Stollberg
„Ohne uns würde mancher OP nicht funktionieren“: Medizin-Fachhandel aus dem Erzgebirge für Unternehmerpreis nominiert

Sie stellen sich nicht in den Vordergrund, aber ohne sie hätten viele von uns ein Problem: Die Medizinprodukteberater von Praximed aus Zwönitz beliefern Arztpraxen und MVZs in ganz Mitteldeutschland.

Zwönitz.

Woher bekommt die Arztpraxis ihr neues Ultraschallgerät und der OP sein Verbrauchsmaterial? Wer hilft bei Problemen mit der Rezeptabrechnung? „Ohne uns würde mancher OP nicht richtig funktionieren“, sagt Jens Klemm. Er ist einer der drei Geschäftsführer von Praximed. Das mittelständische Unternehmen mit Hauptsitz in Zwönitz steht selten in der Öffentlichkeit. Auch für den Preis „Unternehmer des Jahres“ hat es sich nicht selbst beworben, sondern wurde nominiert.

600 Pakete täglich aus Lößnitz

Praximed liefert Material und medizinische Geräte vom Stethoskop bis zum Ultraschallgerät, vom Sterilisator bis zum Praxismobiliar, an Arztpraxen, medizinische Versorgungszentren (MVZs) und Krankenhäuser. „Wir haben eine eigene Logistik und versenden aus unserem Lager in Lößnitz 600 Pakete am Tag,“ betont Jens Klemm. Etwa 13.000 Produkte seien ständig ab Lager verfügbar.

Seit 1991 hat Praximed seinen Firmenstandort im erzgebirgischen Zwönitz.
Seit 1991 hat Praximed seinen Firmenstandort im erzgebirgischen Zwönitz. Bild: Erz-Foto/Georg Ulrich Dostmann

Das meiste passiert jedoch außer Haus, das Team ist viel unterwegs in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Nordbayern. Außendienstler beraten, Medizintechniker warten und prüfen Geräte, reparieren vor Ort oder in der Werkstatt am Firmensitz, weisen Kunden in neue Medizintechnik ein. Ihr Kopf ist Jens Klemm, 63 - Außendienstler aus Leidenschaft, wie er selbst sagt. Beratung spielt eine wichtige Rolle, von der Praxiseinrichtung bis zur Arbeitssicherheit. Außerdem bietet das Unternehmen Schulungen zu Themen wie Wundversorgung oder Cybersicherheit an.

Dabei ist Zwönitz der Dreh- und Angelpunkt, und soll es auch bleiben, wie Nadine Flegel-Wolf versichert. Sie hat das Familienunternehmen 2016 übernommen, nachdem ihr Vater und Gründer, Hans-Jochen Meinhold, nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben war: „Es war ein Sprung ins kalte Wasser“, sagt die heute 44-Jährige, „aber unser Team hat mich unterstützt und uns die Treue gehalten.“

Zwönitz: Medizintechnik schon zu DDR-Zeiten

154 Menschen arbeiten bei der Praximed-Gruppe - in Zwönitz, Lößnitz, Dresden, Halle, Zittau und Rostock und in drei angeschlossenen Sanitätshäusern. Zwönitz war schon zu DDR-Zeiten ein wichtiger Standort der Medizintechnik, die Eltern von Nadine Flegel-Wolf arbeiteten beide im dortigen Messgerätewerk. Ihr Vater baute dann ab 1991 das Unternehmen auf, ihre Mutter leitete den Einkauf. Jens Klemm ist seit 1993 im Unternehmen, und seit 2009 Geschäftsführer. Enrico Hesse kam vergangenes Jahr ins Leitungsteam - der 41-Jährige kümmert sich um das Kaufmännische, um Verträge und Qualitätsmanagement, während Nadine Flegel-Wolf die Unternehmensentwicklung in der Hand hat. „Wir ergänzen uns perfekt“, sagt sie, „zusammen sind wir stark.“

Medizinische Geräte, aber auch Beratung, Prüfung und Wartung gehören zur Angebotspalette von Praximed.
Medizinische Geräte, aber auch Beratung, Prüfung und Wartung gehören zur Angebotspalette von Praximed. Bild: Erz-Foto/Georg Ulrich Dostmann

Die Branche sei wenig abhängig von der Konjunktur, sagt Jens Klemm. Vom Weltmarkt aber schon: „Die Lieferketten sind seit Corona gestört.“ Gleichzeitig erwarten viele Kunden ihre Lieferung in „Amazon-Geschwindigkeit“. Der Vorteil des mittelständischen Unternehmens: Man könne schnell auf Veränderungen reagieren. Dazu gehören auch bürokratische Anforderungen. Praximed berät Kunden auch dabei, erstellt beispielsweise ein Hygienemanagement samt Dokumentation.

Das Dreierteam blickt verhalten optimistisch in die Zukunft. Sorge bereitet allerdings die demographische Entwicklung: „Viele Ärzte sind älter als 70“, so Nadine Flegel-Wolf, „wenn sie in Rente gehen, gibt es oft keinen Nachfolger.“ (eva)

Der Wettbewerb „Sachsens Unternehmer des Jahres“ ist eine Initiative von Sächsischer Zeitung, Freier Presse, Leipziger Volkszeitung und MDR sowie von Volkswagen Sachsen, Sächsische Lotto GmbH, der Schneider+Partner Beratergruppe, der Gesundheitskasse AOK Plus und „So geht sächsisch“.

www.freiepresse.de/unternehmerpreis

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