Ortschronist kämpft um Rittergut

Ein Teil der Anlage in Leukersdorf ist bereits abgerissen. Noch hofft Eckhard Rehnert, dass Herrenhaus und Remise diesem Schicksal entgehen.

Leukersdorf.

Das Rittergutsgebäude an der Straßenseite ist bereits voriges Jahr abgerissen worden. Seither hat man von der Straße aus einen freien Blick auf die denkmalgeschützten Bestandteile des Komplexes. Selbst Eckhard Rehnert trauert der verschwundenen Bausubstanz nicht hinterher: "Der vordere Teil war historisch wertlos, denn nach einem Brand 1905 ist dieser Teil des Rittergutes erst 1906 neu aufgebaut worden." Bauchschmerzen aber bereitet dem Ortschronist die Zukunft zweier noch vorhandenen Gebäude: Herrenhaus und Remise des Rittergutes gehören zu den ältesten Bauwerken von Leukersdorf.

Beides steht unter Denkmalschutz. Doch ein Investor plant ein Projekt, für das die historische Substanz voraussichtlich komplett weichen muss. Bürgermeister Albrecht Spindler: "Es soll ein großer Neubau an dieser Stelle errichtet werden. Auch unter der Maßgabe, dass das Rittergut abgerissen werden müsste, würden wir das begrüßen." Geplant ist der Bau einer Seniorenresidenz.

Eckhard Rehnert hofft auf eine Variante, in der Teile der historischen Substanz erhalten bleiben: "Das Rittergut gehört zu Leukersdorf. Mein Wunsch wäre es, dass das Ensemble von Herrenhaus und Remise in die Planungen einbezogen werden. Zumindest die Hülle mit der historischen Front und dem Fachwerk sollte erhalten bleiben."

Unterstützt wird er in seinem Bemühen vom Heimatverein Leukersdorf. Dessen Vorstandsmitglied Thomas Gruner sagt: "Das ist Geschichte zum Anfassen. Das Rittergut war immer der Ortsmittelpunkt unseres lang gestreckten Waldhufendorfes. Es könnte auch künftig der Identifikationsort von Leukersdorf sein."

Tatsächlich reicht die Historie des Rittergutes bis ins 13. Jahrhundert zurück. Damals befand es sich aber noch nicht am jetzigen Standort, sondern am Bach in Richtung Seifersdorf. Rehnert: "Dort gab es zur Zeit der Besiedlung kaum Baubestand, es war sogenanntes Offenland." Aus seinen Unterlagen kramt der Ortschronist die älteste Ortsansicht von Leukersdorf hervor. Die Karte von Balthasar Zimmermann aus dem Jahr 1615 zeigt neben Kirche und Kretscham auch das Rittergut am heutigen Standort. Wann genau es hier errichtet wurde, ist nicht bekannt. Überliefert sind immerhin etliche Details zur wechselvollen Geschichte. 1260 haben die Herren von Waldenburg das Rittergut dem Kloster Grünhain vermacht. Im 14. Jahrhundert brannten die ursprünglichen Gemäuer Richtung Seifersdorf nieder, es wurde neu aufgebaut. Mit der Einführung der Reformation in Leukersdorf durch Heinrich, den Frommen wurde der Klosterbesitz 1539 vom Staat eingezogen. Etliche Bestandteile des Rittergutes sind inzwischen weg. So wurde die 1881 abgebrannte Rittergutsbrauerei durch Wirtschaftsgebäude ersetzt. Im Februar 1905 ist eine Scheune und ein langes Wohn- und Stallgebäude niedergebrannt, nur einen Monat später fiel auch die auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindliche Rittergutsschenke den Flammen zum Opfer.

In den 1940er-Jahren gab es auf dem Gelände eine Schweinezucht, ab 1954 gehörte das Grundstück zur LPG, 1991 ging es in die Hände der Treuhand, die es 2003 an Dirk Clausnitzer veräußerte. Der Privatinvestor aus Murnau wollte die Substanz erhalten, das Gelände zu einem Erlebnishof ausbauen und einen Verein der Freunde des Rittergutes etablieren. Mit dem Tod Clausnitzers im Jahr 2007 war dieses ambitionierte Vorhaben gestorben. Seither dümpelt das Gelände vor sich hin. Die Gebäude an der Straßenseite wurden inzwischen als nicht mehr sicher eingestuft, mussten deshalb weg. Zur möglichen Erhaltung eines Teils der noch vorhandenen Gebäude schätzt Eckhard Rehnert realistisch ein: "Wir sind hier auf das Wohlwollen des Investors angewiesen." Herrenhaus und Remise trennt praktisch nur noch ein Blatt Papier vom Abriss: Die Zustimmung der Denkmalschutzbehörde.

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