Plagegeist vorerst auf dem Rückzug

Der Spanischen Wegschnecke macht die Trockenheit zu schaffen - zur Freude der Kleingärtner.

Stollberg.

Die besonders bei Kleingärtnern unbeliebte Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris) hat sich dieses Jahr rar gemacht. Von einer Plage keine Spur. "Die Art hat schon die Trockenheit im vergangenen Sommer nicht gut verkraftet", sagt der Biologe Kay Meister. Das war die Jahre zuvor anders. Die Schneckenart hat sich immer weiter ausgebreitet - zuletzt bis an den Erzgebirgskamm. Sie ist maßgeblich verantwortlich für Fraßschäden und hat andere Wegschnecken verdrängt. Neben Kleingärtnern haben ebenso Naturschützer damit ein Problem. Denn auch die streng geschützte Arnika-Pflanze ist nicht sicher vor ihr, sagt Kay Meister.

Berichte über die Herkunft der Spanischen Wegschnecke ließen in jüngster Zeit aufhorchen und zeigen, dass selbst vermeintlich sichere Erkenntnisse durch neue Untersuchungen widerlegt werden können. Wissenschaftler der Universität Frankfurt und anderer assoziierter Institute haben herausgefunden, dass die Schnecke wahrscheinlich nicht eingewandert ist, sondern zu den Ureinwohnern zählt, erklärt der Biologe. Das hätten genetische Untersuchungen ergeben. "Dort, wo man sie vermutet hat, konnte sie keiner bekannten Art zugeordnet werden. Deshalb ist sie wohl schon immer bei uns zu Hause gewesen."

Seit den 1970er-Jahren breitet sich die Spanische Wegschnecke rasant in Mitteleuropa aus. In Deutschland wurde sie erstmals 1969 auf der deutschen Rheinseite entdeckt. Ob sie tatsächlich in Spanien lebt, wurde schon länger bezweifelt. Der Name beruht auf der irrtümlichen Annahme, es handele sich um eine 1868 in Portugal entdeckte Art, die auch in Spanien vermutet wurde.

Eine ausgewachsene Spanische Wegschnecke lässt sich nur schwer von anderen Arten unterscheiden. Laien ist das Meister zufolge kaum möglich. "Das geht nur mit genetischen Untersuchungen oder anhand von Genitalpräparaten." Warum sich die Art gegenüber anderen Artverwandten durchgesetzt hat und massenhaft vermehren konnte, kann der Biologe nur mutmaßen. Wahrscheinlich profitiert sie vom Klimawandel und dem Nahrungsangebot an Nutzpflanzen.

Gegenspieler der Spanischen Wegschnecke sind übrigens Schnegel, in älterer Literatur auch Egelschnecken. Die bis zu 25 Zentimeter langen heimischen Nacktschnecken fressen neben Pilzresten und absterbenden Pflanzen die Gelege der Spanischen Wegschnecke. Die Tiere werden auf Farmen gezüchtet und auch im Internet vertrieben.

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