Organisator zu Rechtsextremen bei Traktor-Demo: "Das war nicht unser Anliegen"

Der Organisator des örtlichen Protestes der Landwirte, Dominik Fritzsch, erklärt, wie er zur Lautsprecheranlage der Heimattreue Niederdorf kam

Niederwürschnitz.

Parallel zu den bundesweiten Protesten sind am Freitag auch hierzulande Landwirte auf die Straße gegangen. Dass bei der Kundgebung auf dem Parkplatz von Möbel Werner auch Rechtsextreme anwesend waren, sorgte für Verwirrung. Kathrin Neumann sprach dazu am Montag mit Organisator Dominik Fritzsch.

"Freie Presse": Herr Fritzsch, wie beurteilen Sie die Veranstaltung vom Freitag?

Dominik Fritzsch: Ich würde den Tag insgesamt als gelungen bezeichnen, die Zusammenarbeit mit Polizei und Landratsamt war gut. Leider war meine Ansprache aufgrund der fortgeschrittenen Zeit knapp ausgefallen. Und schade war, dass insgesamt nur wenig Verbraucher zu der Kundgebung kamen. Ich frage mich, warum das so ist. Schade ist auch, dass ein gewisser Teil der Zuhörer augenscheinlich in die rechte Ecke zu stellen ist.

Wie kam es dazu?

Ich musste innerhalb ganz kurzer Zeit noch eine Lautsprecheranlage organisieren und Ordner benennen. Für das Equipment habe ich einen ehemaligen Mitarbeiter gefragt, der mir selbst nichts ausleihen konnte, aber meinte, dass die Heimattreue Niederdorf so etwas hat. Dort habe ich einfach angefragt.

Würden Sie das wieder machen?

Nein. Da muss ich selbstkritisch sein und zugeben, dass ich den Weg des geringsten Widerstands gegangen bin. Beim nächsten Mal würde ich mir mehr Zeit nehmen, einen breiteren Kreis an Unterstützern suchen und vielleicht ein anderes Format wählen. Ich habe nicht im entferntesten daran gedacht, dass wir instrumentalisiert werden könnten. Es war auch unglücklich, dass Thomas Witte bei meiner Rede direkt hinter mir stand. Das fand ich zu dem Zeitpunkt aber nicht verwerflich.

Was ist mit Artur Österle, der die Traktoren eingewiesen hat?

Ich kenne den Herren gar nicht, habe keinen Bezug zu ihm und habe ihn auf keinen Fall als Ordner eingeteilt. Ich habe ihn am Wochenende erstmal gegoogelt. Es waren Leute dort, mit denen ich nie gerechnet habe. Ich würde mich selbst als konservativer Grüner bezeichnen. Und da verhältnismäßig wenig Verbraucher da waren, entstand der Eindruck, dass wir von rechts gesteuert wurden. Das bedauere ich sehr. Das war nicht unser Anliegen.

Fühlen Sie sich benutzt?

Nein, es gab ja keine Wortbeiträge. Uns Landwirten ging und geht es nur um unser Anliegen. Aber wir wurden hier überrollt. Andererseits habe ich von einigen Berufskollegen im Nachhinein gehört, dass diese Leute in Grüppchen für sich standen. Ich würde sagen, sie standen bei unserer Veranstaltung neben uns, aber nicht unter uns. Aber wir sind halt Landwirte, keine Medienprofis und nicht demonstrationserfahren. Es ist gut, wenn Landwirte betriebsübergreifend für eine Sache einstehen und dafür kämpfen. Der Spruch 'Klagt nicht, kämpft' in altdeutscher Schrift auf einem der Traktoren halte ich aber für fragwürdig.

Den Landwirten geht es ja um etwas ganz anderes, richtig?

Ja, unser Kernanliegen sind eine faire Behandlung im Kontext der internationalen Wirtschaftsbeziehungen und auch beim Thema Insektenschutz und Düngeverordnung. Wir können uns vielen Problemen stellen, aber dabei müssen wir wettbewerbsfähige Produkte erzeugen können. Für unser Gesamtanliegen brauchen wir gute Ideen und da sollen politische Richtungen keine Rolle spielen. kan


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    4
    Distelblüte
    22.01.2020

    Danke für die ehrlichen Antworten und das klare Statement, Herr Fritzsch.
    Es stimmt, man kann sich die Zuschauer nicht aussuchen, die zur Demo kommen, die Unterstützer aber sehr wohl. Viel Erfolg weiterhin bei Ihrem berechtigten Anliegen.