Plan für Gedenkstätte Hoheneck beeindruckt Opferverbände

Für die Zeitzeuginnen ist das ehemalige Frauenzuchthaus ein sensibler Ort. Entsprechend genau verfolgen sie seit jeher die Entwicklung des Areals. Der Weg zum Erinnerungsort ist mittlerweile klar definiert. Wo liegen Schwerpunkte?

Stollberg.

Mit Hoheneck lässt sich viel assoziieren. Zu DDR-Zeiten war das Gefängnis für viele ein - weithin sichtbarer - Ort des Schreckens. Später war das ehemalige Frauenzuchthaus Symbol für ein überwundenes Unrechtsregime, und in jüngerer Vergangenheit gab es oft und viel Streit. Mittlerweile ist weitgehend Ruhe eingekehrt, und es wird stringent an der Ausgestaltung eines Erinnerungsortes mit wissenschaftlich fundierter Dauerausstellung gearbeitet. "Die zukünftige Gedenkstätte wird ein spannender Lernort; kein Spaziergang durch ein abenteuerliches, gruseliges Frauenzuchthaus mit viel Drama, aber ein Ort der Begegnung, der Menschen Geschichte hautnah erleben lässt, ohne dabei zu überfordern", ist sich Konstanze Helber sicher.

Sie ist eine Vertreterin der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), die mit der Stadt Stollberg in Sachen Hoheneck vertrauensvoll zusammenarbeitet. Deren stellvertretende Bundesvorsitzende Carla Ottmann und Konstanze Helber stehen in engem Kontakt mit den Planern. Die Eröffnung ist frühestens für Ende 2021 geplant. "Freie Presse" hat über die Planung mit dem Dachverband gesprochen.


Erfahrungen mit den Planern: Die Firma "beier + wellach" ist ein Studio für die Entwicklung und Gestaltung von Kultur-, Kunst- und Bildungsprojekten. Die UOKG hält sie für die richtigen Partner für die Erstellung der Konzeption. Die langjährige Erfahrung mit historischen Themen und Zeitzeugenarbeit sprächen ebenso für "beier + wellach" wie das breit gefächerte Mitarbeiterportfolio, das von Historikern über Kommunikationsdesigner bis zu Dokumentarfilmern und vielen mehr reicht. Das Studio war auch für die Gedenkstätte Point Alpha in Geisa tätig und hat das Erweiterungskonzept der Gedenkstätte Hohenschönhausen erarbeitet. Zudem ist es mit dem Kaßberg-Gefängnis befasst.

Schwerpunkte der Daueraustellung: "Die Ideen sind vielfältiger und ausgereifter als noch im Vorkonzept", schätzt Helber ein. Aspekte, wie die Klärung des Begriffes "politische Haft im zeitlichen und gesellschaftlichem Kontext" werden ebenso aus dem Vorkonzept übernommen, wie die unterschiedlichen Sichtweisen der Betroffenen und das persönliche Erleben, beziehungsweise die Auswirkung der Haft auf das Leben der Betroffenen. Neue Aspekte kämen indes hinzu: Zwangsarbeit, Haftbedingungen, Repression und Sippenhaft, Stasi und Polizei, Wertevermittlung, Demokratie und Menschenrechte, Erniedrigung, Freiheit und Zivilcourage, Isolation und ihre Folgen. "Ein Schwerpunkt wird ein virtueller Rundgang durch das Frauenzuchthaus sein, der die aufgezählten Themen beleuchtet", stellt Helber in Aussicht. Die Zuchthausräume werden konzeptionell bedacht und je nach planerischen und baulichen Gegebenheiten Teil der Dauerausstellung.

Wissenschaftliche Begleitung: "Es ist gut, dass die Neukonzeption mit Historikern, Museums- und Gedenkstättenpädagogen und Zeitzeuginnen aus verschiedenen Jahrzehnten gemeinsam erarbeitet und umgesetzt wird", betont Helber.

Wichtige Themenfelder: Als besonders wichtig erachtet die UOKG neben der Einbeziehung des historischen Ortes als Ganzem, die Ausdifferenzierung von Häftlingskategorien sowie pädagogische Angebote. Das können Workshops sein oder mehrtägige Seminare, aber auch Angebote für die Erwachsenenbildung. "Wesentlich ist, die Erinnerung an politische Verfolgung wachzuhalten und der Opfer zu Gedenken", sagt Helber. "Dazu gehört auch die Förderung von Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und Bildung von historischen Bewusstsein, um Unterschiede zwischen Diktatur und Demokratie verstehbar zu machen.

Verbindung zum Kaßberg-Gefängnis: Dass "beier + wellach" auch an der Errichtung der Gedenkstätte Kaßberg-Gefängnis beteiligt ist, bewertet die UOKG positiv. "Es gibt viele Synergien durch den Freikauf über das Kaßberg-Gefängnis - das ist ein wichtiger Punkt", sagt Helber.

Einen weiteren Text über die Konzeption der Gedenkstätte Frauenzuchthaus Hoheneck können Sie im Internet lesen: www.freiepresse.de/gedenkstaette

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