ermuntern sollen. Die meisten der Elftklässler sind noch nicht wahlberechtigt. Daher hat sich Nike Schöne eine spezielle Botschaft ausgedacht: "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie auch die Jugend." Die Postkarten sollen vervielfältigt und in Oelsnitz ausgelegt werden.

Die Hoffnungen: Analog zu den Klebezetteln zu Beginn des Projektes waren zum Abschluss wieder Schülereindrücke gefragt - und zwar davon, was hoffnungsvoll stimmt. Die Antworten reichten von Freiheit für alle, Homosexuelle dürfen heiraten, über Linke, die sich gegen Rechte wehren, bis zu Die Partei. "Wir werden die Projekttage im Kollegium besprechen und überlegen, was wir mit den Ergebnissen machen", sagt Fay.


Kommentar: Jugend ernst nehmen

Auch wer nicht wählen darf, hat Erwartungen an die Zukunft. Das gilt für die ganz persönliche - und das Lebensumfeld. Viele Jugendliche fühlen sich nicht ernst genommen. Die ablehnenden Reaktionen auf die Youtube-Demos oder die Fridays for Future bestärken sie darin. Gut, dass sie in der Schule ihre Belange breit diskutieren konnten. Besser wäre es, wenn sie in reale Politik einfließen würden und nicht nur in Wahlkampfreden. Und bitte nicht nur deshalb, weil es sich um künftige Fachkräfte und Wähler handelt.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...